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5.3. Prüfung der Hypothesen und Diskussion der Resultate

5.3.1. Vergleich der Hypothesen mit den gewonnen Erkenntnissen aus Interviews und Befragung

Nach der Darstellung der Ergebnisse der empirischen Datenerhebung sollen nun im Folgenden diese mit den Hypothesen abgeglichen werden, um eine Verifizierung oder Falsifikation zu ermöglichen. Im Anschluss wird ein Ergebnis zur jeweiligen Hypothese dargestellt und erläutert.

Zu den Zielen von Korruption wurden im Anschluss an die Quellenanalyse vier Hypothesen aufgestellt, die aufgrund der Ergebnisse nun bewertet werden können.

Hypothese 1:Unternehmen bestechen, um die übergeordneten Ziele der Gewinnmaximierung, Steigerung der Rentabilität und Sicherung des Unternehmens zu erreichen.

Die aus dem Kontext der Quellenanalyse entstandenen Annahmen dieser Hypothese konnten durch die Befragung von ausgewählten Experten bestätigt werden. So wurde einstimmig argumentiert, dass Korruption von Unternehmen eingesetzt wird, um die in der Hypothese genannten Ziele zu erreichen. Gleichzeitig wurde dabei festgestellt, dass es durch Korruption lediglich möglich ist, einzelne Ziele zu erreichen, nicht jedoch eine ganzheitliche Strategie oder Geschäftspolitik zu verfolgen. Weiterhin ist Korruption lediglich für kurzfristige wirtschaftliche Ziele als Mittel geeignet, nicht jedoch langfristig .Auch erzielten die Antwortmöglichkeiten der Mitarbeiterbefragung, welche unter den drei genannten Zielen subsumierbar sind, die höchsten Bewertungen. So sind generell 56% der Meinung, dass Unternehmen bestechen, da die Erfolgswahrscheinlichkeit zur Zielerreichung bei der Anwendung von Korruption sehr hoch ist. Im Bereich der konkreten Ziele sind bspw. 84% der Ansicht, dass mit Korruption durch Unternehmen Wettbewerbsvorteile erzielt werden können und weitere 56% sehen darin die Möglichkeit zum Ausgleich von Wettbewerbsnachteilen. Da das Bestehen im Wettbewerb elementar für die Existenz eines Unternehmens ist, kann dies als ein wesentlicher Faktor zu Sicherung des Unternehmens betrachtet werden.

Damit kann die Hypothese bestätigt werden, Unternehmen setzen Mittel der Korruption ein, um die strategischen Ziele der Gewinnmaximierung, der Rentabilität und der Sicherung zu erreichen.

Hypothese 2: Korruption ist geeignet, um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, Marktanteil bzw. die Position im Wettbewerb zu sichern und Kosten zu reduzieren.

Die übergeordnete Zielsetzung des Gewinns, der Rentabilität und der Sicherung des Unternehmens wird durch weitere konkretisierte Teilziele verfolgt. Hierbei soll überprüft werden, ob Korruption auf dieser Ebene ebenfalls geeignet ist, um operative Teilziele zu erreichen. Die Quellenanalyse zeigte verschiedene Fälle auf, in denen die in der Hypothese genannten Aspekte der Wettbewerbsfähigkeit, der Position im Markt und der Kostenreduzierung, durch Anwendung korrupter Praktiken erreicht werden konnten. Insbesondere der Ausgleich von Wettbewerbsnachteilen in Form von veralteten Produkten und damit verbundener Innovationsarmut und Kostennachteilen werden nach Einschätzung der Interviewpartner als Hauptziel angesehen. Weiterhin wurde die Sicherung der Marktanteile als hauptsächliches Motiv für Bestechung angesehen, für einen Befragten war dies sogar das Hauptziel. Gegenteilige Ansichten waren diesbezüglich nicht vorhanden. Wie bereits in der ersten Hypothese erwähnt, sind die Schaffung von Wettbewerbsvorteilen bzw. der Ausgleich von Wettbewerbsnachteilen die beiden wichtigsten Ziele von bestechenden Unternehmen laut einer Mehrheit der befragten Mitarbeiter. Zudem sind 47% der Meinung, dass Korruption billiger ist, als dem legalen Wettbewerb zu folgen. Unter Einbeziehung der Erkenntnisse der Quellenanalyse kann die Hypothese somit als bestätigt gesehen werden.Mit Korruption werden hauptsächlich Wettbewerbsdefizite ausgeglichen, die Stellung im Wettbewerb verbessert und die Rentabilität gesteigert.

Hypothese 3: Von öffentlichen Körperschaften kann keine Korruption ausgehen, somit haben diese keine Ziele, welche durch Korruption erreicht werden können.

Sowohl die Interviews der Experten als auch die Mitarbeiterbefragung ergaben keine Hinweise, die eine gegenteilige Annahme zuließen. Da sich nach den Interviews diese Fragestellung als eindeutig erwies, wurde sie nicht in die Mitarbeiterbefragung mit aufgenommen. Die Quellenanalyse liefert ebenfalls keine weiteren Ansatzpunkte; somit kann die Hypothese als zutreffend angesehen werden. Von öffentlichen Körperschaften geht keine Korruption aus.

