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8.3 Tätigkeitsbereiche, Zielgruppen und Umfang der freiwilligen Arbeit

Für viele Befragte ist die freiwillige Arbeit ein wichtiger Bereich in ihrem Leben. 92,7 % der Freiwilligen geben an, dass die Tätigkeit einen wichtigen oder sehr wichtigen Teil ihres Lebens darstellt (nicht gezeigt). 74,1 % der Freiwilligen geben an, dass sie durch die freiwillige Arbeit bestimmte Fähigkeiten entwickelt haben. 61,6 % der Freiwilligen sind zusätzlich auch Mitglied in ihrer Organisation, während von den hauptamtlichen Mitarbeitern nur 30,0 % Mitglied im Verein sind (x² = 85,9***/ CV = 0,30***) (nicht gezeigt). Dies kann als Anhaltspunkt dafür gewertet werden, dass die freiwillige Tätigkeit in einem Verein anderen Überlegungen und Anreizen geschuldet ist, als die Anstellung in demselben. Weiterhin erhalten 25,6 % der Freiwilligen eine Aufwandsentschädigung für ihre Arbeit und 34,4 % der Freiwilligen haben ein gewähltes Amt bzw. Ehrenamt inne. 42,5 % bekleiden eine Vorstandsfunktion (nicht gezeigt).

Die 598 Freiwilligen gaben insgesamt 1.179 Betätigungsfelder an, die sich auf 13 verschiedene Bereiche aufgliedern (Tabelle 21). Hauptamtliche Mitarbeiter geben 661 Betätigungsfelder an. Durchschnittlich gaben Freiwillige an, 9,2 Stunden pro Woche für ihre freiwillige Arbeit aufzuwenden. Die Freiwilligen engagieren sich durchschnittlich in etwa zwei Betätigungsfeldern. Bei 91,2 % handelt es sich um regelmäßige und zeitlich verpflichtende Tätigkeiten.

Der meist frequentierte Tätigkeitsbereich ist der soziale Bereich (21,5 %), gefolgt vom religiösen Bereich (14,3 %) und der Freizeitgestaltung und Geselligkeit (13,9 %). Der Gesundheitsbereich (11,8 %) belegt den vierten Platz. Seltener sind die Freiwilligen in dem Betätigungsfeld Justiz und Kriminalität (2,1 %) sowie Umwelt, Unfall- und Rettungsdiensten (jeweils 1,4 %) tätig. Insgesamt ist die Verteilung der Tätigkeitsfelder – mit Abstrichen im Sportbereich – mit denen der repräsentativen Studien zu vergleichen. Der Forschungsstand zeigt, dass Sport und Religion sowie Bildungsangebote, Freizeitangebote und Kinder- und Jugendarbeit die Tätigkeitsbereiche sind, in denen sich die meisten Freiwilligen engagieren (Kapitel 5.1.4).

Aufgrund der bereits dargelegten Auswahl der Freiwilligen über gemeinnützige Organisationen ist der Sportbereich in der vorliegenden Studie nur selten angegeben (4,7 %). Das häufig genannte Engagement im religiösen Bereich dagegen ist auch in der vorliegenden Arbeit ein stark frequentiertes Feld, was ebenfalls an der Auswahl der Organisationen liegt. Bildungsangebote werden seltener genannt als in den Studien des Forschungsstands.

Tabelle 21: Freiwillige und hauptamtliche Arbeit nach Tätigkeitsbereichen

260 Diese Kategorie wurde nachträglich hinzugefügt, da die Personen unter der Frage nach ihrem Klientel angaben, sich nicht um Personen, sondern um Verwaltungsangelegenheiten zu kümmern.

