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8.8.2 Interpretation der Ergebnisse

Das Kapitel 8.8 beschäftigt sich mit der Frage nach dem Einfluss von Religionszugehörigkeit und Religiosität auf die Wahrscheinlichkeit, sich freiwillig zu engagieren, und darauf, ob dieser Einfluss in solidarischen oder zweckorientierten Organisationen unterschiedlich ist. Kapitel 6.5 stellte die theoretischen Überlegungen dar, nach denen die Hypothesen H5 bis H9 formuliert wurden. Der zu überprüfende theoretische Ansatz ist Wuthnows (1991, S. 121 ff.) „Conviction and Community Theory“, die davon ausgeht, dass die religiöse Überzeugung der Gläubigen, aber noch viel stärker die religiöse Gemeinschaft zu freiwilliger Arbeit führt. Beide Teile der Theorie wurden im Folgenden getestet. Die Hypothese H5 lautete: „Je religiöser Personen sind, desto eher arbeiten sie freiwillig“. Diese Hypothese bildet den ersten Teil von Wuthnows (1991, S. 121 ff.) Theorie ab, der sich mit dem Einfluss des Glaubens auf freiwillige Arbeit beschäftigt. Zur Prüfung der Hypothese H5 wurden vier unabhängige Merkmale alternierend auf die freiwillige und hauptamtliche Tätigkeit in gemeinnützigen Organisationen getestet: Einfluss des Glaubens auf das Alltagsleben, Religiosität, Verbundenheit mit der Glaubensgemeinschaft und Bethäufigkeit als rituelle Handlung. Alle Merkmale haben einen signifikant positiven Einfluss auf freiwillige Arbeit im Vergleich zu hauptamtlicher Arbeit in den untersuchten Organisationen. Die Hypothese kann also bestätigt werden, muss aber insofern beschränkt werden, als dass in der vorliegenden Arbeit nur Freiwillige im Vergleich zu hauptamtlichen Mitarbeitern in gemeinnützigen Vereinen untersucht wurden: Je religiöser Personen sind, desto eher arbeiten sie freiwillig statt hauptamtlich in gemeinnützigen Organisationen.

Begründet werden kann dies mit dem Streben nach gottgefälligem Handeln, was für Gläubige wichtig ist, um religiöse Produkte als Belohnung zu erhalten (Iannaccone 1990, S. 299; Stark und Bainbridge 1987, S. 43; Wuthnow 1991, S. 125). Freiwillige Arbeit ist ein wichtiger Teil des religiösen Konzepts der Nächstenliebe und kann als Beitrag zu gottgefälligem Handeln gewertet werden, das von Gott belohnt wird. Darüber hinaus wird in den abrahamitischen Religionen Gott selbst als wohlwollend und mildtätig interpretiert, was die Gläubigen danach streben lässt, sich selbst ebenfalls so zu verhalten. Wird Gott darüber hinaus als allwissend und vor allem allsehend interpretiert, der Personen belohnt und bestraft, wird das religiös konforme Verhalten umso wichtiger. Der positive Nebeneffekt des Helfens ist, dass sich der religiöse Freiwillige so auch selbst hilft, weil er von Gott belohnt wird (Wilson und Musick 1997, S. 695).

