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5.4 Weitere methodische Grundlagen

Die Grundlagen des Anti-Aggressivitäts-Trainings mit jungen Migranten lehnen sich an Jens Weidners Konzeption des Anti-Aggressions-Trainings an. Eine hundertprozentige Umsetzung dieses Konzepts ist nicht das Anliegen des AntiAggressions-Trainings mit Migrantenjugendlichen, weil dort die für diese Gruppe entscheidenden interkulturellen Fragenstellungen weitgehend nicht berücksichtigt werden. Die Konzeption eines Anti-Aggressivitäts-Training muss an die Bedürfnisse der Klienten mit Migrationshintergrund angepasst werden. Burschyk, Sames und Weidner schlagen im Sitzungscurriculum eines Anti-Aggressions-Trainings 19 Sitzungen mit einem Trainer, einem Ko-Trainer, zwei Tutoren (Ex-User/Gewaltexperten), einer neutralen Person, ca. 5 bis 7 Teilnehmern und einem zeitlichen Umfang von 54,5 bis 73,5 h vor (Burschyk et al. 2004, S. 79).

Deskriptionsphase

Unter Deskriptionsphase versteht Heilemann die persönliche Vorstellung des Teilnehmers, seinen Lebenslauf, testpsychologische Zusatzuntersuchungen mit Aggressionstest sowie die inhaltliche Überprüfung der Gerichtsurteile (Heilemann 2004, S. 57) Beispielsweise weicht die Deskriptionsphase des Anti-Aggressivitäts-Trainings der Arbeiterwohlfahrt in München von Heilemanns Vorschlag ab, weil die Jugendgerichtshilfe und Trainings-Kurse im selben Haus untergebracht sind: Die Jugendgerichtshilfe, die im Haus untergebracht ist, eruiert im Vorfeld der Hauptverhandlung, ob ein Jugendlicher für ein Anti-Aggressivitäts-Training geeignet ist. Dieses Anliegen bzw. der Ahndungsvorschlag wird im Jugendgerichtshilfe-Gespräch mit dem jeweiligen Jugendlichen besprochen. Willigt er ein, an einem solchen Training teilzunehmen, schlägt die Jugendgerichtshilfe als Ahndung vor, an einem Anti-Aggressivitäts-Training teilzunehmen. Die Akte mit dem aktuellen Urteil, Jugendgerichts-Bericht, Anklageschrift(en), alte(s) Urteil(e), wenn welche vorhanden sind, sowie Schriftverkehr werden den Kursleitern übergeben. Die Kursleiter studieren die gesamte Akte, versuchen die Straffälligkeiten des Jugendlichen zu rekonstruieren und machen sich ein erstes Bild von ihm (Toprak 2001, S. 75). Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand: die Trainer können den Jugendlichen im Vorfeld kennenlernen und eruieren, inwiefern er motiviert ist. Es muss allerdings hinzugefügt werden, dass solche Bedingungen nicht überall gegeben sind, sodass die Vorschläge Heilemanns in der Form umgesetzt werden müssen.

Es empfiehlt sich, spätestens drei Wochen vor Beginn eines Trainings alle Teilnehmer zu einem Einzelgespräch einzuladen. Diese schriftliche Einladung sollte einfach formuliert und nicht länger als eine DIN A4 Seite sein, um die Teilnehmer nicht zu überfordern und abzuschrecken. Folgende Dinge sollten klar und deutlich angesprochen werden:

• dass die Teilnahme an dem Training keinen freiwilligen Charakter hat (das Urteil des Gerichts ansprechen),

• dass alle Termine (Vorgespräch, Einzelgespräch, Gruppensitzungen und Workshop) ausnahmslos verbindlich sind,

• dass das Nichteinhalten der Termine Konsequenzen mit sich bringt (Verhängung eines Dauerarrests bis zu vier Wochen seitens des Jugendgerichts oder Widerruf der Bewährung),

• welchen Umfang das Training hat (wie viele Wochen/Stunden) und

• wie lange das erste Gespräch dauern wird.

Wenn man sich den Jugendlichen auf diese Weise nähert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein großer Teil der Angeschriebenen reagiert. Die Schwierigkeit, den ersten Kontakt erfolgreich herzustellen, sollte nicht unterschätzt werden.

 
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