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8.1 Merkmale der Vereine

Tabelle 15: Betätigungsfelder der Einrichtungen nach Organisationstyp, in %

Betätigungs-

Soli-

Zwecko.

Zwecko.

N

Chi²-Test/

feld

darisch

christlich

türkisch-

Cramers V

islamisch

Sport/ Bewe-

18,9

9,0

42,9

37

x²=11,2/ CV=0,22**

gung

Kultur/ Mu-

18,0

23,3

53,3

51

x²=9,6/ CV=0,21**

sik

Freizeit/

30,1

30,1

38,5

70

x²=0,4/ CV=0,04 n.s.

Geselligkeit

Soziales

56,9

58,6

72,2

141

x²=1,5/ CV=0,08 n.s.

Gesundheit

27,9

29,5

25,0

65

x²=0,1/ CV=0,03 n.s.

Schule/ Kin-

41,8

28,9

21,4

80

x²=5,1/ CV=0,15 n.s.

dergarten

Jugendarbeit

14,0

24,7

46,7

46

x²=10,4/ CV=0,22**

Erwachse-

24,8

18,7

43,8

54

x²=4,9/ CV=0,15 n.s.

nenbildung

Umwelt/

0,8

7,0

9,1

8

x²=6,3/ CV=0,17*

Natur/ Tiere

Religion

2,5

39,8

71,4

50

x²=64,1/ CV=0,53***

Justiz

5,0

8,1

21,4

16

x²=5,2/ CV=0,15 n.s.

Rettungs-

0,8

2,3

8,3

4

x²=3,6/ CV=0,13 n.s.

dienst

N (max.)

124

107

22

253

Spaltenprozente. Nur „trifft zu“ gezeigt. Ergebnisse in kursiv nur unter Vorbehalt zu interpretieren.

Die Rückläufe der Einrichtungsfragebögen wurden bereits in Tabelle 12 des Kapitels 7.1 dargestellt. Insgesamt konnten 124 Fragebögen solidarischen, 107 zweckorientiert christlichen und 22 zweckorientiert türkisch-islamischen Einrichtungen zugeordnet werden. Da sieben der insgesamt 260 Fragebögen aufgrund fehlender Angaben nicht den beteiligten Organisationen zugeordnet werden können, mussten diese aus der folgenden Analyse entfernt werden. Zu den solidarischen Organisationen zählen die Einrichtungen der AWO Köln und Hamburg, des ASB Köln und des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Köln und Hamburg. Zu den zweckorientiert christlichen Vereinen können die Einrichtungen der Diakonie Köln und Hamburg, der Heilsarmee Köln und Hamburg und der Caritas Köln und Hamburg gezählt werden. Die zweckorientiert türkisch-islamischen Organisationen setzen sich aus Einrichtungen der DiTiB Köln, der AABF Hamburg und Köln und der IGMG Hamburg zusammen. ATIB Köln und IGMG Köln haben leider keine Einrichtungsfragebögen zurückgeschickt, sehr wohl jedoch ihre Mitarbeiter, deren Fragebögen daher nur in die Individualanalysen eingehen.

Die geringe Zahl der Rückläufer zweckorientiert türkisch-islamischer Organisationsfragebögen schränkt die Aussagekraft der Ergebnisse deutlich ein. Dennoch werden sie der Vollständigkeit halber dargestellt. Tabelle 15 zeigt die Betätigungsfelder, die die Leitungspersonen für ihre Einrichtungen angegeben haben, unterteilt nach den drei Organisationstypen. Die vier meistgenannten Betätigungsfelder der solidarischen Organisationen sind der soziale Bereich (56,9 %), Schule und Kindergarten (41,8 %), Freizeit und Geselligkeit (30,1 %) sowie der Gesundheitsbereich (27,9 %). Der soziale Bereich (58,6 %) wird von Führungskräften der zweckorientiert christlichen Einrichtungen ebenfalls am häufigsten genannt. An zweiter Stelle steht jedoch der religiöse Bereich (39,8 %), gefolgt von Freizeit und Geselligkeit (30,1 %) und Gesundheit (29,5 %). Die Mitarbeiter der zweckorientiert türkisch-islamischen Einrichtungen geben wie die anderen beiden Organisationstypen am häufigsten an, im sozialen Bereich tätig zu sein. Wie bei den christlichen Vereinen jedoch steht auch hier der religiöse Bereich an zweiter Stelle. Es folgen die Bereiche Kultur und Musik und Jugendarbeit.

