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4.3. Handelnde Akteure und Beteiligte: Risiken und Auswirkungen für Einzelpersonen

Hier wird zunächst zwischen Privatpersonen der Unternehmen und Akteuren der Behörden unterschieden werden. Die Unterscheidung erfolgt, da auch hier die unterschiedlichen arbeitsrechtlichen Verhältnisse sich auch in den Konsequenzen niederschlagen.

4.3.1. Privatpersonen der Wirtschaft

Einzelakteuren der Wirtschaft drohen bei Entdeckung zunächst Einschnitte im Beschäftigungsverhältnis. Ähnlich der analogen Zielsetzungen werden die Auswirkungen auf Korruptionsstraftäter analog zu denen der Wirtschaftsstraftäter angenommen. Nach BUSSMANN/NESTLER/SALVENMOSER ist es für die Glaubwürdigkeit des Unternehmens im Außenverhältnis unabdingbar, auf Wirtschaftskriminalität zu reagieren. So leiteten 2009 in 50% der Fälle der befragten Unternehmen sowohl zivilrechtliche, als auch strafrechtliche Schritte gegen Wirtschaftsstraftäter des eigenen Unternehmens ein; bei 27% mahnten sie die Täter ab bzw. versetzten diese innerhalb der Organisation. Dies entspricht nicht dem Gegenstück im Verfahren, den betroffenen Behörden. Hier ergibt sich eine Diskrepanz: In nur 24% der festgestellten Korruptionsdelikte leitete die öffentliche Verwaltung ein Zivilverfahren gegen externe Täter ein und erstattete in 50% der Fälle Strafanzeige. Bei gar 25% aller Vorfälle wurden keine Maßnahmen gegen externe Korruptionstäter eingeleitet. Im strafrechtlichen Bereich drohen Straftätern Geldstrafen oder Freiheitsstrafen, die jedoch in einem Großteil der Fälle zur Bewährung ausgesetzt werden. Inhaftierungen bzw. Geldstrafen, aber auch strafprozessuale Maßnahmen, wie das Einfrieren von Konten oder das Beschlagnahmen von persönlichen Gegenständen, führen somit zu einer Einschränkung der Lebenssituation. Darüber hinaus führt eine Entdeckung, neben dem Vertrauensverlust des Unternehmens in den Mitarbeiter bzw. die Führungskraft, häufig zum Jobverlust. In 79% der bekannt gewordenen Vorfälle von Wirtschaftskriminalität kündigten sie den Mitarbeitern. Daneben führt die Verwicklung von Korruption zu einem Reputationsschaden. Dies läuft insbesondere den Interessen von Führungskräften zuwider, da die eigene Reputation mitunter den wichtigsten motivierenden Faktor darstellt. Allerdings gibt es in jüngster Vergangenheit Beispiele dafür, dass zumindest im Bild nach außen hin Korruptionsvorwürfe der Karriere nicht schaden müssen: So wurde jüngst SAMUELSSON, ehemals Vorstandsvorsitzender bei MAN, als neuer Vorstandsvorsitzender von Volvo vorgestellt, trotz aktuell laufender Ermittlungsmaßnahmen der Staatsanwaltschaft München wegen Verdachts der Bestechung. Darüber hinaus spielen auch soziale Faktoren bei Korruptionsstraftätern eine Rolle. LANE und SIMPSON benennen einen hohen psychologischen Druck als belastende Konsequenz aus Korruption, aber auch eine soziale Stigmatisierung. Doch auch bei Nichtentdeckung drohen Auswirkungen auf die Person des Bestechenden. Dem Prozessmodell zur Analyse der Motive deutscher Wirtschaftsstraftäter zu Folge, findet bei Nichtaufdeckung der illegalen Handlung eine Verstärkung und Enthemmung bezüglich des Einsatzes verbotener Methoden statt. In Folge dessen leidet auch der „innere, moralische Kompass“, so dass gesellschaftliche Wertvorstellungen und soziales Verhalten beeinträchtigt werden. Insbesondere die Rationalisierungsstrategien werden komplexer, um für sich selbst eine Rechtfertigung zu konstruieren. Im Rahmen einer Studie zu korruptem Verhalten stellt RABL verschiedene Argumentationen fest:

• Profit aus langwierigem Aufbau von persönlichen Beziehungen („metaphor of ledger“)

• Loyalität zum Kunden („appeal to higher loyalties”)

• Einzige Chance, Gewinn zu steigern („denial of responsibility“)

• Rentabilität für alle Beteiligten („denial of injury“)

• Verleugnung der Illegalität („legality“)

• Erlangung von Aufmerksamkeit („refocusing attention“)

• Fehlendes Bewusstsein für Geschädigte („denial of victim“)

Rationalisierung und Enthemmung des eigenen Verhaltens führen somit zu einem Kontrollverlust, der eine Entdeckung der Korruption wahrscheinlich macht. Der wegen Korruption und Betrug verurteilte „Baulöwe“ Dr. Jürgen SCHNEIDER gibt an, dass Gier letztlich zur Entdeckung seiner illegalen Handlungen führte.

 
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