Der zweite Teil von Wuthnows (1991, S. 121 ff.) Theorie, der sich mit dem positiven Einfluss der religiösen Gemeinschaft auf freiwillige Arbeit beschäftigt, wurde durch das Merkmal der Moschee- und Kirchgangshäufigkeit untersucht. Die zu überprüfende Hypothese H6 lautete: Personen, die häufiger den Gottesdienst besuchen, arbeiten häufiger freiwillig und vor allem häufiger freiwillig in zweckorientierten Organisationen als andere. Die Analysen zeigten, dass Personen, die häufiger als durchschnittlich oft in die Kirche oder Moschee gehen, eher freiwillig als hauptamtlich in den beobachteten Organisationen arbeiten. Der Grund für die Relevanz des Community-Aspekts ist, dass die Werte der religiösen Einrichtung nicht notwendigerweise mit den Werten der Gläubigen übereinstimmen müssen (Lam 2002, S. 408; Wilson und Janoski 1995, S. 138; Wuthnow 1991, S. 123). Vielmehr fungiert die Teilnahme an religiösen Veranstaltungen oder Angeboten, wie z.B. Gottesdiensten, Bibelkreisen usw., als Integrationsmaßnahme in die Gemeinschaft (Cnaan und Curtis 2013, S. 23). Dadurch, dass die Personen, die z.B. an den Gottesdiensten teilnehmen, mit anderen Gemeindemitgliedern in Kontakt kommen, werden sie über verschiedenste Aktivitäten informiert, tauschen sich aus und werden gefragt, ob sie sich freiwillig engagieren möchten. Wie in nahezu jeder sozialen Gruppe werden auch unter Gemeindemitgliedern die Normen und religiösen Werte kontrolliert, so auch die Einhaltung religiöser „Pflichten“ und gottgefälligen Handelns wie die freiwillige Arbeit und Nächstenliebe (Wilson und Janoski 1995, S. 139; Wilson und Musick 1997, S. 695). Gehen Personen seltener in die Kirche oder Moschee, sind sie diesem „Gruppenzwang“ auch seltener ausgesetzt und es ergeben sich weniger Gelegenheiten, sich freiwillig zu engagieren.

Ein weiterer Befund, der sich aus der Überprüfung des zweiten Teils der Hypothese H6 ergab, ist, dass der Besuch von Gottesdiensten jedoch nicht nur dazu beträgt, ob sich überhaupt engagiert wird, sondern auch dazu, in welcher Organisation sich engagiert wird. Wie zu erwarten war, hat die Häufigkeit der Moschee- und Kirchenbesuche einen starken Einfluss auf die freiwillige Tätigkeit in den verschiedenen Organisationsformen. Konfessionelle Freiwillige, die nur durchschnittlich oft in die Kirche oder Moschee gehen, sind eher in solidarischen Organisationen tätig als in zweckorientierten Einrichtungen. Es leuchtet ein, dass die religiösen Gemeinden innerhalb ihrer Gemeinden auch nur für die Tätigkeit in ihrer eigenen Gemeinde rekrutieren und die Einhaltung der Normen ebenfalls nur innerhalb der Gemeinde kontrolliert werden kann. Daher würde ein Engagement außerhalb der Gemeinde nicht in derselben Weise als gottgefälliges und regelkonformes Verhalten belohnt werden können wie ein solches innerhalb der Gemeinde. Darüber hinaus ergeben sich für die Personen, die seltener in den Gottesdienst gehen, weniger Gelegenheiten, von Personen der religiösen Gemeinde über Engagementmöglichkeiten informiert und nach ihrer Mithilfe gefragt zu werden. Die Tätigkeit ergibt sich demnach seltener aus den Zusammenhängen, die Wuthnow (1991, S. 123) mit seinem Community-Ansatz beschreibt.

Dieser Befund gilt jedoch nicht für die Freiwilligen zweckorientiert türkischislamischer Organisationen. Die Häufigkeit des Besuchs von Gotteshäusern hat keinen Einfluss darauf, ob die Tätigkeit konfessioneller Freiwilliger in zweckorientiert türkisch-islamischen Vereinen ausgeübt wird. Zwar gehen türkischislamische Freiwillige häufiger in die Moschee als Freiwillige anderer Glaubensrichtungen, doch variiert die Häufigkeit unter den Befragten viel geringer. Es kann jedoch nicht überprüft werden, ob bei einer heterogeneren Gruppe von Befragten mit türkisch-islamischem Hintergrund das Merkmal Moscheebesuchshäufigkeit zum Engagement in entsprechenden Einrichtungen beitragen würde. Es bleibt nur zu vermuten, dass eine hohe Moscheebesuchshäufigkeit für Freiwillige in säkularen türkischen Organisationen ähnliche Effekte hätte wie der Besuch von Gotteshäusern für die Freiwilligen solidarischer Organisationen der vorliegenden Analyse.

