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8.5 Tätigkeitsbereiche, Zielgruppen und Umfang der freiwilligen Arbeit in den unterschiedlichen Organisationsformen

Nicht nur hinsichtlich ihrer Sozialstruktur, sondern auch aufgrund u.a. der Einschätzung der Wichtigkeit der Tätigkeit, der Aufwandsentschädigung und Mitgliedschaften der Freiwilligen in den Vereinen können Unterschiede zwischen den drei Gruppen ausgemacht werden (Tabelle 26).

Nur 13,2 % der Freiwilligen zweckorientiert türkisch-islamischer Vereine erhalten Aufwands-entschädigungen für ihre Tätigkeit. Dagegen erhalten ein Viertel der Freiwilligen solidarischer und zweckorientiert christlicher Vereine eine Aufwands-entschädigung und damit signifikant häufiger als die Freiwilligen der anderen Organisationsform (x² = 8,6/ CV = 0,12*). Die Freiwilligen zweckorientiert türkisch-islamischer Vereine (86,9 %) sind am häufigsten Mitglied in dem Verein, in dem sie sich engagieren (x² = 48,4/ CV = 0,27***).

Nur die Hälfte der Freiwilligen zweckorientiert christlicher Organisationen und 69,6 % der Freiwilligen solidarischer Vereine geben an, ebenfalls Mitglied im Verein zu sein. Ein gewähltes Amt bekleiden 46,1 %, der Freiwilligen türkisch-islamischer, 25,9 % der christlicher und 46,1 % der solidarischer Vereine. Eine Vorstandsposition haben 72,0 % Freiwillige türkisch-islamischer, 30,6 % christlicher und 51,8 % solidarischer Vereine übernommen.

Abbildung 4 zeigt die Verteilung der Antworten auf die Frage, wie wichtig die freiwillige Arbeit für die Befragten ist. Die Antwortmöglichkeiten reichen von gar nicht und weniger wichtig über wichtig bis sehr wichtig. Während Freiwillige der beiden zweckorientierten Organisationsformen etwa gleichhäufig angeben, dass ihnen die Arbeit weniger oder gar nicht wichtig ist, geben mehr als 11 Prozent der solidarischen Freiwilligen an, dass ihnen die Arbeit weniger oder gar nicht wichtig ist. 51,9 % der Freiwilligen türkisch-islamischer Vereine dagegen empfinden die Tätigkeit als einen sehr wichtigen Teil ihres Lebens. Seltener bezeichnen Freiwillige christlicher (37,0 %) und solidarischer (29,2 %) Vereine die Arbeit als sehr wichtig (x² = 17,1/ CV = 0,17**).

Tabelle 26: Merkmale der freiwilligen Arbeit in den drei Organisationsformen

Nur Antworten „trifft zu“ gezeigt. N (max.) = 581.

Abbildung 4: Wichtigkeit der freiwilligen Tätigkeit in den drei Organisationsformen, in %

N = 562; x² = 17,1/ CV = 0,17**.

Tabelle 27: Tätigkeitsfelder Freiwilliger unterschiedlicher Organisationsformen

Nur „trifft zu“ angegeben.

262 Diese Kategorie wurde nachträglich hinzugefügt, da die Personen unter der Frage nach ihrem Klientel angaben, sich nicht um Personen, sondern um Verwaltungsangelegenheiten zu kümmern.

Tabelle 28: Zielgruppen der Freiwilligen verschiedener Organisationsformen

Nur „trifft zu“ angegeben. Solidarisch N (max.) = 176, zweckorientiert christlich N (max.) = 337, zweckorientiert türkisch-islamisch N (max.) = 85.

Durchschnittlich engagieren sich die Freiwilligen solidarischer Einrichtungen in

zwei Tätigkeitsfeldern (x= 1,6) und wenden dafür 9,3 Stunden pro Woche auf. Freiwillige zweckorientiert christlicher Vereine geben ebenfalls etwa zwei

(x= 1,7) Tätigkeitsfelder an und wenden 8,2 Stunden pro Woche dafür auf. Die

Freiwilligen der zweckorientiert türkisch-islamischen Einrichtungen geben an,

etwa 13,5 Stunden wöchentlich für durchschnittlich (x= 3,5) vier Tätigkeitsfel-

der aufzuwenden.

