Desktop-Version

Start arrow Politikwissenschaft arrow Freiwillige Arbeit in gemeinnützigen Vereinen

< Zurück   INHALT   Weiter >

3.3.3 Heilsarmee

Die Heilsarmee ist eine evangelische Freikirche, die gleichzeitig als gemeinnützige Organisation tätig ist. Die Heilsarmee wurde von dem englischen Minister und Methodisten Willi-am Booth nach dem Vorbild militärischer Strukturen gegründet (Balmer 2001, S. 78; Hillmann 2007, S. 11). Zunächst etablierten Booth und seine Frau Catherine 1865 die Christian Mission (Christliche Mission) in London zur Bekämpfung von Armut und Obdachlosigkeit (Balmer 2001, S. 78, 501). 1878 benannten sie diesen Verein in Salvation Army (Heilsarmee) um (ebd.). Während des Zweiten Weltkriegs betrieb die Heilsarmee 3.000 Service-Einheiten für Streitkräfte, die zur USO, United Service Organisation, gehörten, einem Zusammenschluss verschiedener Hilfsorganisationen für die Streitkräfte der USA. Heute ist die Heilsarmee in 126 Ländern auf der ganzen Welt vertreten (Die Heilsarmee 2010b, 2013, S. 5), vor allem dort, „wo die Not am größten ist, geführt durch den Glauben an Gott und die Liebe für alle Menschen“ (The Salvation Army 2011). Als Mitglied der Diakonie hat die Heilsarmee in Deutschland zwei regionale Divisionen, 47 Korps (Gemeinden) sowie drei Vorposten. Sie unterhält 18 Sozialeinrichtungen, 11 angegliederte Angebote, 1.300 Mitglieder und etwa 3.000 Plätze in Heimen für Kinder und Obdachlose (Die Heilsarmee 2013, S. 5). Hauptamtlich arbeiten 154 Offiziere (ordinierte Geistli-che) bei der Heilsarmee, unterstützt von 1.063 ehrenamtlichen Heilssoldaten (Die Heilsarmee 2010a, 2010b). Die Sozialeinrichtungen der Heilsarmee betreibt das Sozialwerk, in dem 730 Ange-stellte arbeiten. Insgesamt stand im Jahr 2009 ein Budget von knapp 19 Millionen Euro zur Verfügung (Die Heilsarmee 2010b, S. 20). Die wichtigsten Bereiche ihrer Arbeit sind Heime für Obdachlose, wo neben der medizinischen und therapeutischen Betreuung auch die Vermittlung von Arbeitsplätzen und die Seelsorge eine große Rolle spielt. Weiterhin unterhalten Sozialarbeiter Kontakte zu Insassen in verschiedenen Gefängnissen, schreiben Briefe, versenden Pakete und besuchen die Inhaftierten (Die Heilsarmee 2010b, S. 20).

Als evangelische Freikirche steht bei der Heilsarmee der Glaube im Zentrum ihrer Arbeit und einen besonderen Auftrag sieht sie in der Wohnungslosen- und Drogenhilfe. Die Mitarbeiter kümmern sich um Personen, die ohne Unterstützung durch das soziale Netz fallen würden und durch andere Hilfsorganisationen nicht mehr betreut werden (Friedrichs und Klöckner 25.02.09, 21.04.09a). Die Besonderheit der Heilsarmee ist die organisatorische und inhaltliche Verbindung von Evangeliumsverkündung und sozialer Tätigkeit, die in ihrer Arbeit sehr deutlich sichtbar ist (Die Heilsarmee 2010b, S. 20). So ist die Heilsarmee in Deutschland gleichzeitig als Wohlfahrtseinrichtung und Kirche tätig und kämpft gegen Ausgrenzung und alle negativen und schädlichen Einflüsse den „Krieg, den das Licht für die Finsternis bedeutet“ (Friedrichs und Klöckner 25.02.09). Seine einzigartige militärische Struktur und die Doppelrolle als Mitglied der Diakonie und Freikirche wie auch die Spezialisierung auf Personen am untersten Rand der Gesellschaft macht die Heilsarmee zu einem interessanten Forschungsgegenstand. Obwohl der Verein kein unabhängiger Wohlfahrtsverband ist, wird er im Folgenden gesondert berücksichtigt und untersucht, ob er sich von den anderen Einrichtungen unterscheidet.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics