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4.3.2 Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. – Diyanet işleri Türk islam Birligi (DiTiB)

1982[1] wurde DiTiB in Berlin als deutsche Vertretung des türkischen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten (DiB, Diyanet işleri Başkanlhgh) gegründet (Friedrichs und Klöckner 2009, S. 79, 2011, S. 19; Friedrichs et al. 2012, S. 227; Halm und Sauer 2007, S. 24; Kücükhüseyin 2002, S. 17; Lemmen 2000, 2001, S. 88, 2002, S. 34; Rosenow 2010, S. 175). Zunächst bestand der Verein als Dach-verband für 15 regionale Moscheevereine, um dann 1984 nach einer Mitgliederversammlung in Köln mehr als 200 weitere Vereine aufzunehmen (DiTiB 2011). Mit der Gründung der DiTiB reagierte die türkische Regierung auf die Bildung von religiösen Vereinigungen in Deutschland, von denen einige radikale Gruppen anti-kemalistische[2] Ideologien verbreiteten (Tezcan 2005). Derzeit hat DiTiB den Anspruch, der größte islamische Verein Deutschlands zu sein, sie verzeichnen 896 Mitgliedsvereine mit jeweils ca. 130 bis 150 eingetragenen Mitgliedern (DiTiB 2011; Kücükhüseyin 2002, S. 16).

Die enge Verbindung zum türkischen Staat wird von der DiTiB bestritten, doch wird der Verein zum großen Teil aus der türkischen Staatskasse finanziert (Kücükhüseyin 2002, S. 16). Die Imame der Gemeinden sind größtenteils Bedienstete des DiB und werden aus öffentlichen Mitteln des türkischen Staates bezahlt (Halm und Sauer 2007, S. 24; Kücükhüseyin 2002, S. 17; Tezcan 2005,

S. 1). Dieses Vorgehen ist durchaus zu kritisieren, da die Imame nach kurzen Sprachkursen nur einige Jahre in Deutschland arbeiten und zu bezweifeln ist, dass die deutsche Sprache in ausreichendem Maße vermittelt wurde. Aber auch andere Kenntnisse fehlen, um zur Unterstützung der muslimischen Bevölkerung im Alltag beitragen zu können (ebd.). Vor allem weil Imame nicht nur religiöse Vorbilder sind, sondern auch eine Sozialarbeiterrolle innehaben, wäre es sinnvoll, Personen zu beschäftigen, die die Lebensumstände der Gemeindemitglieder in Deutschland kennen und nachvollziehen können (ebd.). Aus diesem Grund versucht die DiTiB, Lehrstühle an Universitäten zur Ausbildung der Imame in Deutschland zu etablieren, an denen Personen der zweiten und dritten Einwanderergeneration ausgebildet werden sollen (Friedrichs und Klöckner 23.12.08).

Zu den Dienstleistungen von DiTiB gehören die Organisation von Trauerfeiern und Rückführungen von Toten in ihr Heimatland, die Organisation von Pilgerreisen nach Mekka, es werden Koran-Kurse angeboten und viele Vorträge und Informationstage mit vielfältigen sozialen Themen organisiert (DiTiB 2011; Friedrichs und Klöckner 23.12.08, 2009, S. 79, 2011, S. 19; Friedrichs et al. 2012, S. 229; Halm und Sauer 2007, S. 24; Kücükhüseyin 2002, S. 17; Lemmen 2000, S. 34, 2002, S. 35; Rosenow 2010, S. 175). Vor allem das Großprojekt der Kölner DiTiB, der Bau der Zentralmoschee, machte den Verein bekannt (DiTiB 2008).

Insgesamt lässt sich die Anzahl der freiwilligen und hauptamtlichen Mitarbeiter des Vereins nur schwer einschätzen. Auch in den Interviews des Projekts FACIT wurden keine Angaben bezüglich Mitarbeiterzahlen gemacht (Friedrichs und Klöckner 23.12.08, 2009, 2011). Verschiedene Quellen verzeichnen zwi-schen 117.000 und 150.000 Mitglieder (Kücükhüseyin 2002, S. 16; Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst (REMID) 2012; Zentralinstitut Islam Archiv Deutschland Stiftung e.V. 2006). Die Ziele, die der Verbandsvertreter im Rahmen der FACIT-Interviews nennt, sind,

die religiösen Bedürfnisse der Muslime in Deutschland, speziell [ihrer] Mitglieder zu erfüllen (…), die Begleitung [der] Mitgliedsvereine deutschlandweit. Förderung der Integration (…) [und] Partizipation“ (Friedrichs und Klöckner 23.12.08).

  • [1] Rosenow (2010) weist bereits darauf hin, dass Seufert (1999, S. 295 f.) als Gründungsdatum 1984 und statt Berlin Köln als Gründungsort nennt. Dies geht vermutlich auf die Selbstdarstellung der DiTiB auf ihrer Homepage zurück, die hier nicht die zunächst in Berlin gegründete regionale Vereinigung von 15 Moscheegemeinden berücksichtigt, sondern nur den Dachverband, der nach 1984 national mehr als 200 weitere Vereine integrierte (DiTiB 2011; Halm und Sauer 2007, S. 24). Die Autorin der vorliegenden Arbeit stützt sich auf die Angabe von Friedrichs und Klöckner (2009, 2011), Friedrichs et al. (2012), Halm und Sauer (2007), Lemmen (2000, 2002), Rosenow (2010), die alle 1982 und Berlin angeben
  • [2] Lemmen (2002, S. 34) sieht hier ein Paradoxon, da der Staat sich um religiöse Angelegenheiten kümmert, gleichzeitig sich jedoch für die kemalistische Idee der Trennung von Staat und Religion einsetzt
 
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