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2.2 Die parlamentarische Etablierungsphase: 1982 bis 1990

Im Landtagswahlkampf 1982 konnte der neu gegründete Landesverband auf das schon bestehende Netzwerk von lokalen Organisationseinheiten der GLU zurückgreifen. Darüber hinaus hatten sowohl die Bedrohung durch Atomanlagen als auch Umweltzerstörungen durch Großprojekte zu diesem Zeitpunkt bereits eine erhebliche politische Sprengkraft in Niedersachsen entwickelt und Tausende von Gegnern mobilisiert. Konfliktschwerpunkte dieser Art boten der jungen Partei Angriffsflächen auf die allein regierende CDU und gleichzeitig Abgrenzungschancen von den anderen Oppositionsparteien, die die politische Bedeutung des Atomthemas nicht erkannten. So gelang es auf Anhieb, mit 6,5 Prozent in den Landtag einzuziehen. Dieser Erfolg war der Auftakt einer parlamentarischen Etablierungsphase, die sich bei der Landtagswahl 1986 mit einem moderaten Wachstum von 0,6 Prozent fortsetzte. Dabei lösten die Grünen die FDP als dritte Kraft im Parteiensystem ab. Allerdings hatte die Partei durch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, kurz vor der Landtagswahl, ein deutlich besseres Ergebnis erwartet und musste sich als „psychologische[r] Verlierer“4 fühlen. Die Abgeordneten der niedersächsischen Grünen profilierten sich jedoch in den folgenden Jahren als Oppositionspartei im Landtag und nutzten die parlamentarische Bühne vor allem für die Auseinandersetzung um die Atomenergie.

Im Vorfeld der Landtagswahl 1990 entwickelten sich aber die Umstände alles andere als günstig für die Grünen. Nach den Ereignissen in der DDR stand die Landtagswahl ganz im Zeichen der sich anbahnenden Deutschen Einheit. Umweltthemen hatten es in dieser Zeit schwer, Gehör zu finden. Vor diesem Hintergrund wäre das Landtagswahljahr 1990 für die niedersächsischen Grünen beinahe zu einem Desaster geworden. Mit 5,5 Prozent konnten sie die Fünfprozenthürde nur knapp überspringen. Trotz des schwachen Ergebnisses kam ihnen die Ausgangskonstellation nach der Wahl entgegen. Die SPD hatte zwar die CDU überholen können, war aber auf einen Koalitionspartner angewiesen. Da sich die FDP verweigerte und SPD-Spitzenkandidat Gerhard Schröder offen für Bündnisse mit den Grünen war, kam es zu Koalitionsverhandlungen. Der niedersächsische Landesverband hatte schon vor der Wahl strömungsübergreifend seine grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der SPD geäußert.5 So konnten die Grünen paradoxerweise mit dem schlechtesten Wahlergebnis ihrer noch jungen Geschichte das erste Mal in eine Regierung eintreten.

 
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