Desktop-Version

Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Das journalistische Interview

< Zurück   INHALT   Weiter >

Körperhaltung und Körperbewegung

Körperbewegungen geben Hinweise auf Persönlichkeitsmerkmale und den inneren Zustand von Personen, z.B. den Grad der Zuneigung, den Grad der Offenheit.

Nesteln, Beschäftigung mit dem eigenen Körper, häufige Veränderungen der Sitzposition, Kauen mit den Backenknochen (Muskeln), Fingernagel-Beißen sind Zeichen für Unsicherheit, innere Spannungen, Stress.

In die Seite gestemmte Arme drücken zumeist Abneigung, Aggression oder Widerstand gegenüber dem Anderen aus. Diese Haltung wird gegenüber statushöheren Personen selten eingenommen.

Eine „geschlossene“ Körperhaltung (übergeschlagene Beine, Hände im Schoß bei vorgebeugtem Oberkörper, über der Brust gekreuzte Arme) drücken Zurückhaltung, Skepsis, eventuell geringe Offenheit (in dieser speziellen Situation!) einer Person aus.

Je stärker Aussagen nonverbal unterstützt werden („mit den Händen reden“), desto größer sind Engagement/Betroffenheit der Person.

Sprecher und Zuhörer neigen dazu, die Bewegungen ihrer Körper zu koordinieren. Manchmal bewegt sich der Zuhörer in ähnlicher Weise oder synchron zum Sprecher. Diese Nachahmung signalisiert dem Sprecher

„volle Aufmerksamkeit“. Danach kann sich der Zuhörer in Zuhörhaltung zurückziehen, nur noch gelegentlich Aufmerksamkeitssignale (wie Nicken, Aha) senden. Gegen Ende der Ausführungen zeigt der Zuhörer durch neue Bewegungen an, dass er jetzt antworten möchte.

Diese Tatsachen können Sie sich im Interview zu Nutze machen: Eine bewusste Synchronisierung, also eine bewusste Nachahmung der Bewegungen des Anderen, kann bei diesem eine positive Einstellung zu uns bzw. der Interviewsituation befördern. Setzt sich zum Beispiel jemand um, folgen Sie dieser Bewegung, schlagen Sie die Beine ebenso übereinander. Insbesondere bei Interviews zur Person können wir mit diesem Mittel erreichen, dass der Befragte unser Interesse an ihm stärker wahrnimmt und er sich noch weiter öffnet.

In einer festgefahrenen Situation können Sie dadurch, dass Sie ihre Haltung (sic!) ändern, eventuell den anderen zu einem Echo bewegen, also dazu, Ihnen zu folgen. So können Sie jemanden, der seit geraumer Zeit mit gekreuzten Armen vor der Brust (was im Prinzip auch eine Entspannungshaltung sein kann!) dasitzt, anregen, diese Blockade-Haltung aufzugeben, indem Sie ihn zunächst kopieren, dann aber die Arme wieder lösen.

Wenn wir uns körpersprachlich mit jemandem synchronisieren, um ihn besser zu verstehen bzw. um ihm zu signalisieren, dass wir ihn verstehen, dann liegt es nahe, dies auch noch mit Worten zu tun. Wenn wir registrieren, welchen Sprachcode jemand benutzt, etwa eher akustisch (er benutzt viele Wörter, die mit „hören“ zu tun haben) oder eher visuell („sehen“, blicken, schauen“) orientiert, können wir den gleichen Code benutzen, damit wir die „gleiche Sprache sprechen“.

Wenn Sie nicht möchten, dass der Befragte an Ihrer Körperhaltung bemerkt, wie angespannt Sie sind (z.B. weil Sie ihn gleich im Interview unangenehm überraschen wollen), beschäftigen Sie sich mit irgendetwas Mechanischem. Also bewegen Sie sich und überlagern so Ihre andere Körperbotschaft: im Studio mit dem komplizierten Kopfhörer oder dem unbequemen Stuhl, auswärts mit Ihrem Aufnahmegerät und dem Mikrophon.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics