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8.7.4 Zusammenfassung der Ergebnisse zu den Einflüssen auf die Motivstruktur Freiwilliger

Die für die Motivstruktur relevanten Merkmale sollen abschließend einzeln für jedes Cluster dargestellt werden. Die Modelle der binär-logistischen Regressionsanalysen befinden sich im Tabellenanhang. Abbildung 12 zeigt verkürzt die Ergebnisse der vier Regressionsanalysen der Einflüsse der Kapitalien auf die Motivstruktur. Für diese Analysen wurden alle in den vorangegangenen Analysen relevanten Merkmale der Kapitalsorten sowie soziodemographische Merkmale gemeinsam in die Berechnungen aufgenommen.

Um Modelle für die binär-logistischen Analysen zu erhalten, die für jedes einzelne Motivcluster optimal angepasst sind, wurden zunächst Korrelationskoeffizienten für alle Merkmale der Kapitalien und der soziodemographischen Merkmale berechnet. Zwar zeigt die Korrelationsmatrix (Tabelle A 58) keine starken Interkorrelationen, die eine gemeinsame Aufnahme der Merkmale in die Regressionsanalysen verbieten würden, doch gibt sie Hinweise auf Zusammenhänge zwischen den Merkmalen, die bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden müssen: Freunde mit Abitur und der Schulabschluss der Freiwilligen (p = 0,444***), der Erwerbsstatus und die Pflicht- und Akzeptanz-werte der Konvention (p = 0,327***), das Alter und die Pflicht- und Akzeptanzwerte der Konvention (r = -0,410***) und der Migrationshintergrund sowie der Anteil nicht-deutscher Freunde (p = 0,342***) korrelieren.

Abbildung 12: Zusammenfassung der Ergebnisse zum Einfluss der Kapitalien auf die Motivstruktur freiwilliger Arbeit

Für jedes Motivcluster wurden Likelihood-Quotient-Tests durchgeführt. Dabei wurden auch mögliche Interaktionseffekte durch Produktterme der mittelmäßig korrelierenden Merkmale eingeführt um zu prüfen, ob die Effekte auf die abhängigen Variablen durch die Ausprägungen anderer korrelierender Variablen beeinflusst werden.

Für die pseudo-altruistischen Motive spielen jedoch keine Interaktionsterme eine statistisch relevante Rolle (Tabelle A 59). Bei Einführung des Interaktionsterms Schulabschluss und Anteil der Freunde mit Abitur „verschiebt“ sich der Likelihood-Quotient-Test leicht zugunsten des individuellen Bildungsabschlusses, während ohne Interaktionsterm der Anteil der Freunde mit Abitur auf einem 6 %-Niveau signifikant ist. Der individuelle Bildungsabschluss ist nicht annähernd signifikant. Um den Einfluss des Individualmerkmals nicht zu unterschätzen, wurde sich im Folgenden dafür entschieden, das Merkmal der Freunde aus der Analyse auszuschließen und den Bildungsabschluss der Befragten beizube-halten. Die Merkmale Einkommen, Freunde ohne deutsche Herkunft, Geschlecht, Alter, Haushaltstyp und Migrationshintergrund tragen weiterhin nicht relevant zur Aufklärung der Einflüsse auf pseudo-altruistische Motive bei und wurden ebenfalls ausgeschlossen.

Die Modellgüte des abschließenden Regressionsmodells für den Einfluss der Kapitalsorten auf pseudo-altruistische Motive ist mit R² = 0,12 und dem Like-

lihood-Ratio-Test von X2 = 30,9*** gut (Tabelle A 60). Es liegt also keine Fehl-

spezifikation vor. Es zeigt sich ein Einfluss des kulturellen Kapitals in Form von

Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft auf das Motivbündel. Freiwillige, die türkisch-islamischen Glaubensgemeinschaften angehören, sind signifikant seltener pseudo-altruistisch motiviert als die Freiwilligen mit katholischem (b = 1,95***) und protestantischen Glauben (b = 1,24*) oder ohne Konfession (b = 1,58**). Doch auch der Erwerbsstatus nimmt Einfluss auf die Motivstruktur. Im Vergleich zu Freiwilligen, die in Rente oder Hausfrauen/ -männer sind, ist die Wahrscheinlichkeit für die Gruppe der Sonstigen, die sich u.a. aus Studierenden und Arbeitslosen zusammensetzt, um 117,4 % geringer, pseudoaltruistische Motive zu haben. Erwerbstätige und Rentner und Hausfrauen/ männer unterscheiden sich nicht.

Das Merkmal Bildungsabschluss ist nur auf dem 5,1 %-Niveau signifikant, was jedoch darauf hindeutet, dass Humankapital in Form von Schulabschlüssen pseudo-altruistische Motive weniger stark beeinflusst. Freiwillige, die kein (Fach-)Abitur haben, also schlechter gebildet sind, sind der Tendenz nach häufiger pseudo-altruistisch motiviert als Bessergebildete.

Für die sozial-religiösen Motive zeigt der Likelihood-Quotient-Test zunächst, dass das Haushaltseinkommen und die Religionszugehörigkeit beibehalten werden sollten (Tabelle A 61). Wie bei den pseudo-altruistischen Motiven zeigt sich auch für sozial-religiöse Motive, dass die Freunde mit Abitur weniger stark zur korrekten Spezifikation des Modells beitragen als das Individualmerkmal, jedoch auch kein signifikanter Effekt eines Interaktionsterms zu finden ist. Daher wird der Anteil der Freunde mit Abitur aus der Analyse entfernt. Ohne dieses Merkmal trägt der Schulabschluss signifikant zur Erklärung des Motivs bei. Weder für den Migrationshintergrund noch den Anteil nicht-deutscher Freunde und auch nicht für den Interaktionsterm der beiden Merkmale ist dies der Fall. Daher werden auch diese beiden Merkmale aus der Analyse entfernt. Der Erwerbsstatus kann ebenfalls aus der Analyse ausgeschlossen werden. Ein aufgrund der geringen Korrelation möglicher Interaktionseffekt mit den Pflicht- und Akzeptanzwerten der Konvention kann nicht gefunden werden.

