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3 Struktur und Entwicklung der Massenmedien in Niedersachsen seit 1946

Die bundesrepublikanische Entwicklung der Massenmedien umfasst verschiedene Phasen, deren Gliederung je nach Standpunkt und Perspektive unterschiedlich ausfällt. Für diesen Beitrag reicht es aus, auf folgende Einschnitte hinzuweisen.7 Bis 1984 existierte neben dem privatwirtschaftlichen Printmarkt nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Seit Mitte der 1980er Jahre und der Gründung und Zulassung privat-kommerzieller Sender spricht man von einem dualen Rundfunksystem. Der Rundfunkbereich differenzierte sich mehr und mehr zielgruppenspezifisch aus. Mit der Digitalisierung von Übertragungstechniken und Medieninhalten setzte seit der Jahrtausendwende ein tief greifender Strukturund Nutzungswandel der Medien ein. Davon sind sowohl Zeitungen und Zeitschriften als auch Hörfunkund Fernsehsender betroffen. Internetdienste und mobile Geräte erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die „alten“ Medien verlieren die Massen – auch in Niedersachsen.

Unser Augenmerk gilt zunächst der Presse. Verlage entziehen sich zwar einer direkten landespolitischen Regulierung, doch durch ihre wachsende Verbindung zu Rundfunkunternehmen bekommen sie eine besondere Bedeutung für Fragen der Meinungspluralität und Autonomie der Medien. Im Anschluss skizzieren wir die Entwicklung des Rundfunks; eine Domäne, die auch zur parteipolitischen Profilierung einlädt.

3.1 Presse: nominelle Vielfalt und publizistische Konzentration

In den westlichen Zonen Nachkriegsdeutschlands durften deutsche BürgerInnen nur dann publizistisch tätig werden, wenn sie über eine entsprechende, von den Besatzungsbehörden ausgegebene Lizenz verfügten. Diese Form der Pressepolitik sollte verhindern, dass politisch belastete „Altverleger“ Einfluss auf die Meinungsbildung nehmen konnten. In Niedersachsen vergaben die Briten Lizenzen. Mit der Erteilung der sog. Generallizenz im Herbst des Jahres 1949, d.h. der Aufhebung eines strengen Zulassungsverfahrens, begann die Gründung bzw. Wiedergründung vieler Zeitungen in Niedersachsen, die z.T. auf eine sehr lange Tradition zurückblicken konnten.

Aufschlussreich ist ein Blick auf die Entwicklung der „Publizistischen Einheiten“ (PE),

d.h. der Zahl der Vollredaktionen. Publizistische Einheiten gelten als Messund Vergleichspunkt publizistischer Vielfalt, da viele Zeitungen trotz unterschiedlicher Titel mit identischem Inhalt erscheinen, bspw. im Hinblick auf eine überregionale Politikberichterstattung. Die Zahl der PE halbierte sich in Niedersachsen zwischen 1967 und 1976. Dies war bundesweit die Phase erhöhter Pressekonzentration. Ebenso misst die Zeitungsdichte die publizistische Vielfalt, wobei diese anzeigt, wie viele Zeitungen in einem Landkreis bzw. einer kreisfreien Stadt erscheinen. In Niedersachsen sind seit vielen Jahrzehnten zwei Drittel bis drei Viertel des Gebietes Ein-Zeitungs-Kreise. Ein-Zeitungs-Kreise sind ein augenfälliges Merkmal der Pressekonzentration und schränken die Meinungsvielfalt potenziell ein. Schließlich bilden die zurzeit rückläufigen Auflagenzahlen einen Gradmesser für die Relevanz der Zeitung als Mittel der Massenkommunikation. Die aktuelleren, statistisch unterfütterten Entwicklungen zeigen wir in Abschnitt 4.1 auf.8

Seit einigen Jahren gilt die Marktlage für Zeitungen als angespannt, sie verlieren schlicht LeserInnen und AnzeigenkundInnen.9 Folge der sog. Zeitungskrise ist zudem ein wachsender Druck, der auf JournalistInnen lastet: Sie haben Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, wobei zeitgleich eine zunehmende Verdichtung der Arbeit zu beklagen ist. Einher mit letzterem geht die Sorge um die Qualität der journalistischen Produkte, der redaktionellen Unabhängigkeit und der angemessenen Bezahlung.10 Die Zeitungskrise könnte demnach Auswirkungen auf das Verhältnis der Medien zur Politik haben (s. Abschnitt 5).

 
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