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11. Nachfragen

Nicht nachzufragen, gehört zu den größten Fehlern von Interviewern. Sie lassen den Befragten mit einer unklaren oder unvollständigen Antwort

„laufen“. Gemeinhin geschieht dies, weil sie zuviel Respekt vor der befragten Person haben oder weil sie zum nächsten Punkt kommen möchten oder weil sie meinen, die Empfänger hätten das verstanden. Was aber, wenn die Empfänger es nicht verstanden haben? Wenn die befragte Person absichtlich so unklar spricht, um Sachverhalte zu verschleiern, nicht auf den Kern kommen zu müssen? Die Empfänger werden „abschalten“. Dabei hat der Interviewer genügend Zeit: Man spricht 100 bis 200 Wörter pro Minute, kann aber bis zu 400 Wörter aufnehmen. Die verbleibende Zeit reicht, um zu überlegen, ob die Antwort befriedigend für die Empfänger war.

Nachfragen sind deshalb sinnvoll, weil durch sie ein Sachverhalt klarer wird. Befragte können sowohl aus Unerfahrenheit als auch aus Vorsicht auf eine Frage zunächst eine sehr allgemeine Antwort geben. Es ist so, als reichte die befragte Person Ihnen von einem Zettel nur das vorderste Drittel. Ihre Nachfragen sollen nun dazu führen, schrittweise den Rest dieses Zettels aufzudecken oder kennen zu lernen. Grafisch dargestellt:

Frage

1. Antwort

1. Nachfrage Zweite Antwort

2. Nachfrage Dritte Antwort

Zuerst ein Beispiel für eine fehlende Nachfrage. Das Interview 12 läuft gut mit der Frage in (1), die auch eine einigermaßen klare Antwort erbringt, wiewohl sie nicht genau auf die Frage passt. Deshalb stellt der I sehr geschickt die Nachfrage „Aber noch mal…“ (2). Die Antwort hierauf ist nun sehr klar, fast eine Kampfansage. Deshalb hätte der I auf keinen Fall das Thema wechseln sollen (3), sondern erkennen müssen, dass die Aussage von Wiedeking sich gegen den Aussichtsratsvorsitzenden von VW, Ferdinand Piëch richtet, z.B. mit der Nachfrage „Also wird der Phaeton nicht weiter gebaut?“ oder schärfer „Richtet sich das gegen Herrn Piëch?“

Interview 12

Deutschlandradio Kultur Ortszeit, 29. 11. 2007

Jörg Münchenberg – Wendelin Wiedeking, Chef von Porsche

(...)

I: Stichwort noch mal Unmut, auch in der Belegschaft von Volkswagen, vielleicht haben Sie dazu auch ein bisschen beigetra gen, als Sie vor nicht allzu langer Zeit gesagt haben, es gibt keine heiligen Kühe, und das gilt dann auch für Volkswagen. Auf was muss sich denn Volkswagen einstellen, wenn Porsche denn mal die Mehrheit an Volkswagen hat? 1

B: Wir haben bei uns als klare Devise im Haus, wir stellen immer alles auf den Prüfstand. Auch wenn es dem Unternehmen Porsche heute gut geht, hinterfragen wir unsere Abläufe. Wir hinterfragen unsere Strategien, wir hinterfragen unser Geschäftsmodell. Das muss auch so sein. Wenn man dann im Vergleich zum Wettbewerb Schwächen identifiziert, muss man diese Dinge abstellen. Wenn man das nicht tut, wird man satt, gesund und irgendwann nicht mehr in der Lage, sich dem Wettbewerb zu stellen. Das ist der Hinweis. Und ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, in den ganzen Äußerungen, die jetzt in den letzten Tagen und Wochen aus dem Haus VW von der Belegschaftsvertretung kommen ist, ist das doch

…, wenn der Betriebsrat jetzt heute kommuniziert, zehn Prozent Produktivität wollen sie bringen in den nächsten Jahren, jedes Jahr. Dann kann ich nur sagen, toll, was anders wollte ich gar nicht.

I: Aber noch mal: Wenn Sie sagen, es gibt keine heiligen Kühe, heißt das auch, die Modellpalette bei Volkswagen wird überprüft,

Modell für Modell?

B: Ganz einfach: Jedes Produkt, was ein Unternehmen entwickelt, fertigt und verkauft, muss sein Geld verdienen. Es kann nicht sein, dass Sie Produkte haben, die ein anderes Produkt subventionieren. Dann hat das Produkt keine Existenzberechtigung, so einfach ist das Leben. Luxus leisten kann sich das Unternehmen nicht. Wir sind im harten Wettbewerb. Toyota nimmt keine Rücksicht darauf, ob im Hause Volkswagen oder bei Porsche gewisse Produkte ge-

11. Nachfrage 85

liebt werden, die man gerne bauen will, nur damit man selber was davon hat. Sondern geliebt wird nur das, was Geld verdient. Aus.

I: Herr Wiedeking, ganz kurz noch ein anderes Thema ….

Nun ein Beispiel dafür, wie es sein sollte, in Interview 13. Hier versucht die Interviewerin, durch ständige Nachfragen den Befragten zu präziseren Aussagen zu bringen.

Interview 13

ZDF morgenmagazin, 26. 10. 2005 Maybritt Illner –Karl-Heinz Oßenkamp,

Anmoderation: Interviewer: Einer, der die Diskussionen in Lübeck seitens der Ministerpräsidenten sicher mit großer Aufmerksamkeit verfolgen wird, den haben wir jetzt bei uns im Bonner Studio, Karl-Heinz Oßenkamp, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes. Guten Morgen.

B: Guten Morgen Frau Illner, hallo von Bonn nach Berlin.

I: Wunderschön, das war doch mal eine nette Ansage. Tagchen.

B: Gern geschehen, guten Tag.

I: Erste Frage: Die SPD und zum Beispiel auch der ÖTV Vorsitzende Herbert May plädieren dafür, Beamte nur noch auf Kernbereiche, das haben Sie sicher verfolgt, wie Polizei, Justiz und Steuerverwaltung, zu beschränken. Warum sind Sie dagegen?

B: Es wäre zunächst einmal interessant zu fragen, ob es nicht besser wäre, wenn sich gerade der ÖTV Vorsitzende besser vor die

Beamten stellen würde als dahinter. Es wird interessant und span- 3 nend sein, wie sich die Mitglieder dort verhalten. Wenn ich gerade heute in Bonn sehe, wie Tausende von Polizeibeamten bei dem Zapfenstreich eine wichtige Tätigkeit ausüben, dann kann ich nur sagen, man sollte diese Beamten loben und sich vor sie stellen und

sie nicht kritisieren. Es gibt nicht zu viele Beamte, sondern es gibt viel zu viele Aufgaben, eine viel zu große Normendichte in Deutschland.

I: Mh, es beantwortet die Frage aber jetzt nicht. Also die Polizei soll ja mit drin sein, sie zählt also mit zu den Kernbereichen. Wa-

rum haben Sie was dagegen, ich sag mal, dass beispielsweise noch einen Oberpostschaffner gibt oder einen Oberleitungsaufseher.

Brauchen wir auch die im Postund Telegraphenamt beschäftigten

Beamten wirklich? Brauchen wir sie noch?

