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8.7.2 Soziales Kapital

Das egozentrierte soziale Netzwerk der Freiwilligen wurde durch den sogenannten Burt-Indikator erhoben, indem danach gefragt wurde, mit wem die Freiwilligen in den letzten 14 Tagen wichtige Dinge besprochen haben (Burt 1984; S. 74). Dieser Namensgenerator ermittelte die fünf wichtigsten Freunde ohne Verwandte und Partner (Kapitel 7.2.1.3). Durchschnittlich geben die Freiwilligen an, 18 Freunde zu haben, dabei geben 50,0 % der Freiwilligen 10 Freunde an, das Maximum liegt bei der Angabe 182, das Minimum, 0 also keine Freunde zu haben. 450 Freiwillige haben Angaben zu ihren engsten Freunden gemacht.

Durchschnittlich wurden etwa vier enge Freunde angegeben, was insgesamt Angaben zu 1.726 Alteri entspricht. Insgesamt gestaltet sich das egozentrierte soziale Netzwerk der fünf engsten Freunde der Freiwilligen, wie in Tabelle 53 abgetragen.

Tabelle 53: Merkmale des egozentrierten Netzwerks Freiwilliger

Minimum

Maximum

Mittelwert

Standardabweichung

Anzahl enger Freunde

1

5

3,8

1,3

Anteil männlicher Alteri

0

100

33,5

34,5

Anteil Alteri mit Abitur

0

100

57,7

36,2

Anteil erwerbstätige Alteri

0

100

47,1

38,1

Anteil Alteri im Verein

0

100

26,3

36,3

Anteil freiwillig tätige Alteri

0

100

25,3

33,9

Anteil deutscher Freunde

0

100

85,4

28,2

Anteil türkischer Freunde

0

100

6,6

20,8

Anteil Freunde anderes Land

0

100

5,3

15,8

Anteil nicht-deutsche Alteri

0

100

11,9

25,3

Anteil Alteri ohne Konfession

0

100

16,1

26,4

Anteil christlicher Freunde

0

100

62,4

38,5

Anteil islamischer Freunde

0

100

11,6

30,7

N = 450.

33,5 % der angegebenen engen Freunde der Freiwilligen sind Männer, 57,7 % haben Abitur und 47,1 % sind erwerbstätig. 26,3 % der engen Freunde sind Mitglied im Verein oder nehmen Angebote des Vereins wahr, in dem sich die Freiwilligen engagieren. Auch freiwillig tätig sind 25,3 % der engen Freunde. 85,4 % der Freunde sind deutscher Herkunft gemessen an ihrer Staatsangehörigkeit und ihrem Geburtsland. Aufgrund fehlender Angaben benannten die Freiwilligen jedoch insgesamt nur 11,9 % nicht-deutsche Freunde, davon 6,6 % aus der Türkei stammend. Nur 16,1 % der Freunde sind laut der Freiwilligen konfessionslos.

62,4 % gehören christlichen und 11,6 % islamischen Glaubensgemeinschaften an. Ein weiterer relevanter Faktor für die Bildung von Sozialkapital und folglich, das freiwillige Arbeiten sind im Haushalt lebende Kinder (Kapitel 6.4). Insgesamt geben 70,2 % der Freiwilligen an, keine im Haushalt lebenden Kinder zu haben, 12,7 % haben ein Kind, 10,8 % zwei Kinder, 4,7 % drei Kinder und 1,6% der Freiwilligen mehr als drei Kinder.

Im Folgenden wurden die für die weiteren Analysen relevanten Merkmale des sozialen Netzwerks der Freiwilligen Mittelwertvergleichen nach den Mo- tivclustern unterzogen, um zu prüfen, ob das Sozialkapital einen Einfluss auf die Motivstruktur der Freiwilligen hat (Tabelle 54 und Tabelle 55).

Die Anzahl der Freunde zwischen den Freiwilligen unterschiedlicher Motivstrukturen unterscheidet sich signifikant. Während Freiwillige sozial-religiöser Motive durchschnittlich etwa 14 Freunde[1] nennen, sind es bei den Freiwilligen im Selbstwert- und Kompensationscluster 11 Freunde. Die Freiwilligen des pseudo-altruistischen Clusters und des selbstzentriert-hedonistischen Clusters geben jeweils etwa 12 Freunde an. Und auch die Anzahl im Haushalt lebender Kinder ist bei den sozial-religiös Motivierten (0,9) höher als bei den Freiwilligen mit anderen Motiven (0,4 bis 0,5).

Unter den maximal fünf engsten Freunden integrieren die sozial-religiös motivierten Freiwilligen aber auch mehr Freunde mit Abitur (65,8 %) als pseudoaltruistisch Motivierte (52,0 %). Mehr als ein Drittel der engen Freunde von sozial-religiös Motivierten nutzt Angebote oder ist sogar Mitglied in dem Verein, in dem sich die Befragten engagieren. Bei den Freiwilligen des Selbstwert- und Kompensationsclusters sind es dagegen nur 19,9 % und bei den selbstzentrierthedonistisch Motivierten 20,0 %. Ebenfalls freiwillige Arbeit leisten 19,5 % der engen Freunde der selbstzentriert-hedonistisch Motivierten, 22,6 % der Freunde der Freiwilligen im Selbstwert- und Kompensationscluster, 23,0 % der pseudoaltruistisch und 38,7 % der sozial-religiösen Freiwilligen.

Auch hinsichtlich des Anteils nicht-deutscher Freunde unterscheiden sich die Freiwilligen in den Motivclustern, was vor allem an den Freunden mit türkischem Migrationshintergrund liegt. Auch hier integrieren wieder die sozialreligiös motivierten Freiwilligen mehr Personen mit (türkischem 14,1 %) Migrationshintergrund (20,1 %) in ihr Netzwerk als anders Motivierte. Die pseudoaltruistisch Motivierten haben mit 8,3% den geringsten Anteil an nicht-deutschen engen Freunden.

Wie die sozial-religiös motivierten Freiwilligen selbst sind auch die wenigsten ihrer Freunde ohne Konfession. Nur 9,2 % ihrer engen Freunde gehören keiner Glaubensgemeinschaft an. Die Freiwilligen des Selbstwert- und Kompensationsclusters (19,7 %) dagegen haben den größten Anteil an Freunden ohne Konfession. Die meisten engen Freunde gehören christlichen Glaubensgemeinschaften an, deren Anteil sich nicht zwischen den Motivgruppen unterscheidet. Dagegen haben die sozial-religiösen Freiwilligen den größten Anteil islamischer Freunde (26,7 %), pseudo-altruistisch motivierte Freiwillige (5,6 %) dagegen den kleinsten Anteil.

Tabelle 54: Mittelwertvergleiche der Merkmale des sozialen Netzwerks nach den Motivclustern (Anzahl)

Anzahl…

Cluster

Pseudo-altruistisch

Freunde 11,7

Enge Freunde 3,9

Kinder

0,5

Sozial-religiös

13,8

4,0

0,9

Selbstzentriert-hedonistisch

12,2

3,8

0,5

Selbstwert und Kompensation

11,1

3,6

0,4

Gesamt

12,1

3,8

0,6

N

511

450

557

F-Test

3,4**

1,1

3,1**

0,02

0,01

0,02

Tabelle 55: Mittelwertvergleiche der Merkmale des sozialen Netzwerks nach den Motivclustern, in %

  • [1] Die Zahl der Freunde ist ab 20 Freunde und mehr in einer Kategorie zusammengefasst
 
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