Ob der Community-Aspekt in Kirchen tatsächlich stärker ist als in Moscheen ist, bleibt fraglich. Denkbar wäre jedoch, dass die Trennungen der Moscheebesucher nach Geschlecht, Auswirkungen auf die integrative Wirkung uns soziale Kontrolle ihrer Mitglieder hat. Die Häufigkeit des Moscheebesuchs ist ungeachtet der Religiosität unter männlichen Muslimen deutlich höher, da Frauen das Freitagsgebet traditionsgemäß häufiger Zuhause durchführen [1] (Tworuschka 2003, S. 104). Darüber hinaus sind Nebenräume, in denen Frauen dem Freitagsgebet in der Moschee beiwohnen können, nicht in allen Moscheen vorhanden, da es sich häufig noch immer aus Kostengründen um Behelfsräume handelt. Der Effekt der Moscheebesuchshäufigkeit auf freiwilliges Engagement ist unter Muslimen also stärker für Männer relevant. Ob jedoch der Einfluss der religiösen Gemeinschaft unter Frauen und Männern gleichermaßen wirkt, ist in Wuthnows (1991) Theorie nicht berücksichtigt[2]. Es kann nur vermutet werden, dass sich Prozesse und Faktoren der sozialen Gemeinschaft unterschiedlich auf Frauen und Männer auswirken und (fast) reine islamische Männergemeinschaften anders agieren als gemischtgeschlechtliche christliche Gemeinden (u.a. Smaus 1993).

Um weiterhin zu überprüfen, ob die Moscheebesuchs- und Kirchgangshäufigkeit sich darauf auswirkt von Personen aus der Gemeinde angesprochen zu werden (Wuthnow 1991), wurde anschließend die Hypothese H7 getestet: Je häufiger Freiwillige Gottesdienste besuchen, desto eher sind sie aufgrund der Ansprache von Personen aus der Organisation zu ihrem Engagement gekommen. Auch diese Hypothese kann bestätigt werden. Personen, die häufiger als durchschnittlich oft in die Kirche oder Moschee gehen, sind doppelt so oft durch leitende Personen der Einrichtungen zu ihrem Engagement gekommen als nur durchschnittlich häufige Besucher. Das bedeutet, dass die religiösen Gemeinschaften tatsächlich in der Weise wirken, wie Wuthnow (1991) es beschreibt. Zum einen ist dies schlicht der Anzahl der Möglichkeiten geschuldet: Wer zweimal im Monat in die Kirche geht, erhöht seine Chance, angesprochen zu werden, im Vergleich zu einer Person, die nur einmal im Monat die Kirche geht, um das Doppelte. Zum anderen bedeutet dies aber auch, dass die solidarischen Vereine um diese Möglichkeit, Freiwillige zu generieren, ärmer sind.

Deshalb lautete die Hypothese H8: Freiwillige, die in zweckorientierten Vereinen arbeiten, sind häufiger aufgrund der Ansprache von Personen aus der Organisation zu ihrem Engagement gekommen als Personen, die in solidarischen Vereinen arbeiten. Doch zeigen die Ergebnisse der multivariaten Analysen, dass die reine Organisationszugehörigkeit nicht auf den Anstoß zur Aufnahme der Tätigkeit schließen lässt. Nur konfessionelle Freiwillige zweckorientierter Organisationen, die überdurchschnittlich oft in die Kirche oder Moschee gehen, sind häufiger durch Leitungspersonen der Organisationen zu ihrem Engagement gekommen. Für Freiwillige solidarischer Einrichtungen, die überdurchschnittlich häufig in die Kirche oder Moschee gehen, lässt sich kein Effekt der Ansprache durch Personen der Organisation belegen.

Das gemeinschaftsbildende Element der geteilten religiösen Wertvorstellungen, die zu gemeinschaftlichen Ritualen wie den Gottesdienstbesuchen führen, fehlt den solidarischen Organisationen. Die Möglichkeit für leitende Personen aus solidarischen Organisationen, auf noch nicht engagierte Personen zu treffen, ergibt sich nicht aus gemeinsamen rituellen Handlungen. Daher gibt es auch nicht notwendigerweise eine übergeordnete wertorientierte Gemeinschaft, der sich Personen verpflichtet fühlen oder die soziale Kontrolle auf ihre Mitglieder ausübt. Deshalb benötigen solidarische Vereine andere Rekrutierungsstrategien.