Aufgrund der Fallzahlen sind die Chi²-Tests, die in Tabelle 15 abgetragen sind, nur unter Vorbehalt zu interpretieren. Daher wurde erneut ein Gruppenvergleich berechnet, der nur solidarische und zweckorientierte Vereine unterscheidet, ohne die Glaubensgemeinschaften weiter zu differenzieren (nicht gezeigt).

Die Leiter der solidarischen Einrichtungen geben signifikant häufiger an, im Bereich Schule und Kindergarten (41,7 %) tätig zu sein, als die Leiter zweckorientierter Einrichtungen (27,9 %) (x² = 4,8/ CV = 0,14*). Weniger oft geben die Führungskräfte solidarischer Einrichtungen an, im Bereich Jugendarbeit tätig zu sein (13,5 %). Die Leitungspersonen der zweckorientiert christlichen Einrichtungen dagegen geben etwa doppelt so oft an, in diesem Bereich zu arbeiten (27,9 %) (x² = 7,4/ CV = 0,18**). Ebenfalls seltener sind die solidarischen Einrichtungen im Bereich Natur, Tiere und Umwelt tätig (0,8 %; zweckorientiert 7,2 %) (x² = 4,8/ CV = 0,17*). Wenig überraschend findet sich der deutlichste Unterschied im religiösen Bereich. Während nur 3,2 % der Leiter solidarischer Einrichtungen angeben, in diesem Bereich tätig zu sein, sind es unter den zweckorientierten Vereinen 43,9 % (x² = 56,2/ CV = 0,49***).

Auch die Zielgruppen unterscheiden sich nach den Organisationstypen (Tabelle 16). Die meistgenannten Zielgruppen der solidarischen Vereine sind Kinder und Jugendliche (62,9 %), Ältere (41,9 %), Familien (41,1 %) und Frau-en (30,6 %). Leitungspersonen zweckorientiert christlicher Vereine nennen am häufigsten Ältere (60,7 %), Familien (56,1 %), Kinder und Jugendliche (51,4 %) und Arme (44,9 %). Die Führungskräfte der Einrichtungen zweckorientiert türkisch-islamischer Organisationen nennen an erster Stelle Kinder und Jugendliche, gefolgt von Frauen, Migranten und Familien.

Tabelle 16: Zielgruppen der Einrichtungen nach Organisationstyp, in %

Nur „trifft zu“ gezeigt. Ergebnisse in kursiv nur unter Vorbehalt zu interpretieren.

Um verlässliche Aussagen über die unterschiedlichen Häufigkeitsnennung machen zu können, wurden erneut die beiden zweckorientierten Organisationstypen zusammengefasst und mit den Aussagen der Leiter solidarischer Vereine verglichen (nicht gezeigt). Dieser Vergleich ergibt, dass zweckorientierte Vereine sich häufiger um Familien kümmern (58,9 %), als solidarische Vereine (42,0 %) (x² = 7,5/ CV = 0,17**). Auch Ältere (59,7 %) und Migranten (33,3 %) werden häufiger von den zweckorientierten Einrichtungen genannt als von solidarischen (Ältere 41,2 %, Migranten 22,1 %) (x² = 8,9/ CV = 0,19** und x² = 4,1/ CV = 0,13*), ebenso wie Frauen (48,1 %), kranke (37,2 %) und arme Menschen (42,6 %). Nur 30,5 % der Leitpersonen solidarischer Einrichtungen nennen Frauen (x² = 8,4/ CV = 0,18**), 24,4 % kranke (x² = 5,0/ CV = 0,14*) und 22,9 % arme Menschen (x² = 11,5/ CV = 0,21***) als Zielgruppe.

