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5.1.4 Engagementbereiche

Verschiedene Autoren berichten von 2,2 bis zu 4,7 Millionen freiwilligen Mitarbeitern in deutschen Sportvereinen (Breuer et al. 2006, S. 10; EnqueteKommission 'Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements' Deutscher Bundestag 2002a, S. 161; Winkler 1988, S. 13). Sport ist, trotz der sehr unterschiedlichen Angaben, einer der meistfrequentierten Betätigungsfelder freiwilliger Arbeit: Die drei wichtigsten Engagementbereiche sind in allen drei Wellen des Freiwilligensurveys Sport und Bewegung (10,1 %), Bildung (6,9 %) und Religion (6,9 %) (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2010; Gensicke et al. 2005). Auch in dem Engagementatlas zeigen sich die Bereiche Sport, Freizeit und Geselligkeit (35,9 %), Kinder- und Jugendarbeit (26,5 %) sowie Tätigkeiten in der Kirche und im Bereich der Religion (21,3 %) als die beliebtesten (Prognos und AMB Generali 2009). Die drei Bereiche (Sport 13,3 %, Kinder- und Jugendarbeit 8,2 %, Religion 9,0 %) bestätigen auch Klages und Gensicke (Klages und Gensicke 1998, S. 189) als meistfrequentierte Betätigungsfelder, allerdings ist in der ostdeutschen Stichprobe der kirchliche Bereich weniger stark vertreten (3,1 %). Stattdessen arbeiten mehr Ostdeutsche im kulturellen Bereich (6,6 %) (ebd.).

Dieser Befund wird teils auch in der Studie von Gaskin und Kollegen (1996,

S. 75) berichtet: Während 25,0 % der westdeutschen Freiwilligen im religiösen Bereich tätig sind, sind es nur 11,0 % der ostdeutschen Freiwilligen. Statt eines häufigeren Engagements im kulturellen Bereich verzeichnen die Autoren jedoch für den Osten ein häufigeres Engagement in dem Bereich Kindererziehung (23,0 %) als im Westen (14,0 %). Im europäischen Vergleich engagieren sich die meisten Freiwilligen ebenfalls im Sport (28,0 %), gefolgt von sozialen Diensten (17,0 %) (1996, S. 75). Für Deutschland finden Gaskin und Kollegen (1996, S.75) mit 29,0 % die meisten im Sportbereich, 26,0 % im Bereich der sozialen Dienste. In West- und Ostdeutschland finden sich diesbezüglich keine signifikanten Unterschiede.

In der Studie von Kopke und Lembcke (2005, S. 105) engagiert sich die große Mehrheit der Freiwilligen der Wohlfahrtspflege im kirchlichen Bereich (23,0 %), an zweiter Stelle stehen soziale (11,0 %) und Freizeitaktivitäten (10,0 %). Freiwillige von Selbsthilfegruppen arbeiten vor allem im Gesundheits(30,0 %) und im sozialen Bereich (20,0 %) (ebd.). Sport liegt in der Selbsthilfe erst an dritter Stelle (12,0 %) und bei den Freiwilligen der Wohlfahrtsvereine nur im Mittelfeld (8,0 %). Allerdings handelt es sich durch die Auswahl nach Organisationstypen Wohlfahrtsvereine und Selbsthilfegruppe um eine selektive Stichprobe von freiwilligen Personen. Sportvereine gehören selten Wohlfahrtsorganisationen an, sondern sind unabhängige Vereine.

Im Rahmen der Zeitbudgeterhebung wird davon berichtet, dass freiwillige Arbeit vor allem in den Bereichen Freizeit, Hobbies und Geselligkeit (13,0 %), Kirche und religiöser Bereich (12,0 %), Kultur und Musik (10,0 %) sowie Sport und Bewegung (9,0 %) geleistet wird (Gabriel et al. 2004, S. 346). Unter den österreichischen Freiwilligen arbeiten die meisten Personen im kulturellen Bereich (26,8 %), gefolgt von Sportvereinen (24,7 %) und religiösen Einrichtungen (22,3 %) ((Rameder und More-Hollerweger 2009, S. 52), eigene Berechnungen). In der Schweiz arbeiten wie in Deutschland die meisten Freiwilligen in kirchlichen Organisationen (13,0 %), kulturellen Vereinen (16,0 %) und vor allem Sportvereinen (29,0 %) ((Stadelmann-Steffen 2010, S. 149), eigene Berechnungen). Bühlmann und Freitag (2007, S. 78) sprechen sogar von 37,1 % aller formell tätigen Freiwilligen, die sich in Sportvereinen engagieren, was 9,4 % der Gesamtbevölkerung entspricht.

