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5 Spielfilme

5.1 Salaam Bombay! (1988)

5.1.1 Zum Inhalt des Films

Salaam Bombay! erzählt die Geschichte von Krishna (Shafiq Syed), einem Jungen, der auf den Straßen von Mumbai lebt. Zunächst beginnt der Film jedoch mit einer kurzen Episode, die Krishna bei seiner Arbeit im Zirkus in der Provinz zeigt. Während er von dem Zirkusdirektor in ein nahegelegenes Dorf geschickt wird, um Tabak zu besorgen, reist die Zirkusmannschaft ohne ihn weiter. Er wird einfach vergessen. Später im Film wird man aus Krishnas Erzählungen erfahren, wie er überhaupt beim Zirkus gelandet ist: Zu Unrecht eines Diebstahls an seinem Bruder beschuldigt, schickte ihn die Mutter von Zuhause fort und erlaubte ihm erst zurückzukehren, wenn er das fehlende Geld wieder aufgetrieben hat. In einer weiten, leeren Landschaft allein gelassen, macht sich Krishna auf den Weg zu dem nächstgelegenen Bahnhof. Er kauft sich eine Fahrkarte, durch Zufall wird sein Zielort Mumbai. Dort findet er schnell Anschluss an eine Gruppe von Straßenkindern. Vor allem freundet er sich mit Chillum (Raghuvir Yadav) an. Sein Name ist Programm: Er handelt mit Drogen und ist ihnen selbst verfallen. Krishna versucht dem in Not geratenen Freund zu helfen, doch Chillums Verderben durch die Drogen ist nicht aufzuhalten. Er stirbt. Krishna arbeitet als Teejunge, um sich das Nötigste für sein Überleben zu sichern. So erhält er den Namen Chaipau, was von Chai guy kommt, also Teejunge heißt und Krishna damit nach seiner Funktion benennt. Als Teejunge beliefert er unter anderem ein Bordell mit dem Getränk. Eines Tages wird er Zeuge, wie ein aus Nepal verschlepptes Mädchen (Chanda Sharma) dort einquartiert wird. Sie ist wunderschön und erst sechzehn Jahre alt, weswegen ihr nun der Name Solasaal, sechzehn auf Hindi, gegeben wird. In dieser Umgebung machen ihre Schönheit und ihre Unschuld ihren einzigen Wert aus, denn die Bordellchefin wird sie aufgrund ihrer Jungfräulichkeit zu einem hohen Preis weiterverkaufen können. Dass Solasaal kein Hindi spricht, vergrößert ihre Hilflosigkeit. In Krishna findet sie ihren einzig wahren Freund. Er ist verliebt in sie und will ihr zur Flucht zu verhelfen, indem er ihr Zim-mer anzündet. Die Flucht misslingt, Solasaal muss bleiben. Später wird sie von Baba (Nana Patekar) umgarnt, einem brutalen Zuhälter des Bordells, der sie als sein Prestigeobjekt ausstaffiert. Baba lebt ebenfalls in dem Bordell, zusammen mit seiner Ehefrau Rekha (Anita Kanwar), einer Prostituierten, und ihrer gemeinsamen Tochter Manju (Hansa Vithal). In ihnen findet Krishna eine Art Ersatzfamilie. Während Rekha ihm von Zeit zu Zeit mütterliche Zuwendung zuteil werden lässt, etwa Tänze mit ihm einübt oder ihn abtrocknet, wenn er völlig durchnässt aus dem Regen kommt, wird das kleine Mädchen, das heimlich in Krishna verliebt ist, zu seiner Gefährtin. Er zieht mit ihr auf den Straßen Mumbais umher, sie säubern Hühnerställe und kellnern auf einer Hochzeit. Wie ein älterer Bruder nimmt sich Krishna ihrer an, halb belästigt von ihrer Bewunderung und Anhänglichkeit, halb liebevoll eine Verantwortung wahrnehmend. Er lässt sie auch nicht alleine, als sie eines Nachts nach ihrer Arbeit auf einer Hochzeit vor der Polizei fliehen müssen. Während die anderen Kinder davon laufen können, bleibt Krishna bei der kleinen, langsameren Manju. Sie werden von der Polizei aufgegriffen und in verschiedene Kinderheime gebracht. Krishna fühlt sich wie in einem Gefängnis. Auch Manju ist unglücklich, sie spricht nicht mehr. Ihre Eltern besuchen sie, dürfen sie aber nicht mehr mit nach Hause nehmen. Rekha wird aufgrund ihres Berufs als Prostituierte die Befähigung abgesprochen, Manju großzuziehen. Die Erziehungsberaterin legt ihr nahe, sie zur Adoption freizu-geben. In ihrer Verzweiflung über den Verlust der Tochter entschließt sich Rekha, ihren gewalttätigen Ehemann Baba, das Bordell und die Stadt zu verlassen und an einem anderen Ort von Vorne zu beginnen. Währenddessen gelingt es Krishna, aus dem Heim zu fliehen. Seine erste Anlaufstelle ist Rekha. Er trifft sie in dem Moment an, in dem sie mit ihrem gepackten Koffer das Haus zu verlassen versucht, jedoch von Baba daran gehindert wird. Er will seine Frau nicht gehen lassen und sie streiten sich heftig. Krishna möchte Rekha zu Hilfe kommen. Im Affekt greift er zu einem Messer und sticht zu: Er tötet Baba. Von ihrem Unterdrücker befreit, ergreift Rekha gemeinsam mit Krishna die Flucht. Auf den Straßen toben die Massen, es wird Ganesch Chaturhi, das große Fest zu Ehren des Elefantengottes Ganesha gefeiert. In der Menschenmenge werden Krishna und Rekha auseinandergerissen und verlieren sich schließlich endgültig. Krishna endet wieder allein. In einer Nebenstraße kommt er zur Ruhe. Alles was ihm geblieben ist, ist ein Spielzeugkreisel. Es ist das einzige Hab und Gut seiner Kindheit, einer vergangenen und verlorenen Zeit. Plötzlich bricht seine ganze Verzweiflung aus ihm heraus und er beginnt bitterlich zu weinen. Dann erstarrt sein Gesichtsausdruck und er blickt stumm und unbestimmt in die Leere. Das Ende ist offen und damit kehrt der Film zum Anfang zurück.

 
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