Die letzte Hypothese H9 lautete: Je mehr Personen der eigenen Konfession in das Netzwerk integriert sind, desto eher arbeiten Personen freiwillig und vor allem eher freiwillig in zweckorientierten als in solidarischen Organisationen. Die Hypothese ergibt sich aus den Überlegungen, dass es sich bei religiösen Gemeinden um religiöse soziale Netzwerke also religiöses Sozialkapital handelt (Bourdieu 1983, S. 192; Park und Smith 2000, S. 276; Wilson und Janoski 1995,

S. 138). Die Personen, die religiöse soziale Netzwerke haben, können von diesen profitieren, indem sie das Sozialkapital in andere Kapitalien umwandeln (ebd.). Doch müssen sie dafür auch ihrerseits Institutionalisierungsarbeit wie z.B. freiwillige Arbeit leisten (Bourdieu 1983, S. 193). Die Kosten sind jedoch gering, weil sie durch den Nutzen des Sozialkapitals, das durch das Engagement noch vergrößert werden kann, aufgewogen werden (Gaskin et al. 1996, S. 107; Iannaccone 1990; Reitsma et al. 2006; Stadelmann-Steffen 2010, S. 51; Wuthnow 1999, S. 334).

Dem Anteil der Freunde, die dieselbe Konfession aufweisen oder ebenfalls konfessionslos sind, konnte jedoch kein Effekt auf die freiwillige Arbeit im Vergleich zur hauptamtlichen Tätigkeit nachgewiesen werden. Fraglich bleibt, ob dieser fehlende Effekt dem anhaltenden Säkularisierungsprozess geschuldet ist, der zumindest für die christlichen Religionsgemeinschaften in Deutschland zutrifft und dazu führt, dass konfessionelle Unterschiede zwischen Freunden weniger relevant werden (Lam 2002, S. 408; Wuthnow 1991, S. 123). Die konfessionelle Varianz der Freunde türkisch-islamischer Befragter ist sehr gering, was – wie auch bei der Moscheebesuchshäufigkeit – zu mangelnden Vergleichsmöglichkeiten führt.

Hingegen zeigte sich ein Einfluss des Anteils der Freunde, die im selben Verein tätig sind, auf die eigene Arbeit. Dieser Effekt wurde jedoch nur unter konfessionslosen Befragten gefunden. Auch dieser Effekt könnte als Institutionalisierungsarbeit interpretiert werden, nur dass er nicht, wie erwartet, unter religiösen Personen, sondern unter Freunden, die im selben Verein tätig sind, gefunden wurde. Der Mechanismus könnte jedoch derselbe sein:

So besuchen Ehepartner Gottesdienste häufiger, weil die Kosten für die religiöse Produktion geteilt werden können und der Nutzen erhöht werden kann, oder die Spendenbereitschaft von Personen erhöht sich, wenn die Spender in ein religiöses Netzwerk eingebunden sind (Iannaccone 1990, S. 303; Reitsma et al. 2006). Warum sollten die Kontakte unter solidarischen Freiwilligen nicht ähnlich wirken? So könnte die „solidarische Produktion“ zwischen Mitgliedern der solidarischen Organisationen geteilt werden, wenn es sich bei diesen um Freunde handelt und die Kosten unter diesen geteilt werden können. Gleichzeitig erhöht sich der Nutzen, weil sich die Freiwilligen mit ihren Freunden umgeben. Weiterhin ist denkbar, dass die Bereitschaft einer Person, freiwillig zu arbeiten, steigt, wenn sie freundschaftlich mit bereits dort tätigen Personen verbunden ist. Auch hier würden zusätzliche Nutzen der Tätigkeit entstehen, z.B. Spaß mit den Freunden zu haben.

