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3.2.3. Verbesserungskosten

Aufwendungen, die das Wirtschaftsgut in seiner Substanz erweitern oder dessen Nutzungsmöglichkeit wesentlich verbessern, dürfen nach Art. 4 Nr. 18 i.V.m. Art. 14 Nr. 1 Buchst. i RL-E nicht sofort erfolgswirksam erfasst werden, sondern führen zu einer nachträglichen Erhöhung der Anschaffungsoder Herstellungskosten. Das Handelsrecht führt in der Definition der Herstellungskosten gem. § 255 Abs. 2 S. 1 HGB neben der Herstellung zwei weitere Tatbestände auf, bei denen nachträgliche Herstellungskosten vorliegen: die Erweiterung eines vorhandenen Wirtschaftsguts sowie dessen über den ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung. Für das Vorliegen temporärer Differenzen ist entscheidend, ob die Begrifflichkeiten, trotz unterschiedlicher Wortwahl, sinngemäß übereinstimmen. In der Literatur wird der handelsrechtliche Begriff der Erweiterung als ein Vorgang zur Schaffung neuer Substanz umschrieben. Insoweit wird die handelsrechtliche Erweiterung ebenfalls als eine Art Substanzerweiterung interpretiert, sodass Übereinstimmung zwischen den Begrifflichkeiten „Substanzerweiterung“ und „Erweiterung“ besteht. Gleiches gilt für das Begriffspaar „wesentliche Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten“ und „wesentliche Verbesserung“, da unter dem handelsrechtlichen Begriff der wesentlichen Verbesserung im Allgemeinen eine, das Wesen des Wirtschaftsguts betreffende Veränderung seiner Gebrauchs- und Verwendungsmöglichkeit und somit seiner Nutzungsmöglichkeit zu verstehen ist. Auswirkungen auf die Steuerlatenzen bleiben grundsätzlich aus.

Allerdings fasst die GKB den Kreis der nachträglichen Herstellungskosten weiter. Ferner gelten alle anderen Aufwendungen nach Art. 4 Nr. 18 RL-E als Verbesserungskosten, wenn diese insgesamt mehr als zehn Prozent der ursprünglichen Anschaffungsoder Herstellungskosten betragen. Im Handelsrecht mangelt es an einer vergleichbaren Regelung, weshalb diese Aufwendungen als Instandhaltungsbzw. Modernisierungsmaßnahmen sofort ergebniswirksam zu verrechnen sind. Dadurch, dass der handelsrechtliche Umfang der nachträglichen Herstellungskosten enger gefasst wird, werden die aktiven Wirtschaftsgüter im Einzelabschluss niedriger bewertet, weshalb bis zur Umkehr der Verhältnisse aktive latente Steuern bestehen.

 
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