B: Die Frage ist ganz einfach, wie staatliche Aufgaben gehandhabt

werden sollen. Wer eine Garantieleistung für die Bürgerinnen und Bürger haben will. Wer staatliche Aufgaben auf Dauer erhalten

will, der muss auch bereit sein, dafür Beamte weiter vorzuhalten. Sonst gibt es Situationen, wie wir sie ja beide beispielsweise gerade im Ausland erleben, wo der Streik weite Bereiche des öffentlichen Lebens lahm legt. Dies ist eine Situation, die wir jedenfalls unseren Bürgerinnen und Bürgern nicht zumuten wollen.

I: Gegenfrage, wie oft streiken Lehrer in Deutschland?

B: Lehrer haben, äh, bereits in Deutschland gestreikt. Gerade bei der Frage des Streiks von Lehrerinnen und Lehrer zeigt sich ja

auch die soziale Verantwortung. Wenn Lehrerinnen und Lehrer beispielsweise streiken, und das wäre dann der Fall, wenn man sie ins Angestelltenverhältnis entlassen würde. Dann gibt es sozusagen eine Bildungspolitik für Reiche, denn der damit verbundene Unterrichtsausfall könnte in privaten Schulen oder durch Nachhilfeunterricht kompensiert werden. Das können aber nur diejenigen bezahlen, die gut verdienen. Und das wäre keine Bildungsgleichheit und ich denke, deshalb ist es wichtig und richtig, soziale Verantwor-

tung zu zeigen und Lehrerinnen und Lehrer weiter im Beamtenver- hältnis zu beschäftigen.

I: Gut, also auf diesen Vorschlag Kernbereiche wollen Sie sich nicht einlassen. Nun sieht der Vorschlag von Innenminister Kanter auch ein bisschen anders aus. Er möchte diese, äh, generelle, den generellen Beamtenstatus erhalten, schlägt aber in 'nem Gesetzentwurf vor, dass es Leistungsprämien für Beamten geben soll. Dasmüssten Sie doch aber gut finden. Dann haben Sie also noch mehr äußerst motivierte Mitarbeiter.

B: Also wir sind gerne bereit, über Leistungszulagen und Leis tungsprämien Gespräche zu führen. Nach derzeitiger Sachlage soll-

ten solche Leistungszulagen aber nur an 10 Prozent der Kolleginnen und Kollegen gehen. Das würde aus unserer Sicht nichts anderes bedeuten als die Demoralisierung von 90 Prozent der im öffentlichen Dienst tätigen. Und das kann nicht der Preis sein für Leistungszulagen. Wir warten auch darauf, nach welchen Kriterien Leistungszulagen vergeben werden. Wir wollen auf keinen Fall Nasenprämien in der öffentlichen Verwaltung, deshalb sind wir durchaus bereit, mit Leistungszulagen und Leistungsprämien uns

zu befassen. Aber nicht wenn Kostenneutralität und Sparmaßnah men vorgegeben werden. (...)

Anmerkungen

1: Eine nette Replik zu der langen Begrüßung durch den B es bringt die I aber nicht – wie vermutlich von B erhofft – durcheinander. Aber sie stellt nun die erste Frage mit dem Vorlauf „Erste Frage“, um zu signalisieren, das Interview werde nun ernst.

2: Gut: die Information plus Frage.

3: Die Frage lautet „Warum?“ Der B verwendet nun einen Trick: Statt eine Begründung auf die Warum-Frage zu geben, liefert er eine Beschreibung, als hätte die Frage „Wie?“ gelautet. Damit soll die I abgelenkt werden. Dieser Trick findet sich in zahlreichen politischen Interviews. Deshalb muss die I, wie in

4: die Frage nochmals stellen auch, um für die E deutlich machen, dass der B die Frage zunächst nicht beantwortet hat, sie deshalb erneut gestellt werden muss.

5: Um eindringlicher zu sein, stellt die I die Frage in zwei fast identischen Varianten.

6: Hier kommt der zweite Trick des B: Er formuliert die Fragen um, und beantwortet – oh Wunder – diese selbst gestellte Frage. Hier muss die I sagen: Meine Frage war ...

7: Gute, knappe Frage. Aber: werden alle E verstehen, was I damit meint?

8: Die Antwort ist konfus: Ja, Lehrer haben gestreikt – Aber sie haben Verantwortung – Wenn sie Angestellte wären, würden sie streiken – Wenn sie Verantwortung haben, sollten sie Beamte sein. Was meint der B wirklich?

9: So kann man fortfahren. Besser wäre es allerdings gewesen, auf die Widersprüche in der Antwort des B einzugehen, weil auch die E vermutlich die (konfuse) Antwort nicht verstanden haben. „Sind Sie nun für oder gegen Streiks von Lehrern?“ oder „Wollen Sie damit sagen, Lehrer, die verbeamtet sind, sollten nicht streiken?“ So kommt nur ein neues Thema: Leistungsprämien.

10: Leider steht am Ende keine Frage – was in einem kontroversen Interview unklug ist, weil der/die I nicht mehr steuert.

11: Auch eine unklare Antwort. Zunächst will B Leistungsprämien, dann wird diese Aussage durch „Nasenprämien“ unklar, am Ende durch „Kostenneutralität ...“ noch unklarer.

Was auch geschehen kann, wenn man dann so vorgeht, erfuhr Barbara Friedrichs in einem Interview mit dem damaligen Außenminister Dietrich Genscher (Wahlkampf Hamburg, Mai 1982, Nachgespräch):

Genscher: „Sie haben doch gesagt, Sie wollen 1'30'' drehen. Nun sind es aber 2'30''; dann müssen Sie ja schneiden.”

Friedrichs: „Ja.”

Genscher: „Das habe ich nicht so gerne. Das kommt nur von Ihren Nachfragen.”

Nachzufragen setzt voraus, genau zuzuhören. Hierzu ein scheinbar einfaches Beispiel. Im September 1991 waren wir zu einem InterviewTrainingsseminar im Südwestfunk. Als wir in die Einganghalle des Fernsehgebäudes kamen, ging vor uns ein Redakteur mit Hellmuth Karasek, der gerade eingetroffen war, wohl zu einer Fernsehaufzeichnung. Wir hörten folgenden Dialog:

Redakteur: „Angenehme Reise gehabt?“ Karasek: „Ja, ja mit dem Zug.“

Redakteur: „Ja, ist ja auch angenehm. Wie machen Sie das eigentlich? Sie haben ja jetzt zwei Berufe.“

Karasek: „Ja, einen vormittags und einen nachmittags.“ Redakteur: „Geht's Ihnen gut?“

Karasek: „Ja, eigentlich geht's mir gut.“ Redakteur: „Ja, ich kann auch nicht klagen.“ Dann verschwanden sie im Fahrstuhl.

Ein wohl typisches Alltagsgespräch. Was uns an dem Dialog interessierte, war eine spezifische Stelle: die Antwort „eigentlich gut“. Sie wäre der Anlass gewesen, eine Nachfrage zu stellen, z.B. „Was heißt ‚eigentlich'?“ oder „Und uneigentlich?“ Was hätte wohl Karasek geantwortet?