Der zweite Teil der Hypothese H9 dagegen kann in Teilen bestätigt werden:

Je mehr Personen der eigenen Konfession in das Netzwerk integriert sind, desto eher arbeiten Personen freiwillig in zweckorientierten als in solidarischen Organisationen“. Im Vergleich zur freiwilligen Tätigkeit in solidarischen Vereinen erhöht der Anteil der Freunde derselben Konfession[3] signifikant die Wahrscheinlichkeit, in einem der zweckorientierten Vereine tätig zu sein. Doch ist der Effekt für die zweckorientiert türkisch-islamischen Vereine wesentlich starker als für zweckorientiert christliche Vereine und bleibt nicht bestehen, wenn die konfessionslosen Befragten aus der Analyse ausgeschlossen werden. Auch hier zeigt sich, dass die Werte der religiösen Einrichtung nicht notwendigerweise mit den Werten der Gläubigen übereinstimmen müssen und dass die Prozesse der Säkularisierung der westlichen Gesellschaften der letzten Jahrzehnte dazu geführt haben, dass religiöse Werte an Relevanz für die Mehrheitsgesellschaft verlieren (Lam 2002, S. 408; Wuthnow 1991, S. 123).

Die gemeinsame Religionszugehörigkeit bzw. Konfessionslosigkeit hat in solidarischen Vereinen einen negativen Effekt. Das heißt, dass zum einen die geteilten religiösen Werte nicht dazu führen, in solidarischen Organisationen zu arbeiten. Zum anderen führt aber auch geteilte Konfessionslosigkeit nicht dazu, dass sich in solidarischen Vereinen engagiert wird. Das Fehlen gemeinsamer religiöser Werte fungiert im Umkehrschluss also nicht als Verbindung zwischen den Freiwilligen in solidarischen Organisationen.

Für die Freiwilligen zweckorientiert türkisch-islamischer Vereine wäre auch hier ein Vergleich zu solidarischen türkischen Vereinen spannend gewesen. Die Frage, die nicht geklärt werden kann, lautet, ob ein soziales Netzwerk, das verstärkt aus Personen ohne türkisch-islamischen Hintergrund besteht, dazu führen würde, dass sich Personen mit eben diesem Hintergrund in solidarischen Vereinen engagieren. Was sich für die vorliegende türkisch-islamische Befragtengruppe zeigt, ist, was bereits in vielen Studien festgestellt wurde: Türkische Migranten in Deutschland haben durch intraethnische Kontakte geprägte Netzwerke (Blasius et al. 2008, S. 96; Gestring et al. 2006, S. 53; Janßen und Polat 2006, S. 52 f.). Genauer müsste hier formuliert werden: intrareligiöse Kontakte. Bewegen sich die Kontakte aber innerhalb des eigenen religiösen Kulturkreises, sind diese zum einen zwar vermeintlich verlässlicher, da es sich wahrscheinlicher um dauerhafte Austauschbeziehungen aufgrund ähnlicher Interessen handelt, doch verfügen die Tauschpartner des Sozialkapitals über weniger Ressourcen, die das „Ego“ nicht bereits selber besitzt (Friedkin 1982; Granovetter 1973, S. 1362; Greenbaum 1982; Lin 1999, S. 18 f., 29; Liu und Duff 1972).

Vor allem Personen, die sog. östlichen Religionsgemeinschaften, zu denen nach Berger (Berger 2006, S. 125) auch Muslime zählen, angehören, berichten von fehlenden Informationen über Engagementmöglichkeiten trotz des Wunsches, sich freiwillig zu engagieren (Berger 2006, S. 125 f.). Lose, unverbindliche Beziehungen zu verschiedenen Personen mit unterschiedlichen religiösen und kulturellen Hintergründen (sog. „weak ties“), würden jedoch dabei helfen, die Opportunitätsstrukturen zu vergrößern und die Engagementmöglichkeiten zu erweitern (Coleman et al. 1957; Granovetter 1973, S. 1363 ff.; Rogers 1995).

  • [1] Unter den befragten weiblichen Muslimen geben 33,4 % an, höchsten einmal im Monat in die Moschee zu gehen, unter den männlichen Muslimen geben dies nur 18,5 % an
  • [2] Wuthnows (1991) Theorie bezieht sich vornehmlich auf den christlichen Kulturkreis
  • [3] Dies beinhaltete auch Konfessionslose und deren konfessionslose Freunde
 
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