Insgesamt geben mehr als 80 Prozent der Freiwilligen der drei Organisationsformen an, dass es sich um regelmäßige, verpflichtende Arbeitseinsätze handelt. Bei den Freiwilligen der türkisch-islamischen Einrichtungen handelt es sich etwas häufiger um unregelmäßige Tätigkeiten (19,5 %) als bei Freiwilligen der solidarischen (7,9 %) und christlichen (6,7 %) Organisationen (x² = 12,8/ CV = 0,15**). Die Tätigkeitsfelder der solidarischen Einrichtungen sind vornehmlich der soziale Bereich (39,2 %), Freizeit und Geselligkeit (29,0 %), Schule und Kindergarten (25,0 %) und der Gesundheitsbereich (24,4 %) (Tabelle 27). Freiwillige zweckorientiert christlicher Einrichtungen geben am häufigsten an, im sozialen Bereich (46,0 %) tätig zu sein, gefolgt vom religiösen (29,4 %) und Gesundheitsbereich (25,5 %), aber auch Freizeit und Geselligkeit (21,7 %) wird häufig genannt. Für die Freiwilligen zweckorientiert türkisch-islamischer Einrichtungen ist der religiöse Bereich (72,9 %) das mit Abstand meistgenannte Tätigkeitsfeld. Über die Hälfte nennen weiterhin die außerschulische Jugendarbeit (51,8 %), gefolgt von Freizeit und Geselligkeit (47,1 %), Kultur und Musik (36,5 %) sowie soziale Angelegenheiten (35,3 %).

Auch die Zielgruppen unterscheiden sich zwischen den Freiwilligen der verschiedenen Organisationsformen (Tabelle 28). Die Aufteilung auf die Zielgruppen ist unter Freiwilligen solidarischer und zweckorientiert christlicher Einrichtungen jedoch wesentlich heterogener als unter den Freiwilligen zweckorientiert türkisch-islamischer Einrichtungen. Die am häufigsten genannte Zielgruppe der solidarischen (48,3 %) wie zweckorientiert christlichen (53,7 %) Einrichtungen sind ältere Menschen.

Kinder und Jugendliche werden von den Freiwilligen türkisch-islamischer Organisationen mit 88,2 % am häufigsten genannt, während etwa 40 Prozent der Freiwilligen der anderen beiden Gruppen diese Zielgruppe nennen. Ähnliche verhält es sich mit den Familien, die von 63,5 % der Freiwilligen türkischislamischer, 34,1 % christlicher und 30,1 % solidarischer Einrichtungen genannt werden. Kranke werden etwas häufiger von Freiwilligen solidarischer (35,2 %) und christlicher (35,3 %) Einrichtungen fokussiert, Arme von Freiwilligen christlicher Organisationen (36,5 %).

Frauen sind eine wichtige Zielgruppe für Freiwillige islamischer (57,6 %) Einrichtungen, genauso wie Zuwanderer, Ausländer und Flüchtlinge (47,1 %). Letztere Gruppe ist ein Hinweis auf das Kümmern um die eigene ethnische Gruppe. Die Inhalte der freiwilligen Tätigkeit unterscheiden sich deutlich zwischen den Befragten (Tabelle 29). Freiwillige zweckorientiert türkischislamischer Einrichtungen organisieren signifikant häufiger Veranstaltungen und Treffen (70,6 %) (x² = 39,3/ CV = 0,26***), sind für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig (61,2 %) (x² = 54,5/ CV = 0,30***) und organisieren Hilfsprojekte (51,8 %) (x² = 54,0/ CV = 0,30***). Freiwillige zweckorientiert christlicher Einrichtungen leisten am häufigsten persönliche Hilfe wie z.B. Besuchsdienste, Betreuung von Älteren etc. Beratung (42,2 %) und praktische Hilfen (37,1 %) gehören ebenfalls zu ihren häufig ausgeübten Aufgaben. Sie unterscheiden sich diesbezüglich kaum von den solidarischen Freiwilligen. Treffen und Veranstaltungen organisieren (52,9 %), beratende Tätigkeiten (44,2 %) und praktische Arbeiten (43,6 %) gehören zu den Aufgaben, die diese am häufigsten übernehmen. Aufgaben der Interessenvertretung hingegen übernehmen Freiwillige solidarischer Einrichtungen signifikant häufiger als andere (x² = 20,9/ CV = 0,19***), genauso wie praktische Arbeiten (x² = 6,7/ CV = 0,11*).