Beispiele

Wir stellen nun mehrere Beispiele für gute und für fehlende Nachfragen vor. Im ersten Beispiel verfolgt Ulrich Wickert die Linie, angesichts der schrecklichen Meldungen von Kämpfen und ethnischen Säuberungen in Ex-Jugoslawien und einer zögerlichen Reaktion westeuropäischer Staaten den deutschen Verteidigungsminister emotional und persönlich anzusprechen (Interview 14). Dieser Wechsel von der Sachebene auf die emotionale Ebene ist ein handwerklicher Trick von Wickert, den er auch erfolgreich in dem Interview mit Breuer anwendet (Interview 27).

Interview 14

ARD tagesthemen, 9. 2. 1994

Ulrich Wickert – Volker Rühe, Verteidigungsminister

(...)

I: Herr Rühe, was empfinden Sie persönlich nach solch einem Schlag?

B: Ich hab schon in den letzten Tagen, vor allem als ich die toten Kinder gesehen habe, wenn man Kinder im selben Alter hatte, das als grauenvoll empfunden, aber die Massaker werden immer schlimmer, und ich glaube wir verlieren alle unsere Glaubwürdigkeit, wenn wir nicht jetzt endlich doch zu neuen Maßnahmen greifen.

I: Was möchten Sie persönlich als Verteidigungsminister jetzt machen?

B: Die UNO muss zweifelsfrei feststellen, von wem dieses Massaker angerichtet worden ist, und dann meine ich, muss der Sicherheitsrat und der Generalsekretär sich mit Maßnahmen auseinander-

setzen, um diese grauenvollen Massaker zu beenden. Wir können nicht eigenmächtig handeln, die NATO hat ja im letzten Sommer ihre Bereitschaft erklärt im Auftrage der UNO zu handeln, aber es ist wirklich so, wenn das sich die Völkergemeinschaft gefallen lässt, dass mitten in der zivilisierten Welt, mitten in Europa solche Massaker angerichtet werden, ohne das wir handeln, verlieren wir alle unsere Glaubwürdigkeit.

I: Nun hören wir immer die UNO, die UNO, die UNO, was würden Sie als deutscher Verteidigungsminister jetzt gern tun?

B: Ja, ich würde nicht so reagieren wie Sie, denn die UNO hat als Einzige die Legitimation, grünes Licht zu geben, auch für militärische Aktionen.

I: Die UNO ist nicht ein anonymes Instrument, sondern die UNO besteht auch aus Deutschland, und Deutschland könnte ja mal einen politischen Druck ausüben.

B: Eigentlich ist der Sicherheitsrat gefordert, in dem wir nicht sind, und der UN-Generalsekretär, aber ich bin einverstanden, die deutsche Politik sollte gegenüber den Vereinten Nationen deutlich machen, dass man nach solchen Massakern nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann, sondern jetzt zu neuen Maßnahmen kommen muss.

I: Was sind die neuen Maßnahmen? (...)

Anmerkungen

1: Gute Idee, nach den vielen Meldungen und Interviews in Ex-Jugoslawien „Was empfinden Sie persönlich?” zu fragen.

2: Prompt reagiert der Minister mit einer persönlichen Äußerung.

3: Das nimmt der Interviewer auf und fragt erneut: „persönlich?”, trennt also Amt und Person.

4: Der Befragte kann sich hierauf nicht einlassen und antwortet in der Amtsrolle.

5: Der Interviewer versucht es nochmals, sagt aber leider nicht erneut „Sie persönlich”, sondern „Sie als deutscher Verteidigungsminister”, womit er die Amtsrolle anspricht, und auf dieser Ebene antwortet der Befragte. Damit ist leider die eingangs vom Interviewer gewonnene Möglichkeit vertan, Person und Amt zu trennen. Diese Trennung hätte – und darauf wollte der Interviewer vermutlich hinaus – es ihm erlaubt, am Ende zu fragen, warum der Befragte als Minister nicht so handeln kann wie er persönlich denkt.

Im nächsten Beispiel (Interview 15) geht es um fehlende Nachfragen – dem wohl häufiger anzutreffenden Fall. Der Interviewer lässt den Befragten antworten, und obgleich die Antworten kaum nachvollziehbar sind, unterbricht er ihn nicht (weil man Ministerpräsidenten nicht unterbricht?). Leider fragt der Interviewer aber auch bei keiner Antwort nach, weder lässt er den Befragten einzelne Begriffe erläutern, noch fordert er ihn auf, seine Thesen zu präzisieren. Das Ergebnis ist ein Interview, das vielleicht ein Prozent der Empfänger verstünden, wenn sie nicht ohnehin schon längst zu einem anderen Programm gezappt sind. Es ist eine Veranstaltung des Typs

„Wir haben ihn in der Sendung gehabt!“ – mithin von einem nur Senderinternen Sinn. Es ist zudem reiner Verlautbarungsjournalismus (Kap. 14).

Interview 15

ZDF heute journal, 11. 9. 2013

Claus Kleber – Ralf Jäger, Innenminister NRW

I: Deshalb erklären einige Bundesländer jetzt schon, dass sie bereit sind, mehr aufzunehmen. Nordrhein-Westfalen ist eines dieser Länder. Dort ist Ralf Jäger der zuständige Innenminister. Guten Abend!

B: Guten Abend, Herr Kleber!

1

I: 5.000 das kann ja nur der Anfang sein oder?

B: Das wird die Zukunft zeigen. Dieser Prozess ist ja dynamisch. Ich glaube, dass wir was Deutschland insbesondere aber auch Europa unseren Beitrag leisten müssen. Da sind ja unvorstellbare Zustände in Syrien selbst, aber auch in den Nachbarländern, die Millionen Flüchtlinge aufgenommen haben. Und ich glaube, es ist auch ein Akt der Humanität im Rahmen dessen was wir leisten können Flüchtlinge hier aufzunehmen und dabei darf die

5.000 keine Grenze sein.

11. Nachfrage 91

I (gleichzeitig): Das ist ein wichtiger Punkt.

I: Das ist ein wichtiger Punkt. Im Rahmen dessen was wir leisten können, da sind 5.000 sicher nicht das Ende der Möglichkeiten 2 des reichen Deutschland oder?

B: Vermutlich nicht. Wir nehmen ja in Nordrhein-Westfalen über das Kontingent was uns zugewiesen wird haben wir uns bereit erklärt nochmal 1.000 Flüchtlinge zusätzlich aufzunehmen, um die Familien zusammenzuführen, die durch diesen Bürgerkrieg auseinander gerissen worden sind. Aber egal wo man die Grenze zieht, es wird nie reichen was Deutschland leisten kann, um dieser humanitären Katastrophe zu begegnen. Da hab… ich ich glaube, dass Deutschland ein Vorbild sein muss dafür, dass wir diesen Menschen helfen.

I: Es gibt ein anderes Vorbild. Das ist Schweden. Schweden verzichtet auf jede Obergrenze und sagt, wer es zu uns schafft,

ist willkommen und kann auf Dauer bleiben. Ist das ein Modell 3 für Deutschland?

B: Ich glaube es ist so nicht übertragbar. Aber es sind nochmal Menschen, die eine Existenz verlassen. Die in der Regel gut ausgebildet sind und sie flüchten vor Krieg, vor Tod, vor vor vor Verfolgung. Und viele in Deutschland haben in ihren Familien eine ähnliche Biographie. Dazu zählen auch meine Vorfahren und ich glaube, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung diesen Menschen zu helfen, die vor Krieg zu schützen, in Deutschland groß ist.

