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Agrarverbände

Aus den Eintragungen in der Lobbyliste des Deutschen Bundestages ergibt sich, dass es viele Verbände im Bereich Landwirtschaft gibt, die sich auch in Niedersachsen organisieren.39 Die erste Oberkategorie umfasst die Verbände, welche mit Tieren zu tun haben. Hier sind z.B. die AG Deutscher Rinderzüchter, die AG Deutscher Tierzüchter und der Deutsche Viehund Fleischhandelsbund zu nennen. Eine zweite Gruppe, welche eng mit der ersten verbunden ist, ist die „Milch und Molke“-Oberkategorie. Ihr gehören Verbände an wie der Bundesverband Molkereiprodukte, die Gemeinschaft der Milchwirtschaftlichen Landesvereinigungen und der Milchindustrie-Verband. Die letzte Oberkategorie bilden die Bauern. Hier finden sich Verbände wie die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, Bioland und der Deutsche Bauernverband. Weitere Verbände, die in Niedersachsen aktiv sind, aber in keine der drei Hauptkategorien fallen, sind das AgrarBündnis, der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft, der Bauernverband der gemeinnützigen Landgesellschaften und der Verband Deutscher Agrarjournalisten. Viele der hier genannten Verbände sind Bundesverbände, die sich dann in Landesverbände und Kreisverbände aufteilen und selber noch mehr Verbände als Mitglieder haben. Die Größe dieser Verbände schwankt stark. Der größte Anbauverband in Niedersachsen und Bremen ist z.B. Bioland Niedersachsen/Bremen mit knapp fünfhundert Mitgliedsbetrieben.40

Das „Landvolk Niedersachsen“ ist der zweitgrößte von insgesamt 18 Landesbauernverbänden im Deutschen Bauernverband. Bereits im Februar 1947 wurde das „Landvolk Niedersachsen“ in Hannover als agrarund wirtschaftspolitischer Verband gegründet, der eine starke berufsständische Einheit bilden sollte. Das „Landvolk Niedersachsen“ ist die agrarpolitische Interessenvertretung der Landwirtschaft in Niedersachsen und versteht sich auch als Interessenvertretung des ländlichen Raumes insgesamt. Die Organisation besteht aus vierzig Kreisverbänden und fünfzig Geschäftsstellen. Die Kreisverbände arbei- ten in neun Bezirksarbeitsgemeinschaften zusammen.41 Der Verband beschäftigt ca. 1.100 Mitarbeiter. Das „Landvolk Niedersachsen“ ist laut Satzung parteipolitisch unabhängig und finanziert sich ausschließlich über die Beiträge seiner Mitglieder und über Dienstleistungshonorare. Der Verband organisiert mit rund 80.000 Mitgliedern die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen, die rund ein Fünftel des Umsatzes der deutschen Landwirtschaft erwirtschaften.42 Den hohen Organisationsgrad nutzt der Verband als Legitimation und Gewicht für die Vertretung gegenüber Politik, Verwaltung, Verbänden, Wirtschaft und Wissenschaft. „Landvolk Niedersachsen“ vertritt dabei vorwiegend die Interessen der industriellen Landwirtschaft im Agrarland Niedersachsen. Mit Macht tat der Verband dies während der Novellierung des Landes-Raumordnungsprogramms (LROP). Seitdem das Landeskabinett am 24. Juni 2014 den Entwurf für eine Änderung und Ergänzung des Landes-Raumordnungsprogramms für das Beteiligungsverfahren freigegeben hat, haben die Landvolkverbände in Niedersachsen eine Mobilisierungsaktion gegen die Planungen der rot-grünen Landesregierung gestartet. Daraufhin kündigte der Landwirtschaftsminister am 5. November 2014 einen zweiten Entwurf zur Novelle des LROP und eine Verlängerung der Frist für die Abgabe von Stellungnahmen an. Eine intensive Beteiligung der Landwirtschaft beim Zustandekommen eines zweiten Entwurfs wurde ihr zugesichert.43

 
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