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3.2 Innerparteiliche Regeln

Die Prinzipien der Basisdemokratie, wie die Rotation von Abgeordnetenmandaten sowie die Trennung von Amt und Mandat, spielten im niedersächsischen Landesverband von Beginn an eine wichtige Rolle. Das Rotationsprinzip wurde jedoch schon in der ersten Fraktion infrage gestellt. Nur fünf der elf Abgeordneten rotierten aus dem Landtag, um ihren Nachrückern Platz zu machen. Dennoch hielt der Landesverband bis 2003 – wenn auch in modifizierter Form – an der Rotation fest. Nach zwei Legislaturperioden konnten Abgeordnete nicht erneut kandidieren. 1995 wurde auf einer LDK entschieden, dass mit Unterstützung einer Zweidrittelmehrheit der Delegierten eine dritte Kandidatur möglich ist. Weitere Versuche, die Rotation ganz aufzuheben, scheiterten an der notwendigen Zweidrittelmehrheit. Erst auf einer LDK im April 2005 setzte sich der Landesvorstand mit einer Reform der Satzung durch. Dabei wurde die Trennung von Amt und Mandat weitgehend aufgehoben und die Rotation durch eine sog. „Neuenquote“ ersetzt.25 Bei der Listenaufstellung muss jeder dritte Listenplatz an eine Kandidatin oder einen Kandidaten gehen, die bzw. der vorher noch nie dem zu wählenden Parlament angehörte. Des Weiteren darf nur ein Drittel der Mitglieder des Landesvorstandes dem Bundestag, dem Landtag oder dem Europaparlament angehören. Mitglieder der Landesund Bundesregierung, des Bundesvorstandes sowie Vorsitzende der Landtagsund Bundestagsfraktion sind davon ganz ausgenommen.

3.3 Parteimitglieder

Nach der derzeit gültigen Satzung kann man ab dem Alter von 14 Jahren Mitglied des niedersächsischen Landesverbandes werden, soweit man einen Wohnsitz in Niedersachsen hat. Seit der Gründung hat sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppelt. Dabei handelt es sich aber nicht um einen kontinuierlichen Zuwachs, sondern es gab Anfang der 1990er Jahre, nach der ersten Regierungsbeteiligung in Niedersachsen, sowie zwischen 1998 und 2005, in der Zeit der rot-grünen Bundesregierung, Phasen, in denen ein Mitgliederrückgang zu verzeichnen war. 2004 fiel der Mitgliederbestand sogar auf Werte zurück, die bereits Mitte der 1980er Jahre erreicht worden waren. Ein deutlicher Aufschwung ist seit der Bundestagswahl 2009 zu verzeichnen. Mit über 6.500 Mitgliedern sind die niedersächsischen Grünen inzwischen die drittstärkste Mitgliederpartei im Landtag.

Tab. 1 Entwicklung der Mitgliederzahlen des niedersächsischen Landesverbandes der Grünen

Jahr

Mitgliederzahlen

Jahr

Mitgliederzahlen

1980

1.438*

1998

5.652

1981**

1999

5.299

1982

2.864*

2000

4.910

1983

3.728

2001

4.787

1984

3.800

2002

4.746

1985

4.232

2003

4.665

1986

4.566

2004

4.568

1987

5.157

2005

4.616

1988**

2006

4.687

1989

4.799

2007

4.691

1990

4.638

2008

4.629

1991

4.386

2009

4.788

1992

4.266

2010

5.124

1993

4.274

2011

6.274

1994

4.593

2012

6.356

1995

4.651

2013

6.527

1996

5.436

2014

6.516

1997

5.434

Quellen: Angaben des niedersächsischen Landesverbandes/Mitgliederstudie Oskar Niedermayer26 (Stand jeweils Ende des Jahres).

* Die Zahlen konnten nicht präzise ermittelt werden und beruhen auf Angaben von Anna Hallensleben.27

** Für die Jahre 1981 und 1988 konnten keine Mitgliederzahlen ermittelt werden.

Die Sozialstruktur der grünen Mitglieder weist seit der Gründung des Landesverbandes ähnliche Muster auf, wenngleich sich das Spektrum im Laufe der Zeit erweitert hat. Während die Grünen allgemein als eine Partei der urbanen Zentren und der Universitätsstädte gelten, waren sie in Niedersachsen von Anfang an auch in ländlichen Regionen gut vertreten. Aus der GLU hervorgegangene mitgliederstarke Kreisverbände agierten u.a. in Lüchow-Dannenberg, in der Region um Hildesheim und Uelzen sowie im Emsland und in der Küstenregion um Cuxhaven herum.28 Teilweise konnten die Grünen diese regionalen Mitgliederhochburgen in der Folgezeit verteidigen, wenngleich im Laufe der Zeit eine deutliche Verschiebung zugunsten der mitgliederstarken Regions-, Kreisund Ortsverbände in den größeren und mittleren Universitätsstädten festzustellen ist.

Eine Konstante in der sozialstrukturellen Zusammensetzung der Mitgliedschaft ist der im Vergleich zu anderen Parteien hohe Frauenanteil, der schon in den Anfängen bei fast vierzig Prozent lag und sich seitdem nach Angaben des Landesverbandes kaum verändert hat – im Unterschied zur Altersstruktur. Während anfangs der Anteil der unter dreißigjährigen Mitglieder über fünfzig Prozent betrug29, dominiert inzwischen die Alterskohorte der 30bis 59-Jährigen. 2014 lag das Durchschnittsalter der Mitglieder der niedersächsischen Grünen bei etwa fünfzig Jahren.30 Zur Berufsund Einkommensstruktur der Grünen in Niedersachsen liegen keine durchgängigen und systematischen Untersuchungen vor, sodass dazu keine validen Aussagen getroffen werden können.

 
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