I: Nun sind, haben wir gerade gesehen, 170.000 Menschen im Libanon und von dort wurden jetzt irgendwie die ersten 107 ausgesucht. Nach welchen Kriterien wird das eigentlich gemacht? Wer muss zurück bleiben, wer darf hier her? 4

B: Ja also ist ein schwieriger Auswahlprozess, den das UNHCR vornimmt. Auf Bitten...

I (gleichzeitig): Das ist das UN Flüchtlingshilfswerk.

B: In der Tat. Auf Bitten des Bundesinnenministers, der die heute auch empfangen hat. Ich würde mich freuen, wenn er sie nicht nur empfangen würde, sondern auch sich an den Kosten beteiligen würde. Die zahlen nämlich zurzeit alleine die Kommunen und die Länder. Aber wir müssen insgesamt mit der Bundesregierung gemeinsam nach Lösungen suchen, wie wir den Flüchtlingen eine Willkommenskultur bieten und ihnen sagen, ihr seid hier sicher vor Tod und Verfolgung.

I: Lassen Sie sich nicht treiben von der Berichterstattung? Sie machen da einen Unterschied zwischen denen aus Syrien und zum Beispiel Menschen aus Nordafrika. Jeden Tag sterben Menschen im Mittelmeer, ertrinken, die verzweifelt versuchen nach 5 Europa zu kommen und da kommt dann kein deutscher Innenminister und heißt sie willkommen, sondern da macht die Fronttax,

die Grenztruppe der Europäischen Union die Grenzen dicht. Wie erklären Sie diese Unterschiedlichbehandlung? Gibt es da Menschen zweiter Klasse?

B: Nein, ich hoffe nicht. Aber man… wir verfolgen doch alle die Medienberichtserstattung aus Syrien mit großer Betroffenheit und ich finde, allein schon aus den Gründen, dass diese Region, wenn sie noch sich weiter destabilisiert wir in Europa auch damit Probleme bekommen, wenn in dieser Region wirklich das Chaos herrscht und wir müssen v … mit allen Mitteln versuchen, dass es da zu einem Dominoeffekt kommt. Das diese Unruhen auf die Nachbarländer alleine schon deshalb ausstrahlen, weil die Flüchtlingssituation so dort so dramatisch ist. Also ich glaube nicht es geht um Menschen zweiter Klasse, sondern es geht um das Hier und das Jetzt. Und diesen Menschen, die jetzt vor dem Krieg fliehen dort hier eine Aufnahme zu ermöglichen.

I: Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen. Dankeschön, 6 Herr Jäger.

B: Ich hab zu danken.

Anmerkungen

1: Ein politisches Statement zu Beginn, durch ein angehängtes „oder“ formal als Frage getarnt. Kann man mal machen, aber nicht fortgesetzt, dann wird es zu einem verschleierten Kommentar.

2: Wir sind noch keinen Schritt weiter. Hier wäre eine interpretierende Nachfrage oder noch besser eine Festlegung angebracht, etwa „Ich habe Sie also richtig verstanden: Sie wollen deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen?“ Oder, offen:„Wo sehen Sie denn die Grenze?“

3: Die Strategie des I, den Politiker mit geschlossenen Fragen an die kurze Leine zu nehmen, funktioniert nicht. Deshalb, zur Abwechslung, mal eine offene Frage: Warum machen wir das nicht so wie die Schweden?

4: Statt einen neuen Aspekt einzuführen, wäre es noch interessanter zu erfahren, warum die schwedischen Verhältnisse nicht übertragbar sind. Hinter fast jeder ersten Antwort wartet noch eine zweite – die wollen wir bitte hören. Und im Übrigen sollte der I allmählich die Strategie des B erkennen, immer zunächst eine Scheinantwort zu geben (Das wird die Zukunft zeigen; Vermutlich nicht; Ich glaube, es ist so nicht übertragbar.).

5: Schon wieder ein neuer Aspekt! Was ist mit den Auswahlkriterien? Dem B ist es endlich gelungen, seine Botschaft abzusetzen (Der Bund muss sich stärker an den Kosten beteiligen!) Dieser Punkt hätte eben viel besser gepasst und hätte dann aber auch quantifiziert werden müssen.

6: So viele Nachfragen bieten sich an, aber es waren zu viele Themen.

Lange Antworten lassen sich nicht mehr in einer interpretierende Nachfrage zusammenfassen – und das weiß auch der Befragte, hier: der Politiker. Außerdem belegt er viel Zeit des Interviews, kann sich darstellen und der Interviewer kann nicht nachfragen. Das ist sein Ziel. Ob Befragte damit bei den Empfängern sehr wahrscheinlich die entgegengesetzte Wirkung erreichen, nämlich abgelehnt zu werden, scheint die Befragten nicht zu interessieren. Was aber kann der Interviewer in solchen Fällen tun?

Dazu drei Ratschläge:

• unterbrechen, damit es erst gar nicht zu einer langen Antwort kommt,

• zurück zur Frage; die Frage wiederholen,

• reagieren wie Gabi Bauer im folgenden Interview: „Das habe ich nicht verstanden. Meine Frage war ... „ oder „Könnten Sie das noch einmal einfacher sagen?“

Ein Gegenbeispiel ist das nächste Interview (16). Hier gelingt es der Interviewerin, die unklaren und ausweichenden Antworten durch Nachfragen zu präzisieren. Weil der Befragte nicht sagen will, wer den Einsatz in OstTimor finanziert, verschleiert er dies mit dem Argument, die Sache sei zu kompliziert und schlägt damit indirekt der Interviewerin vor, nicht weiter zu fragen. Jedoch fragt die Interviewerin nach und scheut sich nicht, zu sagen, sie habe es (noch immer) nicht verstanden. Dann erhält sie am Ende doch eine Antwort. Es ist selten, dass Journalisten zugeben, etwas nicht verstanden zu haben, aber in Fällen wies diesem ist es die einzig angemessene Reaktion, denn sie repräsentieren die Empfänger – die haben es auch nicht verstanden.

Interview 16

ARD tagesthemen, 6. 10. 1999

Gabi Bauer – Rudolf Scharping, SPD, Verteidigungsminister

B: Guten Abend, Frau Bauer.

I: Wollten Sie diesen Einsatz in Ost-Timor eigentlich?

B: Ich halte ihn für vernünftig, weil wir die Vereinten Nationen stärken wollen, weil wir mit unsern europäischen Nachbarn zusammenarbeiten wollen, weil wir selbst Interessen in dieser Region haben und weil der Einsatz strikt humanitär ist. Dass wir Soldaten dafür einsetzen müssen, hängt damit zusammen, dass zivile Organisationen diese Leistung leider nicht erbringen können.

I: Der Vorschlag kam ja auch nicht von Ihnen, sondern vom Außenminister, und in der Bundeswehr hört man immer eher, wir pfeifen sowieso aus dem letzten Loch, wissen gar nicht, wo wir Leute herkriegen sollen.

B: Wir können das bewältigen, äh, und ich will hinzufügen, äh, die Zahlen, die Sie genannt haben, 30 Millionen, sind reine Spekulation, das hängt nämlich von der Dauer des Einsatzes ab, und die Tatsache, dass wir das aus einem humanitären Titel finanzieren, nicht zu Lasten des Einzelplanes 14, das sollten mindestens die Angehörigen der Bundeswehr, vielleicht aber auch Ihre Zuschauerinnen und Zuschauer wissen.

