Desktop-Version

Start arrow Politikwissenschaft arrow Freiwillige Arbeit in gemeinnützigen Vereinen

< Zurück   INHALT   Weiter >

5.2.2 Zusammenfassung der Ergebnisse von Studien zu Religion, Religiosität und freiwilliger Arbeit

Die vorgestellten deutschen Studien zu freiwilliger Arbeit, Religion und Religiosität zeigen, dass die reine Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft oder der Gottesglaube nur einen sehr schwachen oder gar keinen Zusammenhang zu freiwilliger Arbeit hat. Besuchen Personen allerdings regelmäßig Gottesdienste, sind sie auch häufiger freiwillig tätig als andere. Freiwillige, die in kirchlichen Einrichtungen tätig sind, sind religiöser als andere und fühlen sich stärker mit ihrer Gemeinde verbunden. Dies konnte auch in den schweizerischen und österreichischen Untersuchungen festgestellt werden.

In den referierten internationalen Studien sind die Effekte von Religionszugehörigkeit und Religiosität deutlicher. Konfessionslose sind seltener freiwillig engagiert als andere und auch in geringerem Ausmaß als Personen, die einer Religionsgemeinschaft angehören. Dies wird mit den fehlenden Kirchenbesuchen der Konfessionslosen und dadurch selteneren Kontakten zu Personen erklärt, die nach einer Beteiligung fragen könnten. Insgesamt haben Kontakte zu Personen der eigenen Religionsgemeinschaft einen positiven Einfluss auf freiwillige Arbeit in der Gemeinde, seien es Freunde oder auch Familienmitglieder. Religiöse Sozialisation führt ebenfalls zu vermehrtem Engagement. Religiöse Freiwillige engagieren sich häufiger in ihrer Gemeinde, während weniger religiöse Freiwillige in unterschiedlichen Vereinen arbeiten.

Unter Freiwilligen, die nicht in religiös orientierten Vereinen tätig sind, besucht nur ein kleiner Teil regelmäßig Gottesdienste, während unter Freiwilligen religiöser Vereine fast 90,0 % regelmäßig Gottesdienste besuchen.

Protestanten engagieren sich unter den Personen mit Konfession am häufigsten freiwillig. Dies scheint vor allem an einer besonderen Einstellung zu dem Engagement zu liegen und weniger an geringeren Zugangsbarrieren, denen Protestanten genauso ausgesetzt sind wie Mitglieder anderer christlicher Konfessionen. Sie geben häufiger an, freiwillige Arbeit als ihre Pflicht zu sehen. Konservative Protestanten wollen durch ihre freiwillige Arbeit weithin missionieren und arbeiten häufiger außerhalb ihrer Gemeinden als liberale Protestanten. Am meisten fühlen sich jedoch Mitglieder östlicher Religionsgemeinschaften verpflichtet, sich zu engagieren. Im Gegensatz zu den Protestanten empfinden sie jedoch den Zugang zu geeigneten Engagementmöglichkeiten viel schwieriger. Zudem geben sie seltener an, gefragt zu werden, ob sie mitmachen möchten. Ein Grund könnte der sozioökonomische Status der vornehmlich aus Migranten bestehenden Gruppe sein. Allerdings könnte hier auch der beschriebene Geschlechtereffekt hinsichtlich der Besuche von Gottesdiensten eine Rolle spielen (Kapitel 4.2.1, Tworuschka 2003, S. 104). Insgesamt arbeiten Migranten am häufigsten innerhalb religiöser Gemeinden freiwillig.

Katholiken und Juden sind unter den Religionsgemeinschaften jene mit dem geringsten Engagement. Katholiken engagieren sich jedoch insgesamt häufiger außerhalb ihrer religiösen Gemeinde als andere. Je konservativer religiöse Gruppen sind, desto eher sind sie nur für ihre eigene Gemeinde engagiert. Das spiegelt sich auch in den sozialen Beziehungen der Freiwilligen wider. Je konservativer oder orthodoxer die religiösen Einstellungen der Freiwilligen sind, desto eher umgeben sie sich auch insgesamt häufiger mit Gleichgesinnten.

Auch in den vorgestellten Ländervergleichen sind es die Protestanten, die häufiger freiwillig arbeiten als Konfessionslose. Die Determinante Kirchgangshäufigkeit ist jedoch deutlich mit der durchschnittlichen Häufigkeit der Gottesdienstbesuche in den Ländern verbunden. Ist die Kirchgangshäufigkeit im Landesmittel hoch, hat sie weniger individuellen Einfluss auf freiwillige Arbeit als wenn diese niedrig ist. In säkularisierten Ländern ist das freiwillige Engagement aber insgesamt auch niedriger.

Weiterhin kann vermutet werden, dass auch strukturelle Bedingungen der Organisationen einen Einfluss auf freiwilliges Engagement haben. Die Untersuchungen zu Geldspenden konnten zeigen, dass kleinere Glaubensgemeinschaften mehr Spendengelder ihrer Mitglieder erhalten und auch die Bindung ihrer Mitglieder an die Gemeinde stärker ist als in großen Religionsgemeinschaften. Das scheint jedoch auch an die Stärke der Anforderungen geknüpft zu sein, die eine Gemeinde an ihre Mitglieder stellt. Kleinere Gemeinden sind stärker von der Mitarbeit der einzelnen Mitglieder abhängig als große. Durch die mit den Ergebnissen der Studien zu freiwilliger Arbeit vergleichbaren Zusammenhänge von Religion und Religiosität auf Spenden kann davon ausgegangen werden, dass die strukturellen Determinanten wie Größe der Organisationen, Bindung an die Gemeinde und deren Anforderungen an ihre Mitglieder auf freiwillige Arbeit übertragbar sind.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >