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Kammern

Kammern sind von ihrer Rechtsform her Körperschaften des öffentlichen Rechts (KdöR) und werden der mittelbaren Staatsverwaltung zugerechnet, da sie vom Staat delegierte hoheitliche Aufgaben wahrnehmen (geregelt in den verschiedenen Niedersächsischen Kammergesetzen). Von Wirtschaftsverbänden unterscheiden sich Kammern aufgrund des speziellen Mitgliedschaftsverhältnisses: In Kammern gilt bis heute eine gesetzliche Zwangsmitgliedschaft. Mitglieder von Kammern können Wirtschaftsunternehmen bzw. Betriebe, aber auch Angehörige bestimmter Berufsgruppen, vornehmlich der freien Berufe, sein.35

Die Aufgaben der prominentesten Kammer, der Industrieund Handelskammer, liegen auf dem Gebiet der Selbstverwaltung der Wirtschaft und in der Vertretung der regionalen Interessen aller Branchen und Wirtschaftszweige. Sie nehmen hoheitliche Aufgaben wahr und unterliegen der Rechtsaufsicht des Landes. Die IHK haben in der beruflichen Bildung eine herausragende Stellung inne, weil sie die Lehrabschlussprüfungen abnehmen. Auch in anderen Wirtschaftszweigen wirken Kammern regulierend. Hier sind besonders die Landwirtschaft und das Handwerk zu nennen. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist Anfang 2006 aus einer Fusion der beiden früheren Landwirtschaftskammern Hannover und der Landwirtschaftskammer Weser-Ems in Oldenburg hervorgegangen.36 Ihrem eigenen Leitbild entsprechend vertritt die Landwirtschaftskammer mit Sitz in Oldenburg als berufsständische Vertretung Unternehmer aus dem Bereich der Landund Forstwirtschaft, des Gartenbaus sowie private Waldbesitzer. Neben der Beratung landwirtschaftlicher Betriebe erfüllen die Landwirtschaftskammern als öffentlich-rechtliche Körperschaften auf Weisung der niedersächsischen Landesregierung auch staatliche Aufgaben, so z.B. nach dem Pflanzenschutzgesetz. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Berufsausbildung von Landwirten.37

Sechs Handwerkskammern bündeln die handwerklichen Betriebe in Niedersachsen. Sie führen die Handwerksrolle und organisieren die Berufsausbildung. Auf der Landesebene war bereits 1900 die „Vereinigung der Handwerkskammern Niedersachsen“ (VHN) mit Sitz in Hannover gegründet worden, die heute als „Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen“ deren gemeinsame Interessen wahrnimmt. Sie vertritt 83.000 Handwerksbetriebe mit 500.000 Arbeitnehmern, was ca. zwanzig Prozent aller Arbeitsplätze im Land entspricht. Die Landesvertretung versteht sich als Lobbyist für eine mittelstandsorientierte Gesetzgebung. Die handwerkliche Selbstverwaltung soll gestärkt und Interessen des Handwerks auch bei neuen Themen der Verkehrs-, Umweltund Europapolitik berücksichtigt werden.38 Daneben ist auch noch die große Gruppe der freien Berufe in Kammern organisiert. Beispielhaft seien hier die Berufe Arzt, Tierarzt, Anwalt, Architekt, Apotheker oder Steuerberater genannt. Angehörigen von freien Berufen wird eine besondere Verantwortung für die Allgemeinheit zugeschrieben. Daher sind seitens des Staates teilweise strenge Berufsregeln erlassen worden. Die Umsetzung dieser Regeln bleibt den jeweiligen Kammern vorbehalten, die auch in Niedersachsen als berufsständische Organisationen präsent sind. So ist es Aufgabe der Kammern, den Zugang zu den Berufen zu überwachen, das Berufsregister zu führen, Fortbildungen zu organisieren oder interne Streitigkeiten zu schlichten. Doch auch die Interessenvertretung gegenüber Politik und Öffentlichkeit sehen die Kammern als ihre Aufgabe an.

 
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