I: Das hab' ich noch nicht ganz verstanden, ist es also nicht der Etat des Bundesverteidigungsministeriums?

B: Äh, wir verwenden einen Titel aus haushaltsrechtlichen Gründen, und der Beschluss der Bundesregierung sieht ausdrücklich vor, wenn dieser Titel ausgeschöpft ist, und das ist er, dann, äh, werden diese Mittel dem Einzelplan 14 zugeführt, das heißt, die Bundeswehr leidet weder finanziell noch in anderer Hinsicht unter diesem Einsatz, allerdings, sie vollbringt wie in anderen Zusammenhängen auch eine humanitäre Leistung, das halte ich ausdrücklich für vertretbar.

I: Muss ich noch mal nachfragen, das hab' ich immer noch nicht begriffen. Ähm, der, äh, das Geld wurde…

B: Haushaltsrecht ist auch leider sehr schwierig…

I: Nee, Sie müssen's vielleicht auch mal für Leute sagen, die, die sich, die nich' in Ihrem Ministerium sich so gut auskennen, also dieses Geld muss aber doch erst mal aus dem Verteidigungsetat 3 bezahlt werden.

B: Schauen Sie, wir haben im Zusammenhang mit dem Balkan, äh, einen, äh, Titel im Einzelplan 14, der finanziert humanitäre Einsätze der Streitkräfte,…

I: Gut, also Sie rechnen es…

B: und der Beschluss der Regierung sagt ausdrücklich, wenn dieser Titel erschöpft ist, dann werden die notwendigen Mittel dem Einzelplan 14 zugeführt, das heißt, es geht nicht auf dem Rücken der Bundeswehr.

I: Also erstmal von Ihnen bezahlt, aber es könnte sein, dass es dann ausgeglichen wird hinterher, richtig verstanden?

B: Es wird ausgeglichen, ja.

I: Ähm, trotzdem, äh, mal ganz persönlich gefragt, empfinden Sie denn die Entscheidung, dass Sie den Einsatz jetzt erst mal

bezahlen müssen, empfinden sie das als 'en Schuss vorn Bug?

B: Nein, im Gegenteil, wir ham uns um eine gemeinsame Lösung in der Regierung bemüht und haben sie auch gefunden. (…)

Anmerkungen

1: Gute Nachfrage, denn der Befragte hat eine ausweichende Antwort gegeben.

2: Noch immer ist die Antwort nicht klar: Aus welchem Etat kommt das Geld? Die Interviewerin sagt zu Recht, sie habe es nicht begriffen, und nicht: die Empfänger hätten es nicht begriffen.

3: Nun geht sie auf die Empfänger, was aber sinnvoll ist, denn der Befragte kann sich nicht mit den schwierigen Problemen des Haushaltsrechts herausreden, weil erkennbar ist, dass die Antworten absichtlich unklar sind.

4: Gute interpretierende Nachfrage.

5: Auch ein Versuch, den Befragten durch eine eher emotionale Frage aus der Reserve zu locken. Immerhin muss er sich nun festlegen.

Und noch ein gutes Beispiel für eine geschickte Kombination aus offenen und geschlossenen Fragen, zweimal in Form der interpretierenden Nachfrage.

Interview 17

ARD morgenmagazin, 12. 2. 2014

Christiane Meier Elvira Dobrinski-Weiß, SPD

Moderator: Das ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung und ein Affront gegen alle Verbraucher in Deutschland, die Gentechnik auf Äckern und Tellern ablehnen. So der Chef vom BUND dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Der umstrittene Genmais 1507 wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Europa nun doch zugelassen. Und Deutschland hätte das verhindern können. Doch weil sich die große Koalition sich in diesem Fall nicht einig war, tat sie es nicht. Bei der Abstimmung in Brüssel sprachen sich zwar viele Minister gegen den Genmais aus, aber es kam nicht die nötige Mehrheit zustande, weil sich auch Deutschland enthielt. Damit lieg die Entscheidung nun bei der EU-Kommission und viele erwarten, dass die für eine Zulassung stimmt. Bundeslandwirtschaftsminister Friedrich versprach nun ein nationales Genmaisverbot. Doch dafür so Kritiker gebe es auf EU Ebene überhaupt gar keine rechtliche Grundlage. Das ist schon paradox. Die SPD, die CSU, weite Teile in der CDU sind gegen Genmais und Gentechnik und trotzdem enthält sich die Bundesregierung bei der Abstimmung. Auch die SPD muss sich fragen lassen, warum sie sich nicht stärker für ein Nein eingesetzt hat. Können wir ja gerne machen, Christiane Meier in Berlin. Schönen Guten Morgen.

I: Genau das tun wir. Die SPD regiert mit hört man immer wieder jedenfalls. Und jetzt wollen wir mal hören warum es so aus-

gegangen ist. Frau Dobrinski-Weiß. Guten Morgen. Sie sind die 1 verbaucherpolitische Sprecherin und Sie haben Ihre eigene Meinung dazu, aber vielleicht können Sie uns erklären, wie es dazu kam, dass die Bundesregierung sich enthalten hat.

B: Naja, sie hat sich deshalb enthalten, weil wir innerhalb der Bundesregierung keine einheitliche Meinung gefunden haben. Das heißt die beteiligten Ministerien waren wie jetzt das Umweltministerium, das Wirtschaftsministerium, das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft waren gegen eine Zulassung. Während das Bundesforschungsministerium und das Gesundheitsministerium dagegen waren. Das heißt es gab keine einheitliche Position, also so heißt es dann muss die Bundesregierung sich dann enthalten auf der Brüsseler Ebene.

11. Nachfrage 97

I: So, das ist die schöne Theorie. In Wahrheit hat dann die Partei

der Grünen einen Antrag gestellt, indem sie genau das verhin- 2 dern wollte und die SPD hat diesem Antrag nicht zugestimmt. Da hätten Sie ja eine Möglichkeit gehabt die Bundesregierung nochmal zu beeinflussen. Warum?

B: Das hätten wir habt. Natürlich inhaltlich steh ich auch persönlich dazu. Jetzt gibt's natürlich, dass wir ja seit Ende vergangenen Jahres ne große Koalition sind und dann geht's natürlich auch darum auch zu gucken. Ich muss auch die Position des Koalitionspartners ein Stück weit berücksichtigen und das ist es jetzt ebene dieser Spagat zu dem wir gezwungen sind. Es gibt natürlich dann Möglichkeit dennoch ne andere Position dazu zu äußern.

I: Der Koalitionsvertrag, wenn ich das sagen darf, sagt ganz explizit, wir erkennen die Vorbehalte des großen Teils der Be-völkerung gegenüber grüner Gentechnik an. Und setzen uns anschließend darüber hinweg?

B: Ja, genauso sieht es aus und das ist ja auch das Problematische dran. Und das heißt also, auch wir nehmen tatsächlich auch die Bedenken der Bevölkerung nicht ernst, was wir aber eigentlich tun müssten und sollten. Und das führt fff… fördert natürlich auch ein Stück weit wieder sag ich mal die Politikverdrossenheit. Was nützt es wenn ich mich dagegen ausspreche, aber ich sehe meine Vertreterinnen und Vertreter argumentieren nicht so. Das finde ich sehr schwierig ja.

