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1. Interesse und Aufmerksamkeit

Nicht alle Empfänger sind an allen Themen interessiert. Sobald das Thema für den Empfänger erkennbar wird, entscheidet er sich zuzuhören, hinzuhören oder wegzuhören. Oft hindern die fehlenden Kenntnisse den Empfänger daran, dem Interview zuzuhören, obgleich es gut aufgebaut ist. (Die Gründe hierfür: „Interessiert mich nicht“, „Ist mir zu speziell“.) Die Empfänger meinen damit, das Thema habe keinen Bezug zu ihrem Leben oder zu ihren Kenntnissen. Das Interesse der Empfänger verteilt sich vermutlich wie in Abbildung 3 dargestellt.

Abbildung 3

Der Interviewer kann nicht alle erreichen, es muss ihm darum gehen, die Zuhörer zu halten und die Hinhörer zu gewinnen. Einen 16-Jährigen wer

den Sie nicht für Rentenprobleme, eine 80-Jährige nicht für Megachips begeistern können.

Über Interesse und Aufmerksamkeit (vor allem der Hinhörer) dürften die ersten 40 Sekunden des Interviews entscheiden. Sind die Aussagen klar, anschaulich, kurz und erzeugen Betroffenheit, haben Interviewer und Befragte die Empfänger gewonnen.

2. Betroffenheit

Hiermit ist gemeint: Was hat das Thema des Interviews mit dem Leben der Empfänger zu tun, und wurde dies vom Interviewer den Empfängern auch klar gemacht?

Beispiel: Die Zuschauer/innen sollen nicht erfahren, was die Steuerreform alles umfasst, sondern an einem oder zwei Beispielen, wie sie sich für sie auswirkt. Was Herr Staatssekretär Dingenskirchen sagt, ist solange uninteressant für die Mehrheit der Zuschauer/innen, bis sie wissen, ob sie nun am Monatsende mehr oder weniger haben.

Betroffenheit wird durch Beispiele und Anschaulichkeit erzeugt. Denken Sie an den Kenntnisstand der Empfänger – nicht an Ihren.

3. Gliederung

Für die Anmoderation wurde von unseren Testpersonen dreierlei gewünscht: Mehr Basisinformation, Gliederungsmerkmale für das Interview, Nennung des Informationsziels des Interviews.

Für uns wurde erkennbar, dass die von Journalisten meist unterstellte Kenntnis aktueller Geschehnisse bei den anwesenden „Empfängern“ sehr gering ist. Deshalb verlangen sie zusätzliche Basisinformationen. Also:

„Feststellung plus Frage“ und „interpretierende Nachfrage“ verwenden.

Es wurde zudem gewünscht, die Interviews mögen sich auf wenige Punkte beschränken. Der Befragte sollte nicht zu lange antworten, keine

„Antwortteppiche“, sonst lässt die Aufmerksamkeit nach. Das allerdings hängt von der „Erzählkunst” des Befragten ab. Je anschaulicher die Antworten des Befragten, desto länger können sie sein; besonders lang dann, wenn er/sie über ein Ereignis berichtet. Demnach sind Regeln, wie sie in manchen Redaktionen bestehen, eine Antwort dürfte nicht länger als 20 Sekunden, das Interview nicht länger als 2´30'' sein, unsinnig.

Gliedern Sie das Interview („Zwischenüberschriften“): Dies kann u.a. dadurch geschehen, die Redewendung „und nun zu einem anderen Punkt“ zu verwenden.

 
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