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8.7.3.1 Multivariate Analyse des Einflusses von Humankapital auf die Motivstruktur

Im Folgenden wurden auch für die Merkmale des Humankapitals multinomiale logistische Regressionsmodelle berechnet. Im ersten Modell wurden gleichzeitig das Haushaltseinkommen und der Bildungsabschluss aufgenommen. Der Like-

lihood-Ratio-Test belegt eine adäquate Modellanpassung (X² = 23,5***). Die

erklärte Varianz liegt bei R² = 0,05. Der Bildungsabschluss zeigt einen Effekt auf

die sozial-religiösen im Vergleich zu den pseudo-altruistischen Motiven. Für Freiwillige, die kein (Fach-)Abitur (b = -1,14***) haben, ist die Wahrscheinlichkeit, in das zweite Motivcluster zu fallen, signifikant geringer als für solche mit (Fach-)Abitur. Entsprechend ist das Risiko für Freiwillige ohne (Fach-)Abitur 212,5 % geringer, sozial-religiös – und entsprechend höher pseudo-altruistisch – motiviert zu sein.

Das komplette Modell integriert alle soziodemographischen Merkmale (Tabelle A 55). Der Likelihood-Quotient-Test zeigt, dass die Merkmale Erwerbsstatus, Haushaltstyp und Haushaltseinkommen nicht ausreichend zur Trennung der vier Motivcluster beitragen, weshalb sie für das optimale Modell aus der Analyse ausgeschlossen werden (Tabelle A 56). Geschlecht und Alter sind ebenfalls nicht signifikant, aber weniger deutlich als die anderen Merkmale und werden daher in die Analyse aufgenommen.

Tabelle 58 zeigt, dass die erklärte Varianz R² = 0,10 für das optimale Modell beträgt, die Devianz nicht signifikant ist und der Likelihood-Ratio (x² = 48,8***) eine gute Modellanpassung attestiert. Die Klassifikationsmatrix (Tabelle A 57) stellt bei einem Schwellenwert von 38,3 % eine überzufällige Klassifizierung der Motivgruppen mit 42,8 % dar. Im optimalen Modell zeigt das Humankapital in Form von Bildungsabschlüssen einen signifikanten Einfluss auf die sozialreligiösen Motive im Vergleich zu pseudo-altruistischen Motiven. Für Freiwillige ohne (Fach-)Abitur (b = -0,97***) ist die Wahrscheinlichkeit, sozial-religiös motiviert zu sein, signifikant geringer als pseudo-altruistisch motiviert zu sein. Die Bildungsabschlüsse haben auch einen Effekt auf die Unterscheidung zwischen sozial-religiösen Motiven und den anderen beiden Motivclustern (nicht gezeigt). Freiwillige ohne (Fach-)Abitur haben ein um 103,8 % signifikant höheres Risiko, selbstzentriert-hedonistische Motive zu haben als sozial-religiöse Motive. Der Einfluss des (Fach-)Abiturs auf Selbstwert- und Kompensationsmotive im Vergleich zu sozial-religiösen Motiven ist zwar nur auf einem 5,7 %Niveau signifikant, deutet aber ebenfalls darauf hin, dass eine höhere Bildung eher die Wahrscheinlichkeit sozial-religiöser Motive erhöht, eine geringere Bildung die Selbstwert- und Kompensationsmotive.

Tabelle 58: Multinomiale logistische Regression der Zugehörigkeit zu einem der vier Motivcluster und der Einfluss des Humankapitals

Auch der Migrationshintergrund hat einen signifikanten Effekt auf das letzte Doch spielt auch der Migrationshintergrund eine entscheidende Rolle. Freiwillige ohne Migrationshintergrund sind signifikant seltener im sozial-religiösen Cluster als andere. Das Risiko ist für sie im Vergleich zu Freiwilligen der ersten und zweiten Migrantengeneration um 88,7 % geringer, sozial-religiöse Motive zu haben, und entsprechend höher, pseudo-altruistisch motiviert zu sein.

Für Zugehörigkeit zum Selbstwert- und Kompensationscluster zeigt auch das Alter (b = 0,02*) im Vergleich zu pseudo-altruistisch Motivierten einen signifi- kant Einfluss. Mit jedem Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit, Selbstwert- und Kompensationsmotive zu haben, um 2,0 %. Dagegen verringert jedes Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit pseudo-altruistischer Motive.

Cluster im Vergleich zum pseudo-altruistischen Cluster. Dieser verringert signifikant die Wahrscheinlichkeit, auf den Selbstwert und die Kompensation bezogene Motive zu haben (b = -0,67*), und erhöht entsprechend das Risiko, dem pseudo-altruistischen Cluster anzugehören um 95,0 %. Der größte Altersunterschied ist im Vergleich zum sozial-religiösen Motivcluster festzustellen. Jedes Lebensjahr erhöht das Risiko um 3,5 %, selbstwert-kompensationsorientierte Motive zu haben im Vergleich zu sozial-religiösen.

Es zeigt sich also, dass Freiwillige mit sozial-religiösen Motiven sich hinsichtlich ihres Bildungsabschlusses deutlich von den Freiwilligen mit anderen Motiven unterscheiden. Bei alternierenden Referenzkategorien (nicht gezeigt) konnte festgestellt werden, dass Personen mit Abitur und Fachabitur deutlich häufiger sozial-religiös motiviert sind als solche mit geringeren Bildungsabschlüssen. Die anderen drei Motivgruppen unterscheiden sich nicht hinsichtlich ihres Humankapitals voneinander. Nur die soziodemographischen Merkmale zeigen zur Trennung dieser drei Gruppen beitragende Effekte.

 
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