I: Wer will denn den Genmais?

B: Gut die Bevölkerung will es überwiegend nicht. Ich sag jetzt mal die sehr deutlich die Kanzlerin will den Genmais, die beiden anderen beteiligten Ministerien Frau Wanka und Herrn Gröhe wollen den Genmais und natürlich wollen den Genmais auch die Hersteller dieser verschiedenen GVO veränderten Maissorten und das sind ja nicht einflusslose Unternehmen. Internationale Konzerne.

I: Das heißt die Politik beugt sich den Multis. Genauso?

B: Ah es ist jetzt sehr hart formuliert, aber im ersten Impuls würd ich sagen ja.

I: Die Eingriffe in die Ökologie, in die Landschaft, in unsere Nahrung können ja erheblich sein. Kann sich Deutschland dem überhaupt noch entziehen?

B: Ich glaube schon, dass Deutschland das kann. Nur müssten wir uns dafür konsequent einsetzen. Und ich hab auch nicht den Eindruck doch auch das auch etwa auf der Brüsseler Ebene beispielweise dann auch wenn solche Entscheidungen anstehen die Bundesregierung hier versucht auch andere Länder Mitgliedsstaaten, die da noch unentschlossen sind, mit auf die Seite zu ziehen. Frankreich beispielsweise hatte ne ganz andere Position bezogen und versucht dann auch die anderen Mitgliedstaaten auf seine Seite zu bringen, um dann eben die entsprechenden Stimmen mehr rein zu bekommen. Und Deutschland tut das leider nicht.

I: Dann hat der BUND doch Recht, wenn er sagt die Regierung hat auf ganzer Linie versagt?

B: Natürlich.

I: Dankeschön, Frau Dobrinski-Weiß. Ja lieber Sven, Kanzlermais, das ist das was wir jetzt demnächst haben. (lacht) Und mal sehen, ob er uns dann bekommt.

Anmerkungen

1: Diese Information hatte die Anmoderation ja schon geleistet, dazu benötige ich die Befragte nicht.

2: Das ist die richtige erste Frage, und auch mit dem nachgestellten, weil enormen Druck erzeugenden „Warum?“ gut gestellt.

3: Diesen Widerspruch aufzudecken ist genau richtig, wirkt als guter Stachel! 4: Gute interpretierende Zusammenfassung!

5: Wieder eine präzise Interpretation(mit Hilfe eines Kronzeugen) in Form einer geschlossenen Frage. Führt zu einer pointierten Antwort, wie wir sie uns ja immer erhoffen.

Das nächste Beispiel in diesem Kapitel (Interview 18) zeigt, in welche Schwierigkeiten Journalisten geraten, wenn sie in einem Interview mehrere Themen behandeln wollen – oder im Auftrag der Redaktion behandeln sollen. Hier sind es vier Themen und unklare Antworten des Befragten, wie in Interview 15. Das führt bei der verfügbaren Zeit absehbar zu fehlenden

11. Nachfrage 99

Nachfragen – mithin einem unbefriedigenden Interview. Es wäre also sinnvoller gewesen, sich auf das zweite Thema zu beschränken – nicht zuletzt deshalb, weil es bundesweit wichtiger ist.

Interview 18

ZDF heute journal, 7. 10. 2002 Marietta Slomka – Franz Müntefering

I: Und zugeschaltet aus Berlin der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Franz Müntefering. Guten Abend, Herr Müntefering.

B: Guten Abend, grüß' Sie.

I: Grüß' Sie, Sie waren auch lange in NRW, sie kommen aus dem Land, sie waren dort Landesvorsitzender, das Land muss

Ihnen also am Herzen liegen. Machen Sie sich da heute nicht große Sorgen?

B: Nein, Sie meinen wegen Wolfgang Clement? I: Ich meine, weil in Dort…

B: Wir freuen uns, dass der Ministerpräsident aus NordrheinWestfalen nach Berlin kommt, ich freue mich, dass Wolfgang Clement der Bitte von Gerhard Schröder gefolgt ist und äh, ein großes, ganz wichtiges Ministerium übernimmt. Beschäftigung, Arbeit, das ist das Hauptanliegen dieser Koalition und äh, es ist gut, dass er diese Aufgabe übernimmt.

I: Dass Sie sich in Berlin darüber freuen, ist die eine Sache, aber haben Sie denn Verständnis dafür, dass die Genossen an Rhein und Ruhr jetzt erst mal geschockt sind.

B: Das glaub' ich gar nicht, äh, es wird ganz sicher so sein, dass dort, äh, sehr schnell die nötigen Entscheidungen für die Nach-

folge getroffen werden, und ich bin sicher, da gibt es Freundinnen und Freunde, die dieser Aufgabe gerecht werden können, und im übrigen wird das eine enge Zusammenarbeit sein zwischen, äh, dem, was die Bundespolitik zu leisten hat und dem, was auf der Landesebene zu tun ist im Sinne von Wachstum und Beschäftigung.

I: Sie sagten gerade, da gibt es Freunde oder Freundinnen, die dieser Aufgabe gewachsen sind, denken Sie da an jemand bestimmten?

B: Ja klar, aber, ähm, das entscheiden die Gliederungen der Partei in Düsseldorf, in Nordrhein-Westfalen morgen, am Dienstag wird's die ersten Zusammenkünfte geben vom Landesvorstand und von der Fraktion, und das, äh, liegt dort in den Händen der da Verantwortlichen, die nötigen Entscheidungen vorzubereiten.

(...)

I: Dann schauen wir doch mal auf die Zukunft der Bundespolitik. Warum soll denn da jetzt ein Clement mehr bewirken als die zwei Minister Riester und Müller?

B: Der Bundeskanzler, und ich unterstütze es ausdrücklich, ist,

äh, der Auffassung, dass die Konzentration auf äh diese beiden Arbeitsbereiche, Wirtschaft und Arbeit, zum Ausdruck bringt

und auch zum Ausdruck bringen muss, dass das das Hauptanliegen dieser Koalition ist, und ich glaube, die Fokussierung, äh, unserer Politik auf diesen Bereich wird und helfen in der Ansprache der Wirtschaft und bei dem, was wir in der Umsetzung von Hartz in den nächsten Monaten zu leisten haben. Die bisherigen Mister, Minister haben da gute Arbeit geleistet, ganz ohne Zweifel, aber das ist die Chance einer neuen Legislatur, an der Stelle neu anzusetzen und, äh, neue Impulse zu geben.

I: Das Arbeitsministerium war ja traditionell Ansprechpartner für

die Gewerkschaften, heißt das, dass deren Einfluss da jetzt einstückweit zurückgeschoben wird?

B: Nein, wenn Sie gleichzeitig auch den Wirtschaftsminister vor sich haben, ist das ja nur gut, denn, äh, das hängt da nun mal ganz eng zusammen, wir brauchen Wachstum, wir brauchen Impulse in der äh, Wirtschaft, und äh, das hängt auch eng dann mit der Frage der Arbeitsplätze zusammen. Ich seh' da, äh, keine Probleme drin.

I: Was wird denn nun eigentlich aus Walter Riester, der soll ja dem Kabinett jetzt nicht mehr angehören, aber noch letzten Mo-

nat hatte Gerhard Schröder ihm eine zweite Spielzeit fest versprochen?

B: Da hat es heute ein Gespräch gegeben zwischen Gerhard Schröder und Walter Riester und äh, ich geh', glaube ich, nicht zu weit, wenn ich sage, dass der Kanzler mit äh, großem Respekt über Walter Riester gesprochen hat und dass Walter Riester in der Partei und äh, im Deutschen Bundestag sicher eine wichtige Rolle auch in Zukunft spielen wird, ein Mann mit großer Erfahrung und vor allen Dingen mit einer großen Loyalität zu dem gemeinsamen Ziel, Erfolg zu haben.

11. Nachfrage 101

I: Franz Müntefering, vielen Dank nach Berlin. B: Ja bitte schön.

Anmerkungen

1: Absichtsvoll grüßt Müntefering die Interviewerin, um sie zu einer nicht geplanten Reaktion zu zwingen, um ihre Konzentration zu schmälern. (Ebenso wie in Interview 13.) Da dies nicht so gut funktioniert, legt der Befragte mit einer nicht ernst gemeinten Gegenfrage nach, auf die die Interviewerin tatsächlich inhaltlich eingehen will, aber der Befragte wartet nicht wirklich ab, sondern redet drauflos. Er hat sich offensichtlich vorgenommen, egal was er gefragt wird, die Begriffe

„Beschäftigung und Arbeit“ mit Clement zu verknüpfen. Besser wäre übrigens eine offene Frage gewesen, etwa: „Wie groß sind Ihre Sorgen...?“ oder: „Sie machen sich doch bestimmt Gedanken um NRW! Wie groß sind Ihre Sorgen?“

2: Wieder eine geschlossene Frage! Besser wäre es gewesen, dem fröhlichen Befragten dann das Zitat eines „geschockten Genossen“ entgegen zu halten (Recherche!) und dann eine Frage anzuschließen. So hat der Vorsitzende leichtes Spiel. Er entzieht ihr die Geschäftsgrundlage („glaub ich gar nicht“), schindet Zeit mit formelhaften Äußerungen, um dann eine Verknüpfung zu „Wachstum und Beschäftigung“ hinzubekommen.

3: Richtigerweise nimmt die Interviewerin die „Freunde“ auf, fragt aber leider nicht nach seinem Favoriten, sondern wieder geschlossen und viel zu defensiv nach „jemand bestimmten“. Die Zermürbungstaktik des Befragten trägt erste Früchte (aus seiner Sicht, jedoch bestimmt nicht aus Sicht der Zuschauer).

4: Gute Frage, aber leider lässt sich die Interviewerin wieder müde reden – dieses Mal mit dem Begriffspaar „Wirtschaft und Arbeit“.

5: Statt danach zu fragen, was denn die „neuen Impulse“ sein könnten, stellt sie ihre vorbereitete Frage nach den „Gewerkschaften“, auch hier wieder geschlossen. Dabei wäre es sicher interessant gewesen zu erfahren, warum ausgerechnet Clement, der ja in NRW nun keine besonders erfolgreiche Wirtschaftpolitik betrieben hat, plötzlich in Berlin mit welchen Ideen erfolgreicher sein sollte.

6: Und noch ein Thema: Walter Riester. Und der Befragte darf auch hier – nach einer kleinen Pause, in der er nach dem passenden Antwort-Baustein sucht –, ungehindert schwadronieren.

Fazit: Auch in diesem Interview werden zu viele Aspekte angesprochen (eine Passage zu Jürgen Rüttgers, CDU, haben wir hier noch weggelassen) – als ob die Interviewerin fürchtete, ihr würden keine Nachfragen einfallen. Wir können ja viele Punkte vorbereiten, um etwas zu haben, falls dieser unwahrscheinliche Fall eintreten sollte. Aber die Furcht darf uns nicht am Zuhören hindern.

Das Muster, auf Fragen zu gegenwärtigen Problemen damit zu antworten, was in Zukunft passieren wird, hat Müntefering in zahlreichen Interviews

erfolgreich angewendet, ohne dass den Journalisten diese Form, auszuweichen, aufgefallen wäre. Am 13.11.2007 tritt er von allen Ämtern zurück, kehrt aber im Spätsommer 2008, u.a. mit einer kämpferischen Rede in München am 3.9.2008, auf die politische Bühne zurück. Er hat sich verändert und auch sein Stil, Interviews zu geben, ist ein anderer: direkter und klarer. Das belegt der kurze Ausschnitt aus einem Interview am 3. 11. 2008 im „heute journal“, wiederum mit Marietta Slomka.

Anmoderation: Von dort war Ypsilanti [SPD-Kandidatin für den Posten des Ministerpräsidenten von Hessen] auf die Risiken ihres Kurses ja mehr als einmal hingewiesen worden. Als sie im ersten Anlauf gescheitert war, warnte zum Beispiel der ehemalige SPD-Chef Beck ausdrücklich, bitte doch nicht zweimal mit dem Kopf durch die gleiche Wand zu wollen. Ypsilanti sagte dazu, sie sehe in Hessen weder eine Wand, noch eine Mauer, sondern ein breites Feld, das es zu beackern gelte. Doch der Acker war ein Sumpf, in dem nicht nur Frau Ypsilanti, sondern die gesamte hessische SPD für lange Zeit versinken könnte. Darüber kann sich auch in Berlin keiner freuen. Trotzdem, dass Müntefering und Steinmeier wahnsinnig traurig darüber sind, dass das hessische Linksabenteuer begraben ist, das glaubt auch kein Mensch. Und darüber will ich mit dem SPD Parteichef auch noch direkt sprechen. Guten Abend Herr Müntefering.

B: Guten Abend Frau Slomka.

I: Herr Müntefering, das Spiel über die linke Seite bringt der deutschen Sozialdemokratie nicht wirklich Glück, nicht wahr?

B: Kann man so sagen, ja. Wir waren heute Morgen im Präsidium betroffen und auch empört. Betroffen über die Situation der hessischen Sozialdemokratie, ein stolzer Landesverband der SPD. Und ja empört über die Art und Weise, wie das jetzt heute zustande gekommen ist.

I: Frau Ypsilanti, die als hessische Parteiführung forderte die vier Abweichler auf, ihre Mandate niederzulegen. Teilen Sie diese Haltung?

B: Das müssen die Hessen unter sich ausmachen. Ich kann nicht letzte Feinheiten beeinflussen und, eh, auch nicht erkennen, wie das im Einzelnen genau gelaufen ist….

Zum Abschluss dieses Kapitels noch ein Interview (19), in dem die beiden Moderatoren durch ihre zum Teil ironischen Nachfragen nicht nur die Schwächen eines Vorgangs offen legen, sondern auch die des befragten Pressesprechers. Der handwerkliche Trick ist so einfach wie erfolgreich: Die I verfolgen den Handlungsablauf und fragen an jeder Stelle, ob das Vorgehen der Behörde klappt.