Ein wichtiger Aspekt für die Vereine ist die Finanzierung. Bereits die Ergebnisse des Projekts FACIT ergaben, dass sich die Finanzierung nach den Organi-sationstypen unterscheidet (Friedrichs und Klöckner 2009). Vor allem den Migrantenvereinen stehen weniger Mittel als den Wohlfahrtsverbänden zur Verfügung, da sie nur selten bzw. keine kirchlichen, staatlichen, kommunalen oder europäischen Förderungen erhalten (Friedrichs und Klöckner 2009, 2011; Friedrichs et al. 2012).

Tabelle 17: Finanzierungsquellen der Einrichtungen nach Organisationstyp, in %

Finanzierungsquellen

Solidarisch

Zwecko. christlich

Zwecko. türkisch-islamisch

N

Chi²-Test/ Cramers V

Eigene Mittel

33,9

44,9

77,3

107

x²=14,9/ CV=0,24***

Projektarbeit

25,8

17,8

59,1

64

x²=16,5/ CV=0,26***

Spenden

72,6

68,2

72,7

179

x²=0,6/ CV=0,05 n.s.

Mitgliederbeiträge

66,9

25,2

72,7

126

x²=45,0/ CV=0,42***

Stiftungen

28,2

15,0

18,2

55

x²=6,1/ CV=0,16*

Sponsorengelder

15,3

15,0

36,4

43

x²=6,4/ CV=0,16*

Entgelte

25,8

29,0

9,1

65

x²=3,8/ CV=0,12 n.s.

Modellpro-

20,2

14,0

9,1

42

x²=2,6/ CV=0,10 n.s.

Kommunale Gelder

58,9

40,2

9,1

118

x²=21,7/ CV=0,29***

Staatliche Förderung

38,7

32,7

22,7

88

x²=2,5/ CV=0,10 n.s.

Europäische Förderung

9,7

5,6

13,6

21

x²=2,2/ CV=0,09 n.s.

Arbeitsmarktförderung

15,3

9,3

0,0

29

x²=5,1/ CV=0,14 n.s.

Andere Organisationen

0,8

30,8

13,6

37

x²=41,5/ CV=0,41***

Andere

17,7

13,1

0,0

36

x²=5,0/ CV=0,14 n.s.

N (max.)

124

107

22

253

Nur „trifft zu“ gezeigt. Ergebnisse in kursiv nur unter Vorbehalt zu interpretieren.

Die vier meistgenannten Finanzierungsquellen solidarischer Vereine sind Spenden (72,6 %), Mitgliederbeiträge (66,9 %), kommunale Gelder (58,9 %) und staatliche Förderungen (38,7 %). Leitungspersonen zweckorientiert christlicher Vereine nennen ebenfalls am häufigsten Spendengelder (68,2 %), gefolgt von eigenen Mitteln (44,9 %), kommunalen Geldern (40,2 %) und an vierter Stelle staatlichen Förderungen (32,7 %). Für die zweckorientiert türkisch-islamischen Einrichtungen steht die Finanzierung durch eigene Mittel an erster Stelle, gefolgt von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Projektarbeit[1]. Signifikant unterscheiden sich solidarische und zweckorientierte Vereine nur in den Bereichen eigene Mittel (x² = 8,3/ CV = 0,18**), Mitgliedsbeiträge (x² = 25,9/ CV = 0,32***), Stiftungsgelder (x²=5,5/ CV=0,15*), kommunale Gelder (x² = 14,9/ CV = 0,24***) und andere Organisationen (x² = 39,2/ CV = 0,39***).

Aus eigenen Mitteln finanzieren sich 50,4 % der zweckorientierten und 32,8 % der solidarischen Einrichtungen. Außerdem geben die Leiter zweckorientierter Vereine (27,9 %) häufiger „andere Organisationen“ als Geldgeber an, was

z.B. Kirchen oder Moscheevereine oder Organisationen aus dem Ausland sein können (solidarische Vereine 0,8 %). Dagegen finanzieren sich die solidarischen Vereine deutlich häufiger aus Mitgliedsbeiträgen (64,9 %) als die zweckorientierten Vereine (33,3 %) und erhalten häufiger Stiftungs(27,5 %) und kommunale Gelder (58,8 %) als die religiösen Vereine (Stiftungen 15,5 %, Kommunen 34,9 %).

