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Eine Woche später

A: Dietmar, ich muss mit dir sprechen. D: Ich habe keine Zeit für dich.

A: Warum nicht?

D: Letzte Woche bist du nach zehn Minuten gegangen. Das kann ja nicht so wichtig sein.

A: Doch, es ist wichtig.

D: Du machst, was du willst. Du brauchst keine Beratung. A: Doch, bitte.

D: Nein, ich berate dich, wenn du dich an die Regeln hältst. Das heißt: pünktlich zum Termin kommen, nicht frühzeitig weggehen, und du setzt die Dinge um, die ich dir sage.

A: Ich komme später wieder.

Vorteile der Konfrontation

• Durch die Vereinbarung eines Termins bzw. einer Zeitvorgabe kann der Pädagoge den Stellenwert des Gesprächs und die eigenen zeitlichen Ressourcen hervorheben und betonen, dass andere Jugendliche auch beraten werden wollen. Denn manche Jugendliche messen der Tätigkeit eines (im Freizeitbereich arbeitenden) Pädagogen keine große Bedeutung bei. Aus Sicht dieser Jugendlichen kann jeder Pädagoge werden: „Schließlich muss man ja nur ein bisschen reden und zuhören können“, so die Argumentation.

• Die Konfrontationstechnik muss der Pädagoge beibehalten, auch wenn der Jugendliche sich zunächst entzieht und das Gespräch beendet. Die meisten Jugendlichen in diesem Alter haben realitätsferne Wünsche, wie z. B. mit dem Hauptschulabschluss Arzt werden oder wie im Fall von Aykut, auszie- hen zu wollen, ohne zu wissen, wie das finanziert werden soll. Mit diesen und anderen Realitäten müssen die Jugendlichen konfrontiert werden, auch wenn sie diese ungern hören.

• Wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden bzw. der Jugendliche während der Beratung nicht auf die Vorschläge eingeht, soll der Pädagoge den Jugendlichen damit konfrontieren. Wenn der Jugendliche darauf nicht eingeht, wird das Gespräch beendet. Es finden so lange keine Beratungsgespräche statt, bis der Jugendliche einige Aspekte aus der Beratung umgesetzt hat. Das impliziert die Grenzsetzung, dass der Pädagoge keine Zeit für unproduktive Gespräche hat und sich nicht für gewisse Wünsche des Jugendlichen instrumentalisieren lässt.

Vorbemerkungen

An einem Donnerstagabend im November in einem Jugendzentrum im Münchner Norden ist die Einrichtung sehr gut besucht. Die drei sozialpädagogischen Fachkräfte sind sehr bemüht, allen Fragen und Wünschen der Jugendlichen gerecht zu werden. An diesem Tag laufen einige Projekte, die viel Zeit für Vorbereitung und Absprachen zwischen den pädagogischen Fachkräften und den Jugendlichen in Anspruch nehmen. Einige Jugendliche, die nicht an den Projekten beteiligt sind, spielen entweder Billard, Tischtennis oder Kicker; andere unterhalten sich. Nachdem alle Projekte abgeschlossen sind und die meisten Jugendlichen pünktlich um 20.00 Uhr die Einrichtung verlassen, spielen drei Jugendliche, zwei Jungs und ein Mädchen, noch Kicker. Obwohl die drei die Einrichtung verlassen müssen, spielen sie weiter und kommen den Aufforderungen der Pädagoginnen und Pädagogen nicht nach. Im folgenden Gesprächsverlauf konfrontiert die Mitarbeiterin Frau Schuster die drei Jugendlichen als Gruppe.

 
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