Allerdings sind diese in verschiedenen Tätigkeitsfeldern enthalten. Zusammen machen Schule und Kindergarten, Erwachsenenbildung sowie außerschulische Jugendarbeit etwa 20,5 % der Tätigkeiten aus. Freizeit und Geselligkeit und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dagegen sind auch in der vorliegenden Studie häufig genannt worden. Fasst man die Kategorien Schule und Kindergarten und außerschulische Jugendarbeit zusammen, machen diese fast 15,0 % der Nennungen aus. Hauptamtliche Mitarbeiter sind ebenfalls häufig im sozialen Bereich (29,8 %) und Gesundheitsbereich (17,1 %) tätig. Im Tätigkeitsfeld Freizeit (7,0 %) (x² = 37,5/ CV = 0,20***) und Religion (5,5 %) (x² = 62,9/ CV = 0,26***) sind sie dagegen deutlich seltener aktiv als die Freiwilligen.

Etwa ein Drittel der Freiwilligen wäre bereit, die Arbeit noch auszuweiten (Tabelle A 27). Nur wenige Studien machen Angaben zu den Zielgruppen der freiwilligen Arbeit. Gaskin und Kollegen (1996, S. 137) berichten, dass in Deutschland Obdachlose, Menschen mit Handicap und Lernschwache zu den Personengruppen gehören, die häufig als Zielgruppe für freiwilliges Engagement genannt werden. Die Daten des Freiwilligensurveys belegen, dass häufig kein spezieller Personenkreis fokussiert wird (Kapitel 5.1.4) (Gensicke et al. 2005, S. 391). Falls jedoch Personenkreise genannt werden, sind es mit großem Abstand Kinder und Jugendliche, die als Zielgruppe des freiwilligen Engagements genannt werden. Die Berichte der verschiedenen Studien liefern also uneinheitliche Ergebnisse.

Tabelle 22 zeigt die Zielgruppen, die die freiwilligen und hauptamtlichen Mitarbeiter der vorliegenden Befragung angegeben haben. Ältere Menschen (15,0 %), Kinder und Jugendliche (14,6 %) und Familien (11,1 %) werden am häufigsten genannt. Nur 5,0 % der Freiwilligen geben an, dass ihre Arbeit keinen speziellen Personenkreis fokussiert.

Tabelle 22: Zielgruppe der freiwilligen Tätigkeit

Die Verteilung der Zielgruppen der festangestellten Mitarbeiter unterscheidet sich von der der Freiwilligen nur hinsichtlich der Familien (x² = 4,7/ CV = 0,07*), der Menschen mit Handicap (x² = 35,4/ CV = 0,20***), der Älteren (x² = 15,7/ CV = 0,13***) und der Angabe „kein spezieller Personenkreis“ (x² = 29,2/ CV = 0,18***). Hauptamtliche Mitarbeiter kümmern sich häufiger um die Personenkreise, für die Leistungen durch Entgelte bezahlt werden, und solche, die für ihre Betreuung speziell ausgebildete Fachkräfte benötigen, wie

z.B. Personen mit Handicap oder im Bereich der Altenpflege. Gruppen, die eher Hilfe benötigen, für die die Helfer aber keine spezielle Ausbildung benötigen, können häufiger durch freiwillige Mitarbeiter betreut werden.

Tabelle 23: Die zwei meistgenannten Tätigkeitsbereiche innerhalb der Zielgruppen freiwilliger Arbeit

Zielgruppe

1. Bereich

%

2. Bereich

%

Ältere Menschen

Gesundheit

74,1

Freizeit und Gesellig-

65,2

keit

Kinder und Jugend-

Schule und Kinder-

92,7

Jugendarbeit

92,5

liche Familien

garten

Sport und Bewegung

58,2

Jugendarbeit

56,3

Frauen

Erwachsenenbildung

59,1

Jugendarbeit

51,3

Kranke Menschen

Rettungsdienst

64,7

Gesundheit

54,7

Arme Menschen

Umwelt/ Tiere/ Natur

47,1

Erwachsenenbildung

42,4

Personen mit Han-

Gesundheit

47,5

Rettungsdienst

41,2

dicap

Zuwanderer, Aus-

Erwachsenenbildung

51,5

Umwelt/ Tiere/ Natur

47,1

länder, Flüchtlinge

Andere

Justiz

48,0

Verwaltung/ Presse/

(33,3)

Öffentlichkeitsarbeit

Kein spezieller

Verwaltung/ Presse/

(33,3)

Umwelt/ Tiere/ Natur

29,4

Personenkreis

Öffentlichkeitsarbeit

() = N :S 10, nicht zu interpretieren. Mehrfachnennungen möglich.