Die Tätigkeiten, die die Schweizer im Rahmen ihrer freiwilligen Arbeit ausüben, umfassen vor allem Organisation von Veranstaltungen (27,0 %), gefolgt von persönlichen Hilfeleistungen (20,0 %) und Verwaltungsaufgaben (15,0 %) (Stadelmann-Steffen 2010, S. 50). Organisation und Verwaltungsaufgaben (80,0 %) übernehmen auch die Befragten der Studie von Düx und Kollegen (2008, S. 65) am häufigsten. Unterteilt nach Engagementbereichen ist in Sportvereinen der größte Teil der Freiwilligen als Trainer bzw. Gruppenleiter tätig, im kulturellen Bereich sind die meisten Freiwilligen organisatorisch tätig (ebd., S. 69). Die meisten Freiwilligen in sozialen Einrichtungen der Kölner Caritas betreuen Einzelpersonen (56,0 %) oder Gruppen (39,0 %) (Süßlin 2008, S. 44). Andere Aufgaben wie Organisation (15,0 %) und Planung (16,0 %) werden sel-tener durchgeführt, und von Männern häufiger (32,0 %, 18,0 %) als von Frauen (11,0 %, 15,0 %) (ebd.). Diese Tendenz lässt sich auch im europäischen Vergleich feststellen. Während Frauen häufiger Spenden sammeln, Besuchsdienste und persönliche Hilfestellungen anbieten, arbeiten Männer häufiger in Ausschüssen und Gremien oder geben Unterricht (Gaskin et al. 1996, S. 79). Am häufigsten wird in Deutschland freiwillige Arbeit im Rahmen von Besuchsdiensten (32,0 %) geleistet, gefolgt von Unterricht und Ausbildung (28,0 %) (ebd.).

Nur wenige Studien machen Angaben zu der Klientel der freiwilligen Mitarbeiter. Gaskin und Kollegen (1996, S. 137) berichten, dass in Deutschland die Gruppe der Obdachlosen (8,0 %) am häufigsten genannt wird. Mit jeweils 7,0 % sind Personen mit Handicap und Personen mit Lernschwierigkeiten die zweitgrößten Gruppen. Anschließend folgen mit jeweils 6,0 % Drogenabhängige und Verbrechensopfer. Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien, ethnische Gruppen, Arbeitslose und Flüchtlinge werden nur selten genannt (alle 2,0 % und weniger). Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern ist die Verteilung der deutschen Klientel wesentlich heterogener (ebd.).

Im Rahmen des Freiwilligensurveys geben die meisten Freiwilligen an, dass ihre Arbeit nicht auf einen speziellen Personenkreis ausgerichtet ist (42 %[1]) (Gensicke et al. 2005, S. 391). 33 % nennen Kinder und Jugendliche als Zielgruppe des freiwilligen Engagements, 10,0 % ältere Menschen, 4 % Familien und Zuwanderer, Flüchtlinge und Migranten nennt nur 1 % der Freiwilligen als Klientel. Migranten nennen die eigene Gruppe (4 %) häufiger als Zielgruppe des Engagements sowie Familien (7 %), aber auch Kinder und Jugendliche (41 %). Aber auch unter ihnen geben 34 % an, keinen speziellen Personenkreis zu fokussieren (ebd.).

Weiterhin berichtet der Schweizer Freiwilligen-Monitor von einem sozialintegrativen Charakter der freiwilligen Arbeit. 84,3 % der Befragten geben an, Kontakt im Rahmen ihrer Tätigkeit zu Freunden und Personen zu haben, mit denen sie auch außerhalb der Organisation Kontakt pflegen (Stadelmann-Steffen 2010, S. 51). 81,2 % geben an, dass sie mit Personen in Kontakt treten, mit denen sie außerhalb der Einrichtung nichts zu tun haben, 70,0 % geben an, mit Jugendlichen Kontakt zu haben, 67,5 % mit älteren Menschen, 65,2 % mit Ausländern und 40,8 % mit Verwandten (ebd.).

  • [1] Angabe nur auf deutsche Freiwillige bezogen
 
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