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4.1.3. Reputationsverlust

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist der Reputationsverlust des Unternehmens, wenn dieses in Zusammenhang mit Korruption gebracht wird. Eine Rufschädigung des Unternehmens ist in der Sache zumeist nicht direkt messbar. Die Betrachtung der Reputationsproblematik führt aber nicht nur allein auf Seiten des Kunden zu einer Distanzierung vom Unternehmen. Lieferanten und Geschäftspartner drohen dabei die Zusammenarbeit aufzukündigen, Joint-Ventures kommen nicht zu Stande, bei neuen Projekten wird das eigene Unternehmen nicht mehr als Partner in Betracht gezogen, kurz: die Position des Unternehmens auf dem Arbeits-, Ressourcen- und Kapitalmarkt wird geschwächt; darüber hinaus findet ein Ansehensverlust in breiten Teilen der Gesellschaft statt, wenn das korrumpierende Unternehmen in den Medien analysiert und dessen Aktionen bewertet wird. Dies hat gravierende Folgen, insbesondere für die eigene Kapitalisierung, wie im folgenden Abschnitt deutlich wird.

4.1.4. Minderung des Börsenwerts

Neben einem Reputationsverlust steht bei einer Börsennotierung der Rückgang des Aktienkurses im Zusammenhang. Dies ist inVerbindung mit Wirtschaftskriminalität bei 38% der betroffenen Unternehmen indiziert.Am 08.11.2012 berichtet EADS über einen Boom bei Airbus und übertrifft die gesetzten Erwartungen, trotzdem verliert die Aktie an diesem Tag 3,5% ihres Werts – der Aktienkurs fällt von 27,41 Euro auf 26,17 Euro. An diesem Tag wurden wegen Verdachts der Bestechung Geschäftsräume bei EADS durchsucht und brachte somit die Korruptionsaffäre um den Eurofighter-Verkauf nach Österreich ins Rollen. Im Zuge der nun ans Licht kommenden Details über den Rüstungsdeal verliert die Aktie weiter an Wert und fällt trotz Großaufträgen und weiterer positiver Meldungen am 27.11.2012 auf 24,73 Euro. Somit betrug der Wertverlust knapp -12% im angegeben Zeitraum. Das Scheitern der Fusion von BAE Systems und EADS verursachte zwar am 13.09.2012 einen Kursrutsch von -10,71%, ließ den Wert jedoch auf 25,18 Euro absinken, was über dem Wert der Aktie nach Bekanntwerden der Korruptionsaffäre liegt.

Abbildung 12: Aktienkurs der EADS-Aktie vom 18.06.2012 bis 18.12.2012

Die Wertentwicklung der EADS-Aktie übertrifft dabei minimal die empirisch ermittelten Durchschnittsverluste für Wirtschaftsstraftaten. So beträgt der Verlust des Aktienwertes am Tag der Bekanntgabe einer Korruptionsermittlung im Durchschnitt -3,11%, im weiteren Verlauf der Ermittlungen verliert dieser durchschnittlich -8,98%.Diese Marktreaktion steht jedoch im deutlichen Gegensatz zu Untersuchungen die aufzeigen, dass bei Nichtentdeckung Korruption den eigenen Unternehmenswert steigert:

Dieser Zusammenhang ergibt sich aus der Bekanntgabe eines Auftragseingangs am Kapitalmarkt und der Reaktion der Börse auf diese Information. Dabei wird angenommen, dass die Veröffentlichung eines Auftragseingangs zu einem Anstieg des Aktienkurses führt. Der Vergleich der Aktienkurse von 107 Unternehmen, welche öffentliche Aufträge mittels Bestechungsgeldern erhalten hatten, ergab, dass im Durchschnitt pro investierten Dollar für Schmiergelder, der Unternehmenswert um elf Dollar steigt. Dies bedeutet in der Folge, dass bei einer Entdeckung der Korruptionshandlungen das Unternehmen deutlich an Wert verliert und somit auch für Investoren nicht mehr attraktiv erscheint. Im Gegenzug muss festgestellt werden, dass bei einer Nichtentdeckung sich Korruption positiv auf den Unternehmenswert auswirkt, da der Markt nur den Auftragseingang sieht, jedoch nicht über das „Wie“ dahinter im Bilde ist.

 
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