Freiwillige, die angeben, ältere Menschen zu betreuen, arbeiten am häufigsten im Bereich Gesundheit (74,1 %) sowie Freizeit und Geselligkeit (65,2 %). Freiwillige, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sind erwartungsgemäß hauptsächlich im Bereich Schule und Kindergarten (92,7 %) und in der Jugendarbeit (92,5 %) tätig (Tabelle 23). Familien werden hauptsächlich im Bereich Sport und Bewegung (58,2 %) und ebenfalls in der Jugendarbeit (56,3 %) betreut. Für Frauen werden vor allem Angebote in der Erwachsenenbildung (59,1 %) und der Jugendarbeit (51,3 %) gemacht. Kranke Menschen werden häufig im Rahmen von Rettungsdiensten (64,7 %) und anderen Gesundheitsmaßnahmen (54,7 %) betreut, ähnlich wie Personen mit Handicap. Zuwanderer werden häufig im Bereich Erwachsenenbildung (51,5 %) betreut.

Zwar haben die meisten Freiwilligen mehrere Tätigkeitsbereiche angegeben, so dass nicht eindeutig geklärt werden kann, ob der genannte Tätigkeitsbereich auch tatsächlich für die entsprechende Zielgruppe ausgeübt wird, doch zeigen die Ergebnisse vor allem für die häufig genannten Zielgruppen einleuchtende Ergebnisse. Die Ergebnisse für die hauptamtlichen Mitarbeiter bestätigen, dass diese eher Bereiche wie z.B. Rettungsdienste und Gesundheit übernehmen, die durch die Zielgruppen (Ältere, Kranke, Arme und Personen mit Handicap) oder deren Versicherungen mit einem Entgelt bezahlt werden (Tabelle A 28).

Zu den Inhalten der Tätigkeit wurde eine geschlossene Frage gestellt: „Was ist der Hauptinhalt Ihrer eigenen Tätigkeit? Geht es überwiegend...“ (Tabelle 24). Am häufigsten werden die persönlichen Hilfeleistungen genannt (48,2 %), gefolgt von der Organisation und Durchführung von Treffen und Veranstaltungen (45,5 %) sowie Beratung (43,3 %) und praktische Arbeiten, die geleistet werden müssen (37,6 %). Seltener gehört das Sammeln von Spenden (19,5 %), die Interessenvertretung (18,8 %) oder das Vernetzen mit anderen Einrichtungen (17,8 %) zu den Aufgaben. Insgesamt geben 70,9 % der Freiwilligen an, dass sie den Anforderungen immer gewachsen sind, die im Rahmen ihrer Tätigkeit an sie gestellt werden. 59,2 % haben ein Mitspracherecht in der Organisation und damit die Möglichkeit, ihre Arbeit zu gestalten.

Tabelle 24: Die Hauptinhalte der freiwilligen Arbeit

N

%

Persönliche Hilfeleistungen

285

48,2

Die Organisation und Durchführung von Treffen oder Veranstaltungen

269

45,5

Beratung

256

43,3

Praktische Arbeiten, die geleistet werden müssen

222

37,6

Informations- und Öffentlichkeitsarbeit

186

31,5

Pädagogische Betreuung oder die Anleitung einer Gruppe

160

27,1

Verwaltungstätigkeiten

156

26,4

Die Organisation und Durchführung von Hilfeprojekten

127

21,5

Mittelbeschaffung (Sammeln von Spendengeldern; Fundraising)

115

19,5

Interessenvertretung

111

18,8

Vernetzungsarbeit

105

17,8

Anderes

80

13,5

Nichts davon

10

1,7

N = 591, Mehrfachnennungen möglich.

 
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