Desktop-Version

Start arrow Politikwissenschaft arrow Politik und Regieren in Niedersachsen

  • Increase font
  • Decrease font


<<   INHALT   >>

6 Ausblicke

Niedersachsens Medienlandschaft besitzt im bundesrepublikanischen Vergleich keine besonderen Auffälligkeiten. Die regionale und lokale Presse ist ein wichtiges Massen-kommunikationsmittel, hat aber unter dem Strukturwandel der Mediennutzung zu leiden – und dies könnte zukünftig zulasten der publizistischen Qualität gehen. Die privatkommerziellen Hörfunkund Fernsehangebote liefern ein publizistisches Angebot, das im quantitativen Vergleich zu öffentlich-rechtlichen Programmen Unterschiede aufweist, bezüglich des Niedersachsenbezugs aber nicht dramatisch abfällt. Interessant wäre es, hier mit einer qualitativ-vergleichenden Studie zu untersuchen, ob die privat-kommerziellen Angebote gravierende Unterschiede zu denen der öffentlich-rechtlichen aufweisen. Eine These könnte lauten, dass dies so ist, da die auf Gewinn ausgelegten Privatprogramme immer wieder danach streben werden, auf Unterhaltung und Infotainment zu setzen und auf breitere und tiefere thematische Berichterstattung und Kommentierung zu verzichten, um ihre RezipientInnen nicht zu verlieren. Doch vor dem „Quotendruck“ sind auch öffentlich-rechtliche Sender nicht gefeit.

Der Bürgerrundfunk scheint gesichert, er findet sich aber nur in ausgewählten Räumen des Landes und ist im Hinblick auf seine Reichweite und publizistische Leistungsfähigkeit notwendigerweise eingeschränkt. Die publizistische Leistungsfähigkeit der neuen privaten lokalen Fernsehund Radiostationen kann unseres Erachtens noch nicht insgesamt beurteilt werden. Wir nehmen allerdings an, dass einige von ihnen aufgrund des großen Wettbewerbs um Aufmerksamkeit und Werbegelder sowie eingeschränkter technischer Empfangbarkeit Probleme bekommen könnten, sich am Markt zu etablieren. Über die Nutzung der dann wieder freien Übertragungswege muss politisch-gesellschaftlich diskutiert werden.

Erkennbar ist weiterhin und verstärkt die Strategie der Verlagsunternehmen, neben dem klassischen Publikationsweg, der Zeitung, Inhalte über elektronische Kanäle zu verbreiten. Diese Diversifikationsstrategien und crossmedialen Beteiligungen sind ökonomisch verständlich – bezüglich der Meinungsvielfalt werfen sie Fragen auf. Diese Fragen richten sich gleichermaßen an gesellschaftliche wie politische AkteurInnen. Dabei wird (wieder) zu entdecken sein, dass ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk enorme technische, finanzielle und journalistische Potenziale besitzt und dass diese Potenziale auch umfänglich für die Meinungsund Willensbildung sowie für die Kritik an und die Kontrolle der Politik in einer Demokratie genutzt werden müssen. Regionales Radio und Fernsehen des NDR sollen auch unterhalten, ihre Stärken sind aber Information und Bildung. NDR 1 Radio Niedersachsen grenzt aufgrund seiner Musikfarbe viele mögliche HörerInnen aus; auch die, die der vom NDR angegebenen Alterszielgruppe „50+“ zugehören. Wir halten dies senderseitig für eine problematische Strategie. Im regionalen NDR-Fernsehen, dem „Dritten Programm“, finden sich nicht nur zu Landtagswahlen viele informative Sendungen neben unterhaltenden Formaten, die vom Publikum akzeptiert werden. Als Mehrländeranstalt macht der NDR allerdings Abstriche, was den Umfang und die Tiefe der publizistischen Auseinandersetzung mit Niedersachsen betrifft. Aus technischer Sicht wäre eine stärkere länderbezogene Differenzierung sicherlich machbar.

Aufgrund der großen Bedeutung der Massenmedien für die politische Kommunikation sind unseres Erachtens Politik und Gesellschaft unabhängig von technischen Moden und konjunkturellen Zyklen permanent gefordert, die Entwicklung der Medienlandschaft auf-merksam zu beobachten, die Problembereiche zu identifizieren und Handlungsmöglichkeiten auszuloten, damit die publizistische Vielfalt gesichert bleibt. Das Land darf und soll keine Zeitungen herausgeben und Rundfunksender besitzen. Es kann aber Strukturen schaffen, in denen neue Bürgersender eine Sendelizenz erhalten und ein kritisch-reflektierter Umgang mit Medien nicht nur an den Schulen eingeübt wird.

 
<<   INHALT   >>

Related topics