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3.3.8 Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST)

Im Jahre 2013 integrierte die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) 25 Landesverbände und sechs selbstständige Gemeinden mit ca. 100 lokalen Vereinen und 101.338[1] Mitgliedern (ZWST 2010, 2011a, 2014). Der Verein kümmert sich vornehmlich um die eigenen jüdischen Mitglieder, von denen drei Viertel aus Russland und der früheren Sowjetunion stammen und nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs nach Deutschland eingewandert sind (DIE WELT 2008, S. 41; Friedrichs und Klöckner 07.10.08; Kirchner 1992;

Klöckner 2013). Hatte der Verein im Jahr 1990 noch 29.089 Mitglieder, wuchs die Zahl in nur 30 Jahren um mehr als 72.000 Personen (Stat. Bundesamt 2010b,

S. 71; ZWST 2014, S. 65). Doch verzeichnet der Verband seit 2007 wieder einen Mitgliederrückgang, was nicht zuletzt an der Altersstruktur der Mitglieder liegt[2] (ebd.).

Die Arbeit der ZWST hat sich in dieser Zeit durch die Bedürfnisse der meist armen jüdischen Immigranten stark verändert und die Organisation ist mit vielen neuen Aufgaben konfrontiert (Friedrichs und Klöckner 07.10.08; Haug 2005, S. 7; Klöckner 2013, S. 202). Bis in die 1990er Jahre setzte sich die Mitgliedschaft vornehmlich aus Überlebenden und Nachfahren des Holocausts zusammen, dessen Gedenken die Vereinsarbeit zu einem großen Teil bestimmte. Die sozialen Dienstleistungen waren dagegen weniger stark ausgeprägt, als sie es heute sind (ebd.). Mit der Öffnung der Grenzen wurde die ZWST damit beauftragt, die neuen Mitglieder zu betreuen, die sich dadurch auszeichneten, dass sie die deutsche Sprache nicht beherrschten, ihre Berufsausbildungen nicht anerkannt wurden und sie dadurch häufig arbeitslos und von Transferleistungen abhängig waren (Haug 2005; Klöckner 2013). Die ZWST versucht ihre neuen Mitglieder religiös zu sozialisieren, da durch die eingeschränkte Religionsfreiheit in den kommunistischen Sowjetstaaten religiöse Werte und Traditionen weniger stark gepflegt werden konnten als in Deutschland. Daher ist ihre Hauptaufgabe heute zweigeteilt: erstens die Bekämpfung von Problemen armer Einwanderer, was verschiedenste soziale und kulturelle Dienstleistungen beinhaltet, und zweitens, religiöse Bildung anzubieten mit dem Ziel, die Identifikation mit dem jüdischen Glauben bei diesen zu stärken (Friedrichs und Klöckner 07.10.08; Klöckner 2013).

  • [1] Als Anzahl der Mitglieder wird von der ZWST die Gesamtzahl der Juden in Deutschland genannt. Weiterhin unterschieden sich die Daten des Stat. Bundesamt von denen der ZWST: Letztere entsprechen den Daten des jeweiligen Vorjahres des Stat. Bundesamtes (ZWST 2010)
  • [2] 59 % der Mitglieder sind 51 Jahre und älter (ebd.)
 
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