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Clusterpolitik auf nationaler Ebene

Mit der Verbreitung des Clusterkonzepts haben die einzelnen europäischen Staaten nach und nach eigene Clusterprogramme ins Leben gerufen, die sich aber in ihrer Konzeption und den bereitgestellten Mitteln stark voneinander unterscheiden.

Ein Bericht der Europäischen Kommission aus dem Jahre 2003 nennt 13 Länder, die bis zu diesem Zeitpunkt nationale Clusterpolitik-Programme ins Leben gerufen hatten: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Österreich, Slowenien, Spanien, Schweden und Ungarn (vgl. Europäische Kommission 2003b). Die Form der Umsetzung unterschied sich dabei beträchtlich von Land zu Land: Während in Frankreich Clusterprogramme zentral gesteuert wurden, wurden z.B. in Österreich die Programme auf der regionalen Ebene eingeführt.

Erste Ansätze einer deutschen Clusterpolitik existierten im Rahmen des BioRegioWettbewerbs der Bundesregierung ab 1995, der noch auf eine einzige Branche, die Life Sciences, beschränkt war (vgl. Kiese 2008a: 67). Mit dem InnoRegio-Wettbewerb ab 1999 waren breite Themen und Technologiefelder zugelassen – dafür war dieser Wettbewerb jedoch nur auf die neuen deutschen Bundesländer ausgerichtet und wies somit eine regionale Einschränkung auf.

Im Rahmen der so genannten Hightech-Strategie für Deutschland legte die Große Koalition schließlich ab 2006 eine bundesweite, branchenoffene Maßnahme der Clusterpolitik vor, verwaltet über das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) [1]. Regionale Netzwerke aus Industrie und Forschung in einem abgrenzbaren Technologiebereich konnten sich dabei als „Spitzencluster“ bewerben. Ziel der Hightech-Strategie sei es, „die Umsetzung innovativer Ideen in neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zu beschleunigen und dadurch die Position der deutschen Wirtschaft auf wichtigen Zukunftsmärkten zu verbessern“ (Philipsenburg 2008: 149). Der Spitzencluster-Wettbewerb soll dabei „die leistungsfähigsten Cluster aus Wissenschaft und Wirtschaft dabei unterstützen, ihre internationale Anziehungskraft zu vergrößern und sich im internationalen Wettbewerb in der Spitzengruppe zu etablieren“ (Philipsenburg 2008: 157). In drei offenen Wettbewerben zwischen 2007 und 2011 wurden insgesamt 15 Spitzencluster in ganz Deutschland ausgezeichnet, die Branchen wie die Software-Industrie, Biotechnologie, Logistik, Nanotechnologie oder Luftfahrt umfassen. Jedes Spitzencluster erhält bis zu 40 Millionen Euro an öffentlicher Förderung über fünf Jahre, die durch Eigenbeiträge der Clusterpartner zusätzlich kofinanziert werden.

Neben diesem Programm des BMBF, das einen starken Schwerpunkt auf Forschung setzt, betreibt auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) eigene Clusterförderung – zunächst über die Initiative „Kompetenznetze Deutschland“ (vgl. JappeHeinze/Baier/Kroll 2008: 8f.; Kiese 2008a: 67), seit 2012 durch das Nachfolgeprogramm „go-cluster“ [2]. Dabei ging es zunächst sehr stark um die Vernetzung der regionalen Industrie in einer Vielzahl von Technologiefeldern und die Identifizierung entsprechender Kompetenznetze in Deutschland, während sich das Programm „go-cluster“ verstärkt um exzellentes Clustermanagement und die Entwicklung innovativer Dienstleistungen des Clustermanagements dreht. Seit Anfang 2013 existiert erstmals eine gemeinsame Clusterplattform der Bundesministerien, die die clusterpolitischen Maßnahmen auf Bundesebene zusammenführt [3].

Clusterpolitik auf regionaler Ebene

In Deutschland lassen sich in allen Bundesländern inzwischen clusterpolitische Maßnahmen identifizieren. Diese unterscheiden sich jedoch stark im Hinblick auf ihr Steuerungsverständnis, die Clusterorientierung und -referenz, Komplexität, Kohärenz, Institutionalisierung und Reifegrad (vgl. Kiese 2008a: 68). Diese Vielfalt ist auch eine Folge der föderalen Struktur Deutschlands. Clusterpolitische Maßnahmen entwickelten sich seit den 1990er Jahren ausgehend von den Ländern und Regionen. Eine Übersicht über landespolitische Maßnahmen bieten Kiese (2008b) oder auch Benner (2012: 106ff.). Beispiele für clusterpolitische Maßnahmen auf Landesebene lassen sich etwa in Nordrhein-Westfalen (NRW) oder Bayern beobachten: In NRW wurde seit dem Jahr 2000 eine Reihe von technologischen Kompetenzfeldern identifiziert, in die in der Folge verstärkt europäische Strukturfondsmittel flossen und die – auch unter wechselnden Regierungen – in eine ressortübergreifende Clusterpolitik mündeten (vgl. Kiese 2008a: 68f.). In Bayern wurde im Jahr 2006 die landesweite Clusterinitiative „Allianz Bayern Innovativ“ gestartet, bei der 19 Branchen und Technologiefelder benannt wurden, die durch entsprechende Förderung zu Clustern ausgebaut werden sollen (Wimbauer 2008: 163).

Clusterpolitik auf kommunaler Ebene

Breite Anwendung findet Clusterpolitik insbesondere als Werkzeug der Wirtschaftsförderung auf kommunaler Ebene. Städte und Kommunen können dabei als die politische Ebene betrachtet werden, auf der Clusterpolitik am ehesten durchgesetzt werden kann (vgl. Ketels 2008). Die regelmäßigen Umfragen des Deutschen Instituts für Urbanistik (difu) belegen die steigende Relevanz des Themas auf kommunaler Ebene: In der Umfrage von 2008 ist der Bereich Clusterpolitik deutlich nach vorne gerückt in der Gesamtschau der Themen, die von deutschen kommunalen Wirtschaftsfördereinrichtungen verfolgt werden. Befragt wurden alle deutschen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern – das Thema „Clusterpolitik“ steht danach an vierter Stelle, hinter den Themen „Vermittlung von Gewerbe-

/Industrieflächen“, „Standortmarketing“ sowie „Entwicklung von Gewerbe/Industrieflächen“ (vgl. Floeting/Zwicker-Schwarm 2008: 25).

  • [1] Vgl. hightech-strategie.de, zuletzt abgerufen am 20.3.2015
  • [2] Vgl. go-cluster.de, zuletzt abgerufen am 20.3.2015
  • [3] Vgl. clusterplattform.de, zuletzt abgerufen am 20.3.2015
 
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