Alter und die Pflicht- und Akzeptanzwerte der Konvention zeigen keine signifikanten Werte im Rahmen des Likelihood-Quotient-Tests. Die Einführung eines Produktterms beider Merkmale jedoch ergibt, dass diese signifikant werden und auch der Interaktionsterm auf einem 10 %-Niveau signifikant ist. Ohne den Interaktionsterm würde also der Einfluss der Merkmale unterschätzt. Die binärlogistische Regressionsanalyse wurde im Folgenden mit den Merkmalen Einkommen, Schulabschluss, Konfession, Alter und Werten sowie deren Produktterm berechnet.

Die Modellgüte (Likelihood-Ratio-Test x² = 37,9***) und die aufgeklärte Varianz (R² = 0,17) sind trotz der wenigen Merkmale gut und lassen darauf schließen, dass das Modell korrekt spezifiziert ist (Tabelle A 62). Freiwillige mit weniger Humankapital in Form eines schlechteren Einkommens (b = -0,67*) und einer geringeren Schulbildung als (Fach-)Abitur (b = -0,78*) sind seltener sozialreligiös motiviert als andere. Kulturelles Kapital in Form von einer konfessionellen Zugehörigkeit ist, wie zu erwarten war, das bedeutsamste Merkmal für sozial religiöse Motive. Die Freiwilligen mit sozial-religiösen Motiven sind vor allem unter jenen mit türkisch-islamischem Glauben zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, sozial-religiös motiviert zu sein, ist für Konfessionslose (b = -1,59**) und Katholiken (b = -1,29*) entsprechend signifikant geringer. Die Zustimmung zu Pflicht- und Akzeptanzwerten der Konvention und das Alter sind im Modell nicht signifikant.

Der Likelihood-Quotient-Test für die Analyse selbstzentriert-hedonistischer Motive zeigt ausschließlich für den Erwerbsstatus einen signifikanten Beitrag (Tabelle A 63). Die Überprüfung von möglichen Interaktionseffekten ergibt erneut, dass die Pflicht- und Akzeptanzwerte der Konvention mit dem Alter variieren. Ohne Interaktionsterm würde auch hier der Einfluss der Merkmale unterschätzt. Das Sozialkapital zeigt weiterhin keinen signifikanten Beitrag zur Analyse und auch das Geschlecht, der Erwerbsstatus, Haushaltstyp und Migrationshintergrund können aus der Analyse ausgeschlossen werden. Daher wird im Folgenden ausschließlich der Effekt des kulturellen Kapitals auf selbstzentrierthedonistische Motive überprüft.

Die Modellgüte des Einflusses des kulturellen Kapitals auf selbstzentrierthedonistische Motive ist akzeptabel (R² = 0,09, x² = 20,2***), doch zeigt die geringe aufgeklärte Varianz, dass noch andere Merkmale diese Motive zu beeinflussen scheinen, die nicht in die Analyse einbezogen wurden (Tabelle A 64).

Das einzige Merkmal, das signifikant die Wahrscheinlichkeit beeinflusst, selbstzentriert-hedonistisch motiviert zu sein, ist das kulturelle Kapital in Form von Pflicht- und Akzeptanzwerten der Konvention (b = 0,94*). Der Einfluss des Interaktionsterms der Werte und des Alters liegt bei einem Signifikanzniveau von 6 %.

Der Likelihood-Quotient-Test der Merkmale für das Modell der Selbstwert- und Kompensationsmotive belegt keinen relevanten Beitrag der Merkmale Schulabschluss, Freunde mit Abitur, nicht-deutsche Freunde, Religionszugehörigkeit, Geschlecht, Haushaltstyp, Erwerbstätigkeit und Migrationshintergrund (Tabelle A 65). Daher wurden diese Merkmale aus der Regressionsanalyse ausgeschlossen. Die Überprüfung von Interaktionseffekten der beschriebenen leicht korrelierenden Merkmale zeigt, dass die Relevanz von Pflicht und Akzeptanzwerten der Konvention ohne Einführung eines Produktterms mit dem Alter überschätzt würde. Deshalb wird dieser in die Analyse mitaufgenommen.

Die Modellgüte ist akzeptabel und zeigt einen signifikanten LikelihoodRatio-Test (x² = 21,3***) sowie ein Nagelkerke R² = 0,10 (Tabelle A 66). Das Einkommen als Merkmal des Humankapitals zeigt einen signifikanten Effekt auf das untersuchte Motivcluster. Die Wahrscheinlichkeit, Selbstwert- und Kompensationsmotive zu haben, ist für Freiwillige mit einem Haushaltseinkommen bis 1499,00 € um 96,1 % geringer als für Freiwillige mit überdurchschnittlichen Haushaltseinkommen. Wie zu erwarten war, spielt auch das Alter der Freiwilligen eine Rolle. Mit jedem Jahr steigt die Wahrscheinlichkeit, Motive zu haben, die sich auf die Steigerung des Selbstwertgefühls und auf die Kompensation bestimmter Situationen beziehen, signifikant um 4,0 %.

 
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