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Start arrow Betriebswirtschaft & Management arrow Auswirkungen der GKB auf latente Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss

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6. Thesenförmige Zusammenfassung

- Bezüglich der in der GKKB postulierten drei Stufen – einheitliche Gewinnermittlung, Konsolidierung und formelhafte Aufteilung – ist lediglich der ersten Stufe, in Form einer obligatorischen GKB, eine realistische Chance ihrer kurzbzw. mittelfristigen Umsetzung zuzusprechen. Der Fokus ist auf eine europaweit einheitlich zu ermittelnde KörperschaftsteuerBemessungsgrundlage zu legen, wobei das Endziel weiterhin in der GKKB bestehen muss.

- Der Richtlinienentwurf ist als autonomes und abschließendes Regelwerk konzipiert. Es wird vollständig auf die (Residual-)Maßgeblichkeit der nationalen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften verzichtet, sodass die steuerliche Gewinnermittlung vollständig im Richtlinienentwurf geregelt sein muss. Offene Fragen bedürfen einer eigenständigen Interpretation im Kontext der Richtlinie durch die Europäische Kommission und müssen als eindeutige und verbindliche Regelungen in den Richtlinienentwurf aufgenommen werden.

- Die GuV-Orientierung der GKB macht die Erstellung einer Steuerbilanz überflüssig. Der Steuerpflichtige hat allerdings zahlreiche Bestands- und Nebenrechnungen zu erstellen, sodass die GKB dennoch von einer Art Schattenbilanzierung begleitet wird. Hierdurch wird zugleich die Wertfindung für die handelsrechtliche Steuerlatenzrechnung erleichtert.

- Die Umsetzung der steuerlichen Gewinnermittlung könnte in Form einer Mehr-Weniger-Rechnung nach dem Vorbild Großbritanniens erfolgen, wonach der handelsbilanzielle Gewinn als Ausgangspunkt genommen und für Zwecke der Besteuerung modifiziert wird.

- Trotz Abkehr von der umgekehrten Maßgeblichkeit durch das BilMoG besteht weiterhin in vielen Bereichen der deutschen Rechnungslegung eine starke Anlehnung an das deutsche Ertragsteuerrecht und dessen Rechtsprechung, wie beispielsweise beim Leasing. Die GKB muss daher nicht nur für das deutsche Ertragsteuerrecht, sondern auch für die deutsche Bilanzwelt Anstoß zum Umdenken geben.

- Die Gegenüberstellung der Regelungen der GKB mit denen des Einzelabschlusses im bilanztheoretisch orientierten und bilanzpostenorientierten Vergleich zeigt, dass für viele Sachverhalte eine einheitliche Bilanzierung möglich ist, sodass die Auswirkungen auf die latenten Steuern unterbleiben. Die bilanzielle Übereinstimmung der beiden Gewinnermittlungswerke beruht hierbei weniger auf identischen verpflichtenden Regelungen. Häufiger sind die Fälle, in denen eine übereinstimmende Bilanzierung durch einheitliche Ausübung einoder beidseitiger Wahlrechte bzw. Ermessensentscheidungen in der GKB und dem Einzelabschluss gewährleistet wird. Dementgegen lassen unterschiedliche verpflichtende Regelungen und eine abweichende Wahlrechts- und Ermessensausübung in der GKB und im Einzelabschluss eine übereinstimmende Bilanzierung nicht zu und bilden so die Grundlage latenter Steuern.

- Die GKB geht grundsätzlich von einer früheren Erfassung von Erträgen bzw. einer späteren Aufwandserfassung aus, sodass die Fälle aktiver latenter Steuern die der passiven latenten Steuern überwiegen. Das Handelsrecht sieht für einen solchen Aktivüberhang ein Ansatzwahlrecht vor, weshalb die bilanzielle Abbildung der latenten Steuern im Einzelabschluss vollständig umgangen werden kann. Die Saldierung und der unterbleibende Ansatz eines daraus entstehenden Aktivüberhangs gehen jedoch mit einem deutlichen Einschnitt der Informationsqualität des Einzelabschlusses einher.

- Die verschiedenen Branchen- und Unternehmensstrukturen müssen bei der Beurteilung der Steuerlatenzwirkung der GKB ebenfalls berücksichtigt werden, sodass die gewonnenen Aussagen einzelfallbezogen auf ihre Gültigkeit zu überprüfen sind. Denn letztendlich hängen die Auswirkungen der GKB auf die latenten Steuern davon ab, welche der Sachverhalte für das Unternehmen stärker ins Gewicht fallen.

 
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