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1. Einleitung

In der Vergangenheit wurden bereits zahlreiche Vorstöße zur Harmonisierung der europäischen Unternehmensbesteuerung unternommen, von denen keiner den Status eines Richtlinienentwurfs erlangte. Zum ersten Mal wurde am 16.3.2011 der seit langem erwartete Richtlinienentwurf zur Einführung einer Gemeinsamen konsolidierten Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB) von der Europäischen Kommission der Öffentlichkeit vorgelegt. Das ambitionierte GKKB-Projekt strebt die Angleichung der Körperschaftsteuersysteme der 27 Mitgliedstaaten an und stellt dadurch die Weichen für einen effizienten Binnenmarkt ohne steuerliche Hindernisse. Konzeptionell folgt die GKKB einer dreistufigen Vorgehensweise: anhand eines einheitlichen Regelwerks wird der steuerliche Gewinn eines jeden Gruppenmitglieds ermittelt (1) und zu einem konsolidierten Gruppenergebnis zusammengefasst (2), welches anschließend mittels mehrdimensionaler Schlüsselung auf die Gruppenmitglieder verteilt wird (3) und dort der Besteuerung unterliegt. Die Harmonisierung der Steuersätze ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Die Sorge der Mitgliedstaaten um Steuermindereinnahmen und die Einschränkung ihrer Steuersouveränität lassen die Zweifel an einer kurzbzw. mittelfristigen Umsetzung des GKKBProjekts wachsen. Aus diesem Grund hat sich die Bundesregierung für eine Strategie der kleinen Schritte entschieden. In den Fokus wird die Einführung einer obligatorischen Gemeinsamen Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKB) gestellt, sodass die Schritte der Konsolidierung und formelmäßigen Aufteilung (zunächst) zurücktreten.

Ausgestattet ohne jegliche Maßgeblichkeit der nationalen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften, stellt sich zugleich die Frage, welche Auswirkungen das völlig autonome steuerliche Gewinnermittlungssystem der GKB auf die latenten Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss hat. Die vorliegende Arbeit zeigt, dass diese Frage mit einem Überhang aktiver latenter Steuern zu beantworten ist. Hierfür wird eine vergleichende Analyse der Gewinnermittlungsregeln des handelsrechtlichen Jahresabschlusses und der GKB vorgenommen. Als Jahresabschluss wird der handelsrechtliche Einzelabschluss deutscher Kapitalgesellschaften definiert, eine Erweiterung des Anwendungskreises auf Personengesellschaften und Einzelunternehmen in Form einer Gemeinsamen unternehmerischen Bemessungsgrundlage (GUB) ist nicht Gegenstand dieser Arbeit. (Branchen-)spezifische Besonderheiten der Gewinnermittlung sowie die der GKB nachfolgenden Schritte der Konsolidierung (2) und formelhaften Aufteilung (3) werden nicht thematisiert.

Um die Auswirkungen der GKB auf die handelsrechtlichen Steuerlatenzen ermitteln zu können, ist es zunächst in Abschnitt 2 erforderlich, auf die Konzeption der GKB und die der latenten Steuern im handelsrechtlichen Einzelabschluss einzugehen. Dabei werden die Folgen umrissen, die sich aus der Gestaltung eines selbstständigen Gewinnermittlungssystems ergeben. Diese umfassen sowohl die Möglichkeiten zur Schließung von Regelungslücken und Auslegungsunsicherheiten als auch die der technischen Umsetzung der GKB.

In den Abschnitten 3 und 4 wird eine verstärkt bilanztheoretisch orientierte Gegenüberstellung der Gewinnermittlungssysteme im Detail vorgenommen. Zusätzlich werden die jeweiligen Auswirkungen auf die latenten Steuern bestimmt. Zu diesem Zweck wird die Analyse systematisch dergestalt gegliedert, dass in Abschnitt 3 die Steuerlatenzwirkung der Aktiva (insbesondere des Sachanlagevermögens) und in Abschnitt 4 die der Passiva (insbesondere der Rückstellungen) beleuchtet wird.

In Abschnitt 5 wird der Vergleich einem Perspektivenwechsel unterzogen. Die auf Basis einer bilanztheoretisch orientierten Gegenüberstellung herausgearbeiteten Einzelerkenntnisse werden analysiert und im Anschluss einer verstärkt bilanzpostenorientierten Betrachtung unterzogen. Eine thesenförmige Zusammenfassung schließt die Arbeit in Abschnitt 6 ab.

 
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