Die folgende Tabelle 18 zeigt einen Mittelwertvergleich der Anzahl hauptamtlicher und freiwilliger Mitarbeiter der drei Organisationsformen. Wie zu erwarten war, geben die Leitungspersonen der zweckorientiert türkischislamischen Vereine die wenigsten hauptamtlichen Mitarbeiter mit durchschnittlich knapp 23 Personen an. Zweckorientiert christliche Leitungspersonen geben durchschnittlich 50 Mitarbeiter an und Leiter solidarischer Einrichtungen etwa 39 hauptamtlich beschäftigte Mitarbeiter. Ein, aufgrund der geringen Fallzahl der Fragebögen türkisch-islamischer Vereine unter Vorbehalt, signifikanter Unterschied ist jedoch nur bei der Anzahl freiwilliger Mitarbeiter zu beobachten. Während die Führungskräfte solidarischer Vereine nur durchschnittlich 24 Freiwillige angeben, betätigen sich in zweckorientierten Vereinen durchschnittlich 68 und in zweckorientiert türkisch-islamischen Vereine über 100 Personen freiwillig.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die anhand der anreiztheoretischen Über-legungen Clarks (1961, S. 138) differenzierten Organisationen offenbar durch verschiedene Merkmale unterscheiden. Die untersuchten Einrichtungen der AWO, des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und des ASB, die den solidarischen Vereinen zugeordnet wurden, arbeiten vor allem im sozialen Bereich und in Schulen und Kindergärten. Ihre Zielgruppen sind vor allem Kinder, Jugendliche und Ältere. Sie beschäftigen hauptamtliche Mitarbeiter durchschnittlich häufiger als Freiwillige, was vermutlich mit der Finanzierung durch Spen-den, Mitgliedsbeiträge und kommunale Fördermittel zusammenhängt. Dies kann in der vorliegenden Arbeit jedoch nur als Hinweis dienen.

Den zweckorientiert christlichen Vereinen wurden die Einrichtungen der Diakonie, der Heilsarmee und der Caritas zugeordnet. Wie bei den solidarischen Vereinen steht soziale Arbeit im Fokus der Betätigungen. Doch werden auch religiöse Dienstleistungen erbracht. Die Finanzierung erfolgt vor allem über Spendengelder und eigene Mittel. Sie beschäftigen durchschnittlich die meisten hauptamtlichen, aber noch mehr freiwillige Mitarbeiter.

Zu den zweckorientiert türkisch-islamischen Organisationen zählen Einrichtungen der DiTiB, der AABF und der IGMG. Wie bei den christlichen Vereinen sind die Bereiche Soziales und Religion die wichtigsten Betätigungsfelder. Kinder, Jugendliche und Frauen sind die wichtigsten Zielgruppen. Dadurch, dass die zweckorientiert türkisch-islamischen Einrichtungen stark von eigenen Mitteln abhängig sind, haben sie durchschnittlich die meisten Freiwilligen und die wenigsten hauptamtlichen Mitarbeiter. Die folgenden Auswertungen beziehen sich auf die erhobenen Daten des Individualfragebogens.

Tabelle 18: Mittelwertvergleich der Anzahl der freiwilligen und hauptamtlichen Mitarbeiter der Einrichtungen nach Organisationstyp, in %

Hauptamtliche

Freiwillige

Solidarisch

39

24

Zweckorientiert christlich

50

68

Zweckorientiert türkisch-islamisch

23

101

Gesamt

53

80

N

225

226

F-Test

0,4 n.s.

6,4**

0,00

0,06

  • [1] Projektarbeit bezieht sich auf meist kurzzeitige Förderungen von Stiftungen oder staatlichen Einrichtungen wie z.B. dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
 
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