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2.1.5. Forschungsstand

Die Betrachtung des Themas erfolgt meist aus strafrechtlicher oder politischphilosophischer Sicht. Eine andere Perspektive nimmt Dr. Tanja RABL ein. Sie konzentriert sich in ihrer Arbeit „Private Corruption and its actors – Insights into the subjective decision making process” auf die situations- und personenbezogenen Faktoren, welche die individuellen Akteure zu korruptem Handeln motivieren. Dr. Friedrich SCHNEIDER der Johannes Kepler Universität Linz veröffentlichte 2012 die Studie „Schattenwirtschaft, Korruption und Sozialbetrug in Österreich: Wer gewinnt? Wer verliert?“, in der er versucht, einen Schadenswert für Korruption in Deutschland zu beziffern, um diesen mit Österreich zu vergleichen. Dabei wird der Schaden am Bruttosozialprodukt in Verbindung mit dem CPI – Index von Transparency Deutschland geschätzt. Über diese Studien hinaus erscheinen regelmäßig Beiträge von Transparency Deutschland in Form des „Scheinwerfers“, einer regelmäßigen Publikation. Im Zusammenhang mit Straftaten und Strafverfahren sei an dieser Stelle auch auf die Polizeiliche Kriminalstatistik der Länderpolizeien verwiesen, die bezüglich Häufigkeit, Erscheinungsform und Schaden Auskunft über den Umfang dieser Variablen geben kann. Dabei muss jedoch die darin fehlende Dunkelfeldschätzung berücksichtigt werden, die in dem Deliktsfeld „Korruption“ aufgrund des geringen Anzeigeverhaltens eine erhebliche Rolle einnimmt. Nach der Frage des Umfangs von Korruption wird häufig nach dem „warum“ gesucht. In der aktuellen Forschung gibt es derzeit mehrere Erklärungsansätze für das Entstehen von korruptem Verhalten, die im Folgenden vorgestellt werden sollen.

2.1.6. Theorien zur Erklärung von Korruption

In diesem Abschnitt soll exemplarisch auf verschiedene Ansätze zur Erklärung von Korruption eingegangen werden. Einer der bekanntesten Modelle für Korruption ist die Prinzipal-Agent-Theorie, welche eine Asymmetrie im Informationsfluss als Hauptursache für Korruption beschreibt. Nach der Theorie besteht jede Organisation aus den Elementen Prinzipal, Agent und Klient. Kernaussage ist, dass die Prinzipale, welche die Geschäftsführung darstellen, nicht die nötigen Ressourcen besitzen, um jegliche Art aller anfallenden Aufgaben zu erfüllen. Daher beauftragen sie „Agenten“, diese Tätigkeiten für sie auszuführen. Problematisch dabei ist jedoch, dass Prinzipale ihre Agenten nicht immer kontrollieren können, ihnen nicht die nötigen Informationen vorliegen und somit Agenten die Gelegenheit nutzen, um

„Hidden contracts“, also versteckte Abmachungen mit Klienten treffen. Für den Sachverhalt der Korruption bedeutet dies, dass Einzelakteure ihre persönlichen Interessen über die der Organisation stellen, um sich bspw. zu bereichern und nicht das Wohl der Gesellschaft zum Ziel haben. KLITGAARD nennt in diesem Zusammenhang fünf Möglichkeiten65, um der Korruption entgegenzutreten:

Ein weiterer, oft angewandter Erklärungsansatz ist das „Fraud Triangle“nach Wells. Hierbei stehen die Elemente Motivation, Gelegenheit und Rechtfertigung der Täter in einem Dreieck in Relation:

Abbildung 5: Fraud Triangle

Liegt für den Täter ein Motiv vor, kann er dies vor sich selbst rechtfertigen und hat er aufgrund seiner Stellung im Unternehmen oder der Organisation die Gelegenheit dazu, kommt es zu einer kriminellen Handlung. Aufgrund dieser Annahme sind daher Präventionsmaßnahmen in der Organisation möglich. Gelegenheiten können daher Präventionsmaßnahmen in der Organisation möglich. Gelegenheiten können durch ein Vier-Augen-Prinzip oder mittels internen Kontrollsystemen zu Nichte gemacht werden, Rechtfertigungen durch eine ausgeprägte, gelebte Unternehmenskultur erschwert werden.

Darüber hinaus existieren noch weitere Erklärungsansätze wie bspw. die Übertragung der Lernen-am-Modell-Theorie, bei der menschliches Verhalten adaptiert wird und auf eigenes Verhalten übertragen wird, oder der Theorie des geplanten Verhaltens, bei der das menschliche Verhalten abhängig ist von drei Elementen: Die eigene Einstellung zum Verhalten, die vermutete Einstellung zu diesem Verhalten von nahestehenden Personen, sowie die erwartete Schwierigkeit der Ausführung des Verhaltens. Die Aufzählung ist natürlich nicht abschließend, soll aber einen Eindruck über die differenzierte Herangehensweise liefern, mit der das Phänomen „Korruption“ und dessen Ursache untersucht wird.

2.1.7. Zusammenfassung

Korruption ist ein kulturell abhängiges Phänomen, dessen Strafbarkeit sich je nach Rechtslage eines Landes ergibt. Dabei wird für die Definition hiesiger Arbeit, über die Strafbarkeit hinaus, der Missbrauch anvertrauter Macht als Korruption betrachtet und der Definition von Transparency International gefolgt. Vorteile aus korruptiven Handlungen treten in Geld-, Sach- und Dienstleistungen auf und stehen in ihrer Höhe und Dauer in einer Wechselwirkung zur Komplexität des Korruptionsnetzwerks. Aus Sicht der Kriminologie verzeichnet Korruption ein hohes Dunkelfeld mit enormen materiellen und immateriellen Schäden. Die gängigste Erklärung von korruptem Verhalten findet sich in der Prinzipal-Agent-Theorie. Da nun Korruption als Begriff für diese Arbeit definiert ist, die beteiligten Akteure vorgestellt wurden und ein Bild der Korruptionslandschaft vorliegt, sollen diese Informationen mit dem Wissen um das System der Auftragsvergabe ergänzt werden.

 
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