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4.2.2. Auswirkungen auf öffentliche Leistungen und der Infrastruktur

Darüber hinaus senkt Korruption die Qualität der Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen. Durch Wettbewerbsverzerrung erhält nicht der innovativste bzw. beste Bieter den Auftrag, was aus Sicht der Behörde als auch des Wettbewerbs erwünscht ist, sondern derjenige, welche die höchste Bestechungssumme aufbringt. Anhand dieser Betrachtungen wird deutlich, dass man die Folgen von Korruption für die öffentliche Verwaltung nicht von den gesellschaftlichen Auswirkungen trennen kann. Wird die Behörde geschädigt, ist davon auch immer die Gesellschaft betroffen.

4.2.3. Immaterielle Schäden

Neben den monetären Schäden sind es aber vor allem die immateriellen Auswirkungen von Korruption, die den Behörden und in der Folge der Gesellschaft zusetzen. Durch hohe Medienpräsenz, insbesondere den neuen Medien, stehen auch Behörden und öffentliche Körperschaften im Licht der Öffentlichkeit, was insbesondere bei Berichterstattungen über Korruptionsvorfälle zu einem erheblichen Vertrauensverlust in die öffentliche Verwaltung führt. MERTIN sieht die Gefahr, dass die Käuflichkeit staatlichen Handelns zum Verlust des Vertrauens in die öffentliche Verwaltung, bzw. in das öffentliche Handeln, führt und somit das Wesen der Demokratie in seinen Grundfesten erschüttert wird. Bestechung wirkt somit direkt auf das Verhältnis zwischen Staat und Bevölkerung ein. Vom Ausmaß der Korruption hängt ihre Gefährlichkeit für das Gemeinwesen ab. So führte bei 47% aller Korruptionsfälle das Bekanntwerden zu einem gravierenden Reputationsverlust. Gleichzeitig werden damit auch Werte und Regeln der Gesellschaft beschädigt, da durch Korruption die Achtung vor dem Gesetz schwindet und ein Verfall der öffentlichen Moral einsetzt. Darüber hinaus meinen BANNENBERG und SCHAUPENSTEINER, „[…] dass Korruption Grundwerte des sozialen und demokratischen Rechtsstaates verletzt, die Geschäftsmoral und die Grundlagen der Marktwirtschaft gefährdet, […], Arbeitsplätze vernichtet, überhöhte Preise und Staatsverschuldung verursacht, […] und ein Verfall politischer Moral ansteigen lässt.“ Zu den immateriellen Folgen werden auch eine erhöhte Zeitaufwendung der Behörde, Beeinträchtigung der Beziehung zu Aufsichtsbehörden und politischer Druck gesehen, welche sich gewichtiger als die finanziellen Schäden auswirken. Dies wird insbesondere deutlich bei öffentlichen Aufträgen, die manipuliert vergeben wurden und das bevorzugte Unternehmen mittels Scheinpositionen versucht, die Kosten der Korruption zu refinanzieren.

4.2.4. Zusammenfassung

Zusammenfassend kann zu den behördlichen Auswirkungen festgestellt werden, dass, neben den erheblichen monetären Schäden, die immateriellen Auswirkungen von Korruption, unabhängig davon ob Korruption entdeckt wird oder nicht, das Vertrauen der Bevölkerung in die öffentliche Verwaltung zersetzen. Korruption im öffentlichen Sektor stellt somit aus verwaltungswissenschaftlicher Sicht eine strukturelle Gefahr für die Funktionsweise der Demokratie in Deutschland dar und ergibt sich aus Mängeln, welche sich im Verhältnis von Politik und Verwaltung entwickelt haben. Im nächsten Kapitel werden die Auswirkungen von Korruption auf die Einzelakteure im Vergabeprozess beleuchtet.

 
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