Desktop-Version

Start arrow Politikwissenschaft arrow Politik und Regieren in Niedersachsen

  • Increase font
  • Decrease font


<<   INHALT   >>

Die Landesverwaltung Niedersachsens

Lutz Mehlhorn/Thomas Walter1

1 Einführende Grundlegung

Politik und Regieren bedarf der Verwaltung. Zur Durchsetzung politischer Vorgaben des Landtages und der Landesregierung – eine der maßgeblichen Funktionen öffentlicher Verwaltung – ist eine wohlgeordnete, leistungsstarke und -willige Landesverwaltung unentbehrlich. Unter dem Begriff der „Landesverwaltung“ sollen hier der Apparat bzw. die Apparate des Landes aus berufenen Personen und hierzu bestimmten sächlichen Mitteln verstanden werden, den bzw. die es unterhält, um seine (öffentlichen) Aufgaben2 zu erfüllen. Nachfolgend werden die innere und äußere Gliederung dieses Apparates bzw. dieser Apparate (Aufbauorganisation/Verwaltungsstruktur) betrachtet sowie Arbeitsweise und Geschäftsgang (Ablauforganisation/Verwaltungsprozesse) ein wenig beleuchtet.3 Gegenstand ist im Folgenden also Landesverwaltung im organisatorischen Sinn.4

1.1 Die Landesverwaltung als Ausdruck von Landesstaatlichkeit

Das Land Niedersachsen hatte zum Stand Mitte 2013 ca. 208.000 Bedienstete5, davon etwa 130.000 Beamte und 78.000 Arbeitnehmer.6 Das Gros bilden Lehrer – ca. 80.000 – und Polizisten mit einer Anzahl von über 22.000. Das Land unterhält 36 Behördenhäuser und 21 Behördenzentren mit einer Nettogrundfläche von insgesamt rund 450.000 m².7 Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass die Landesverwaltung einen Großteil der komplexen Organisation „Land Niedersachsen“ bildet. Sie ist als Ausfluss der Organisation der Landesstaatsgewalt8 ein Kern dessen, was Landesstaatlichkeit9 ausmacht, die maßgeblich durch sie Wirklichkeit erfährt. Die Zahlen spiegeln zudem die bundesstaatliche Zuständigkeitsverteilung der zwei staatlichen Ebenen – Bund und Länder – nach dem Grundgesetz wider.10 Innere Sicherheit (Polizei) und Bildung (Kultus und Wissenschaft) sind Politikund damit auch Verwaltungsbereiche, die originär Ländersache sind. Das gilt auch für die Verwaltungshoheit selbst. Die Länder bestimmen hiernach grundsätzlich selbst über ihre Verwaltungsorganisation und vollziehen administrativ nicht nur ihre Landesgesetze, sondern maßgeblich ebenso die Bundesgesetze11 sowie das Unionsrecht.12 Deshalb haben die Länder im Vergleich zum Bund eine so große Schar an Bediensteten respektive einen so hohen Anteil an Bürokratiekosten im Landeshaushalt.13 Diese Tatsache ist es auch, die die „Verwaltungspolitik“14 für die Länder, gerade in Anbetracht der Schuldenbremse15, so wichtig macht.16 Eine effektive und effiziente Aufgabenerledigung mittels einer gelungenen Verwaltungsorganisation sowie inneren und äußeren Verwaltungskultur zu befördern, die auch die Zufriedenheit der Bediensteten im Blick hat, ist daher für die Länder von enormer Bedeutung.

 
<<   INHALT   >>

Related topics