Desktop-Version

Start arrow Politikwissenschaft arrow Politik und Regieren in Niedersachsen

  • Increase font
  • Decrease font


<<   INHALT   >>

5.6 Hochburgen und Sozialstruktur der Wählerschaft

Aufgrund der frühen Verankerung der GLU in der Fläche lagen die Wählerhochburgen in der Gründungsphase nicht nur in den wenigen urbanen Zentren und Universitätsstädten Niedersachsens, sondern auch im ländlichen Raum. Dazu zählte der Wahlkreis Lüchow-Dannenberg. Hier hatte die GLU bereits bei der Landtagswahl 1978 17,5 Prozent der Stimmenanteile erreichen können.37 Auch in den Nachbarkreisen Uelzen und Bad Bevensen sowie in den Küstenwahlkreisen Cuxhaven, Wilhelmshaven und Jever lagen die Wahlergebnisse über dem Durchschnitt.38 Die in diesen Regionen geplanten Atomanlagen und Industrieprojekte hatten schon frühzeitig Bürgerinitiativen auf den Plan gerufen und für einen breiteren Protest in der Bevölkerung gesorgt. Im Laufe der Zeit haben sich die Universitätsstädte Hannover, Göttingen, Braunschweig, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück immer stärker zu Wählerhochburgen entwickelt. Dort konnten die Grünen seit den späten 1980er Jahren bei allen Wahlen überdurchschnittliche Wahlergebnisse erzielen. Bei der Landtagswahl 2013 lagen die Ergebnisse in diesen Städten zwischen 15 und 30 Prozent. Von den ursprünglichen ländlichen Hochburgen haben sich dagegen nur einige behauptet, darunter vor allem die Wahlkreise Lüchow-Dannenberg, Winsen, Uelzen, Ro- tenburg, Verden und Osterholz-Scharmbeck, während in den küstennahen Regionen um Cuxhaven und Wilhelmshaven inzwischen unterdurchschnittliche Wahlergebnisse erzielt werden. Von Anfang an gehörten die katholisch geprägten Regionen um Cloppenburg, Vechta, Papenburg, Lingen und Meppen zu den Diaspora-Gebieten, in denen die Grünen nicht richtig Fuß fassen konnten.

Schon die ersten Wahlen, an denen die Grünen in Niedersachsen teilnahmen, enthielten Hinweise auf die sozialstrukturelle Zusammensetzung ihrer Wählerschaft. Der Anteil der unter 35-Jährigen an der Wählerschaft der GLU betrug mehr als fünfzig Prozent.39 Darunter war wiederum der Anteil der weiblichen Wähler überproportional hoch. Auch die repräsentative Wahlstatistik von 1978 zeigt, dass die Grünen die stärkste Unterstützung in der Gesamtwählerschaft bei den Wählergruppen der unter 35-Jährigen erzielten.40 In den Folgejahren blieben die Wahlergebnisse in den Altersgruppen unter 35 Jahren hoch, gleichzeitig wuchs in den 1990er Jahren die Wählerschaft auch in anderen Altersgruppen.41

Die repräsentative Wahlstatistik der Landtagswahlen 2003, 2008 und 2013 macht deutlich, dass die altersmäßige Wählerbasis im Laufe der Zeit immer breiter wurde und inzwischen alle Wählergruppen von den Erstwählern bis zu den Sechzigjährigen umfasst. Umgekehrt gilt, dass die Altersgruppe der über Sechzigjährigen immer schon weit unterproportional für die Grünen votierte. Als weitere Konstante bestätigt sich, dass die Grünen bei jeder Wahl in allen Altersgruppen von Frauen mehr Stimmen bekamen als von Männern.

Tab. 6 Alter und Geschlecht grüner Wählerinnen und Wähler bei Landtagswahlen in Niedersachsen seit 2003

Wähler*

Wahlalter

2003

2008

2013

Insgesamt

unter 25

11,5

13,1

20,1

25–35

9,9

10,5

16,8

35–45

11,9

12,2

18,0

45–60

8,7

11,0

18,5

60+

2,8

3,3

8,0

zusammen

7,5

8,0

13,7

Weiblich

unter 25

11,7

14,9

24,6

25–35

11,4

11,7

19,5

35–45

13,5

14,0

21,3

45–60

9,3

12,4

20,6

60+

3,0

3,6

8,3

zusammen

8,1

9,1

15,5

Männlich

unter 25

11,4

11,5

16,0

25–35

8,5

9,3

14,1

35–45

10,4

10,4

14,6

45–60

8,1

9,5

16,4

60+

2,6

3,1

7,6

zusammen

7,0

7,4

12,4

Quelle: Repräsentative Wahlstatistik der niedersächsischen Landeswahlleiterin.

* Werte auf Grundlage der Urnenwahl, nicht Urnenund Briefwahl.

Zu anderen sozialstrukturellen Merkmalen grüner Wählerinnen und Wähler in Niedersachsen wie Beruf, Bildung, Konfession und Einkommen liegen keine über einen längeren Zeitraum gesammelten Informationen oder systematische Untersuchungen vor, sodass darüber keine validen Aussagen getroffen werden können. Ihr unterproportionales Abschneiden in den katholisch geprägten Wahlkreisen und ihre überdurchschnittliche Unterstützung in Universitätsstädten lassen gleichwohl Rückschlüsse auf die Zusammensetzung grüner Wähler zu. Einige Daten unterstützen des Weiteren die Annahme, dass grüne Wähler über höhere Bildungsabschlüsse verfügen. Bei der Landtagswahl 2008 lag der Stimmenanteil der Grünen bei Wählern mit Abitur bei 14 Prozent. Unter den Berufsgruppen erreichten die Grünen ihre höchsten Stimmenanteile in der Regel bei Beamten, Angestellten und Selbstständigen. So betrug der Anteil grüner Wähler an diesen drei Berufsgruppen bei der Landtagswahl 2008 ca. 13 Prozent.42 Arbeiter waren von Beginn an in der Wählerschaft der Grünen unterrepräsentiert.43 Nach Erhebungen von Infratest dimap für die ARD haben bei der Landtagswahl 2013 zum ersten Mal in relevantem Umfang auch Arbeitslose und Arbeiter für die Grünen votiert.

 
<<   INHALT   >>

Related topics