Hypothese 4: Korruption ist für Einzelakteure geeignet, um finanzielle, ideelle, soziale und karriereorientierte Ziele zu erreichen.

Die Quellenanalyse ließ aufgrund der Eindeutigkeit keine anderen Annahme zu, wobei der Schwerpunkt deutlich im finanziellen Interesse lag. Dies wurde durch alle Interviewpartner bestätigt. Auch gaben 94% der Befragten an, dass es bei den Motiven der Einzelakteure um finanzielle Interessen geht. Bezüglich sozialer und ideeller Ziele wurde dies lediglich durch einen Interviewpartner bestätigt, der auf entsprechende Studien dazu verwies. Andere Interviewpartner teilten diese Ansicht nicht und nannten neben finanziellen Interessen noch Aspekte der Karriereorientierung. Dies wurde durch 72% der Befragten ebenfalls so gesehen. Daher kann die Hypothese hinsichtlich der Geeignetheit von Korruption zur Erreichung finanzieller und karriereorientierter Ziele bestätigt werden, die Bedeutung für die Erreichung sozialer oder ideeller Ziele kann hier nicht abschließend beurteilt werden. Einzelakteure bestechen, um sich zu bereichern.

Hypothese 5: Korruption ist für Unternehmen, unabhängig von der Entdeckungswahrscheinlichkeit, nicht rentabel, da die negativen Auswirkungen die positiven Effekte einer Bestechungshandlung überwiegen.

Die Beantwortung dieser These steht vor dem Paradoxon, dass die häufige Zahl der gemeldeten Korruptionsfälle auf eine rentable Einschätzung seitens der Unternehmen schließen lässt. Die Analyse der Quellen führte entgegen den Erwartungen zur Annahme der in der Hypothese genannten Fakten. Bei den Interviewpartnern führt diese Frage zu geteilter Ansicht: Vier von sechs Befragten sind der Meinung, dass Korruption sich nicht lohnt. Deutlicher sieht das Ergebnis bei der Mitarbeiterbefragung aus: 72% der Befragten sind der Ansicht, Korruption lohnt sich für Unternehmen nicht. Dennoch sind beides keine eindeutigen Aussagen. Ein wesentlicher Faktor liegt dabei in der Fehleinschätzung der Entdeckungswahrscheinlichkeit und des Schadensausmaßes. Beide Aspekte werden häufig als zu gering eingeschätzt, was Korruption lohnenswert erscheinen lässt. Dennoch kann diese Hypothese wissenschaftlich nicht eindeutig verifiziert werden, da selbst Experten widersprüchlicher Ansicht sind.

Hypothese 6: Korruption wirkt sich auf öffentliche Körperschaften ausschließlich negativ aus. Positive Auswirkungen sind nicht vorhanden.

Dies wurde durch die Interviewpartner in allen Fällen bejaht. Auch die Kostenkette der Korruption wurde durch die Befragten überwiegend gleichlautend konstruiert. Da sich nach den Interviews diese Fragestellung als eindeutig erwies, wurde sie nicht in die Mitarbeiterbefragung mit aufgenommen. Diese These konnte durch die bisher angestellten Untersuchungen bestätigt werden. Öffentliche Körperschaften verlieren bei der Korruption immer.

Hypothese 7: Korruption ist für Einzelakteure nicht lohnenswert, da die negativen Auswirkungen im Falle einer Entdeckung, die positiven Effekte überwiegen.

Hier muss eine Unterscheidung getroffen werden: Im Falle einer Entdeckung der Korruptionshandlung, wird von allen Interviewpartnern Korruption als nicht lohnenswert angesehen. Dies trifft nach der Quellenanalyse auch für den Fall der Nichtentdeckung zu, da persönliche und soziale Verhaltensänderungen zu einer stetig steigenden Entdeckungswahrscheinlichkeit führen. Die Teilnehmer der Interviews sind jedoch insgesamt der Ansicht, dass die beteiligten Einzelakteure bei einer Nichtentdeckung zu den Gewinnern der Korruption zählen. Daher kann die Hypothese nur für den Fall der Entdeckung verifiziert werden. Wird der Einzelne entdeckt, lohnt sich Korruption auf keinen Fall. Wird er nicht entdeckt, profitiert er.

Hypothese 8: Die Kosten der Korruption trägt immer die Gesellschaft.

Die in der Quellenanalyse vorgestellten Argumente lassen den oben genannten Schluss als logisch erscheinen. Tatsächlich wurde dies auch von allen Interviewpartnern so bestätigt. Aufgrund der Korruptionskostenkette, der Konstellation der strafbaren Handlungen, der Art der Refinanzierung der Korruption und den damit verbundenen infrastrukturellen Folgen für die Öffentlichkeit, trägt die Gesellschaft, und damit die Mehrheit der Bürger, die Kosten der Korruption.

 
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