11. Nachfrage 103

Interview 19

WDR 1Live, 1. 4. 2009

Olli Briesch und Michael Imhof – Kai Kießler, Pressesprecher Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

I: Weißte, da kannste die Umweltprämie, also die Abwrackprämie, kannst du beantragen seit Montag, selbst, unkompliziert, brauchst nur noch den Kaufvertrag vom neuen Auto, verlängert bis Ende des Jahres, aber, halt: nur noch über das Internet. Diese Seite ist direkt am ersten Tag zusammengebrochen. Ich les doch mal aus der Pressemitteilung vor des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz Bafa, die sind dafür zuständig: „In der Datenverbindung zu dem Server eines externen Unternehmens gibt es einen Flaschenhals, der sorgt für Datenstau“. Wir in 1Live, der Olli und ich, wir sorgen für Aufklärung mit Kai Kießler. Er ist Pressesprecher des Bafa, des Bundesamtes. Guten Morgen.

B: Guten Morgen.

I: Sie haben da von einem Flaschenhals gesprochen, was, äh, heißt das denn?

B: Ja, oder noch besser, weil wir ja von Autos reden, von einem Stau. Also es kam tatsächlich zu einem Datenstau. Sie müssen sich das so vorstellen, so hab ich mir das erklären lassen, stellen Sie sich vor, wir hatten eine große Datenautobahn zu unserem Amt gelegt, leider müssten die Anträge über viele kleine Einfahrten kommen und bei denen kam es zu einer Verstopfung.

I: Hat man das Ihnen erklärt oder war das so?

B: Das war so. Und ich hab's mir dann so erklären lassen.

I: Aber hätten Sie sich das nicht vorher denken können, dass da Millionen Antragssteller auf Ihre Seite klicken? Waren Sie darauf

nicht vorbereitet?

B: Doch, aus dem Grund hatten wir dieses Online-Verfahren auch eingerichtet, weil wir anders gar nicht mit der Masse hätten umgehen können, wenn es auf postalische Weise gekommen wäre.

I: Was ist denn jetzt wirklich schief gelaufen, dass man dieses Formular nicht aufrufen konnte

B: Es war tatsächlich so, dass es zu einer Überlastung des deutschen Internets kam. Anders kann man das wohl nicht erklären.

104 Grundlagen

I: Also das würde ich als externe Firma, die das für Sie macht, auch antworten. Nee, bei uns ist alles in Ordnung, da muss wohl ein Stau im deutschen Internet sein. Können Sie verstehen, dass

sich da jeder Computerexperte totlacht?

B: Naja, wir haben uns da auch auf Experten verlassen. I: Klappt es denn jetzt?

B: Jetzt klappt es. Ich kann Ihnen also versichern, wir haben jetzt schon, ähm, was war jetzt der letzte Stand 144.000 Anträge liegen jetzt vor. Also haben dann schnell zur Verbesserung gesorgt. Das ist ja ein gutes Zeichen, dass es klappt.

I: Bei mir steht, ich soll in einer Minute noch mal klicken, also ich komm nicht durch. Kann das sein?

B: In Spitzenzeiten kommt es immer noch mal zu Problemen, aber wie gesagt, äh, es, äh, knapp 150.000 Anträge, die sprechen die Sprache, dass es klappt.

I: Jetzt denken wir mal positiv, ich hab mir extra einen Tag Urlaub genommen, damit ich mal durchkomme, jetzt am Nachmittag, heute, 16 Uhr zum Beispiel, schaff ich's dann dieses Antragsformular zu sehen. Was muss ich alles eingeben?

B: Und ja, das Antragsformular selbst ist relativ einfach. Sie füllen das einfach aus, Sie müssen Angaben zum Altfahrzeug, zum Neufahrzeug machen und dann eine Kopie des Kaufvertrags beifügen in pdf.

I: Also meine Daten eingeben, den Kaufvertrag eingeben und so weiter, ne?

B: Genau.

I: Werden die Daten sicher verschlüsselt übermittelt? B: Das wird ab heute der Fall sein.

I: Ach, das war noch nicht der Fall?

B: Das war noch nicht der Fall.

I: Herr Kießler, ich geb' meine kompletten persönlichen Daten an, die mit Fahrzeugidentnummer versehen sind, schicke eine Kopie des Kaufvertrages mit, in dem vielleicht auch noch Kontoverbindungen drin stehen, und Sie sagen mir jetzt, das Ganze wird unverschlüsselt über das Internet verschickt. Ich bin, äh, sprachlos.

B: Das ist jetzt eine Sache, die jetzt aber, die sofort eingestellt 8 wurde.

I: Nachdem Sie das gemerkt haben oder nachdem Sie jemand drauf aufmerksam gemacht hat?

B: Sowohl als auch. Das ist eine Sache, die, ähm, hier, ähm, einfach, also in der Vorbereitung auf dieses System einfach, ähm, eine der vielen Sachen, die noch gemacht werden musste.

I: Okay Herr Kießler, ich hab meine Daten eingegeben, in die im Moment noch unsichere Seite, aber das ändern Sie ja noch. Ich schick die ab und dann bekomm ich von Ihnen eine Bestätigungsmail, richtig?

B: Sie bekommen eine Bestätigungsemail und dort, äh, und, äh, das ist aber jetzt noch nicht der Reservierungsantrag. Der wird Ihnen dann in ungefähr zwei Wochen zugeschickt.

I: Das heißt, wenn ich, Michael Imhof, das ausfülle, bekomm ich auch eine E-Mail, wo drin steht Michael Imhof oder steht da dann ein anderer Name drin?

B: Ja, Sie sprechen auf ein kleines Problem an, das passiert ist. Während wir gestern diese Datenautobahn erweitert haben, ist es

zu einer kurzzeitigen, ähm, ha, also asynchronen Schaltung gekommen, wie es heißt. Äh, sodass 200 Leute ungefähr, äh, doppelte Anträge, äh, bekommen haben. Und die Leute werden kontaktiert und müssen sich keine Sorgen machen.

I: Also ich fass mal zusammen: Also eine asynchrone Schaltung schickt meine sensiblen Daten an andere Antragssteller, wenn Sie überhaupt ankommen, über die unsichere Internetverbindung. Das alles sind aber nur kleine Fehler, die dann abgestellt werden, wenn das deutsche Internet nicht wieder im Stau steckt.

B: Ach, es, bei, bei der, bei so einem Verfahren, ich möchte mal

sehen, ob es irgendjemand anderes das hinkriegt.

I: Herr Kießler, das klingt nach eine Dienstleisterwechsel. Herr Kießler ist Pressesprecher des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, wo ihr den Antrag auf die Abwrackprämie ausfüllen könnt, wenn ihr dann auf die Seite kommt, bald, sicher.

Anmerkungen

1: Die I ahnen, dass die Antwort des B nicht überzeugend sein wird. 2: Schöne Ironie, die auch nachvollziehbar sein dürfte.

3: Gute Frage, denn: Das fragen sich die E sehr wahrscheinlich auch.

4: Eine sehr unglückliche Antwort, die prompt zu der richtigen Interpretation und angemessenen in Frage in

5: führt.

6: Pech für den B, dass die I zu zweit sind, einer kann am Computer das gesagte ausprobieren, während der andere das Interview weiter führen kann.

7: Gute Nachfrage, die dann zu

8: einem umfangreichen interpretierenden Statement führt, das wie eine Frage funktioniert.

9: Wieder eine gute Zusammenfassung des Handlungsablaufs bis dahin. 10: Die I ahnen, hier könnte das nächste Problem auftreten.

11: Eine weitere ironische Zusammenfassung, die sehr wahrscheinlich auch von den E verstanden wird.

 
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