Tabelle 29: Die Hauptinhalte der freiwilligen Arbeit nach Organisationsform, in %

Hauptinhalte

Solidarisch

Zwecko. christlich

Zwecko. türkischislamisch

Chi²-Test/ Cramers V

N %

N %

N %

Organisation Treffen/ Veranstaltungen

Beratung

91

76

52,9

44,2

118

141

35,3

42,2

60

39

70,6

45,9

x²=39,3/ CV=0,26***

x²=0,4/ CV=0,03 n.s.

Praktische Arbeiten

75

43,6

124

37,1

23

27,1

x²=6,7/ CV=0,11*

Persönliche Hilfeleistungen

72

41,9

175

52,4

38

44,7

x²=5,5/ CV=0,10 n.s.

Öffentlichkeitsarbeit

64

37,2

70

21,0

52

61,2

x²=54,5/ CV=0,30***

Verwaltungstätigkeiten

52

30,2

77

23,1

27

31,8

x²=4,5/ CV=0,09 n.s.

Interessenvertretung

52

30,2

48

14,4

11

12,9

x²=20,9/ CV=0,19***

Mittelbeschaffung

47

27,3

45

13,5

23

27,1

x²=17,6/ CV=0,17***

Betreuung einer Gruppe

44

25,6

87

26,0

29

34,1

x²=2,5/ CV=0,07 n.s.

Vernetzungsarbeit

36

20,9

44

13,2

25

29,4

x²=13,9/ CV=0,15***

Organisation von Hilfsprojekten

29

16,9

54

16,2

44

51,8

x²=54,0/ CV=0,30***

Anderes

19

11,0

51

15,3

10

11,8

x²=2,0/ CV=0,06 n.s.

Nichts davon

2

1,2

6

1,8

2

2,4

x²=0,5/ CV=0,03 n.s.

Nur „trifft zu“ angegeben, Mehrfachnennungen möglich. Solidarisch N (max.) = 176, zweckorientiert christlich N (max.) = 337, zweckorientiert türkisch-islamisch N (max.) = 85.

Die Freiwilligen christlicher Einrichtungen organisieren seltener Treffen und Veranstaltungen als die anderen beiden Gruppen (x² = 39,3/ CV = 0,26***), arbeiten seltener im Bereich Öffentlichkeitsarbeit (x² = 54,5/ CV = 0,30***), in der Mittelbeschaffung (x² = 17,6/ CV = 0,17***) und der Vernetzungsarbeit (x² = 13,9/ CV = 0,15***) und organisieren wie mit Freiwillige solidarischer Einrichtungen seltener Hilfsprojekte (x² = 54,0/ CV = 0,30***) als die Freiwilligen türkisch-islamischer Einrichtungen.

Insgesamt geben aber 71,2 % der solidarischen und 74,8 % der christlichen Freiwilligen an, den Anforderungen, die die Tätigkeit oder der Verein an sie stellt, immer gewachsen zu sein. Nur die türkisch-islamischen Freiwilligen sehen sich häufiger manchmal überfordert (54,3 %) (x² = 13,3/ CV = 0,15***) (nicht gezeigt). Auch die Mitsprachemöglichkeit ist in den Vereinen unterschiedlich verteilt. Freiwillige türkisch-islamischer Einrichtungen geben mit 70,7 % am häufigsten an, Mitspracherecht im Verein zu haben, gefolgt von denen solidarischer mit 64,1 % und christlicher Einrichtungen mit 53,5 % (x² = 11,6/ CV = 0,10*).

 
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