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5.1.3 Netzwerkentwicklung

Zentrale Elemente einer Wissenschaftsstadt – die Bildung von Netzwerken und die Knüpfung von Kontakten sowie die gute Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereichen – wurden im Rahmen der intensiven Bewerbungsphase und während des Wissenschaftsjahres v.a. durch die Realisierung gemeinsamer Projekte z.T. deutlich verstärkt, Netzwerke wurden neu gebildet oder gefestigt. In der Netzwerkbildung liegt das besondere Potenzial des Titelgewinns Stadt der Wissenschaft. Insbesondere die Vernetzung von Schlüsselpersonen wird mit Blick auf weitere Stadtentwicklungsprozesse der Wissenschaftsstadt als zentral erachtet. Die Kommunikation im Rahmen regelmäßiger Treffen hat Wissen über Institutionen und ihre Aufgabenprofile verbreitet und Schnittstellen aufgezeigt, was künftig die Suche nach geeigneten Kooperationspartnern vereinfacht. Durch gemeinsame Projekte erfolgte ein Aufbau von Vertrauen. Das persönliche Kennen bezeichnen viele Befragte als gewinnbringendsten Effekt des Wissenschaftsjahres, auch für die zukünftige Entwicklung. Das Wissenschaftsjahr hat ein neues Gemeinschaftsund Zugehörigkeitsgefühl innerhalb der Stadt erzeugt, was konzeptionellen Ansätzen wie dem Kreativen Milieu zufolge positive Auswirkungen auf die Stadtund Regionalentwicklung hat (vgl. Kap. 2.2.4).

Aufgrund der allgemeinen Aufbruchsstimmung und Begeisterung im Rahmen des Wissenschaftsjahres waren günstige Voraussetzungen für Kooperationen gegeben. Viele Kooperationen haben über das Jahr 2011 hinaus Bestand, was die Weiterführung zahlreicher Projekte, Veranstaltungsformate und Studien zeigt.

Die zentrale Frage nach einer übergeordneten Struktur zur Weiterführung der entstandenen Netzwerke bleibt jedoch bestehen. Eine Institutionalisierung der Netzwerke ist trotz Fortführung einiger Elemente der Organisationsstruktur nicht erfolgt und bleibt unklar. Vernetzung findet häufig auf informeller Ebene statt. Es stellt sich die Frage, ob ein Netzwerk, das alle am Wissenschaftsjahr beteiligten Akteure einschließt, aufgrund der Größe sinnvoll ist. Der Aufbau dauerhafter Netzwerkstrukturen, die Etablierung und Institutionalisierung von Netzwerken sind jedoch grundsätzlich wichtig, um die im Rahmen des Wissenschaftsjahres optimierten Austauschprozesse langfristig zu gewährleisten und Kontakte, Kommunikationsprozesse und Kooperationen weiter auszubauen. Netzwerke können hierdurch in den von den Befragten geforderten koordinierten Kommunikationsund Austauschprozess gebracht und ihre Aktivitäten gebündelt werden, um eine bessere Sichtbarkeit zu erzielen und Potenziale zu verstärken. Die mangelnde Strukturbildung kann auch darauf zurückgeführt werden, dass nach Beenden des Wissenschaftsjahres 2011 – trotz vorhandener langfristiger Zielsetzungen – zunächst der Anlass und die Agenda sowie die finanziellen Ressourcen für weitere Handlungen fehlen. Dies zeigt sich u.a. mit Blick auf die AK, die zwar offiziell fortgeführt werden, viele jedoch lediglich als E-MailVerteiler weiterexistieren. Als negativ wird zudem empfunden, dass in der Stadt nach Auslaufen der Stelle der Projektkoordination von Stadt der Wissenschaft kein zentraler Ansprechpartner (im Netzwerk) zur Verfügung steht. Allerdings wurden stets die guten Netzwerke hervorgehoben, die bereits vor dem Wissenschaftsjahr existierten. Bestehende institutionalisierte Netzwerke wie die Mainzer Wissenschaftsallianz wurden durch das Wissenschaftsjahr gestärkt und neue Ideen wie die eines Mainzer Wissensnetzwerkes formuliert. Insbesondere mit der Wissenschaftsallianz ist zumindest für Wissenschaftsund Forschungseinrichtungen ein etabliertes, institutionalisiertes Netzwerk vorhanden, das auf die Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes und der Wissenschaftsstadt abzielt. Durch das Wissenschaftsjahr wurde gezeigt, dass darüber hinaus bei Bedarf aktivierbare Netzwerkstrukturen vorhanden sind.

5.1.4 Image, Standortmarketing und Kommunikationsstrategie

Das Standortmarketing und die Kommunikationsstrategie der Stadt Mainz haben Wissenschaft bereits vor Stadt der Wissenschaft in den Blick genommen. Im Wissenschaftsjahr stand das Thema in besonderem Maße im Fokus. Innerhalb des Standortmarketings und der Kommunikationsstrategie der Stadt wird Wissenschaft auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Es ist anzunehmen, dass Wissenschaft sogar eine stärkere Gewichtung erfahren wird. Die durchgeführten Umfragen zeigen den Wunsch nach einer langfristig stärkeren Berücksichtigung von Wissenschaft als Imagefaktor, auch durch die Erzeugung einer besseren Sichtbarkeit innerhalb der Stadt.

In Mainz hat sich Wissenschaft durch das Wissenschaftsjahr neben etablierten Imageträgern wie Fastnacht, Gutenberg / Medien, Dom, Römer, Rhein, Wein, Mainz 05 positionieren können. Die Aufmerksamkeit auf Wissenschaft wurde nicht nur bei aktiven Akteuren verstärkt, auch eine höhere öffentliche Aufmerksamkeit wurde erzielt, zumindest innerhalb der Stadt (vgl. Landeshauptstadt Mainz 2011d). Bundesweit werden Gewinnerstädte des Wettbewerbs von wissenschaftsaffinen Akteuren wahrgenommen. Um einen überregionalen Imagegewinn als Wissenschaftsstadt zu erreichen, sind jedoch weitere Aktivitäten erforderlich, um die Stadt Mainz neben anderen Wissenschaftsstädten Deutschlands bekannt zu machen und zu etablieren. Wie bereits erwähnt, ist die Etablierung als Wissenschaftsstadt schwierig, da Wissenschaft in Mainz nur als ein Imagefaktor neben weiteren positioniert werden soll. Um eine stärkere Wahrnehmung zu erreichen, sind neben Werbemaßnahmen Erfolge der angesiedelten Wissenschaftseinrichtungen entscheidend, wie sie bspw. durch die Förderungen von Exzellenzclustern an der Universität erzielt werden oder durch medienwirksame Forschungsprojekte oder -ergebnisse.

5.2 Ausblick zur Wissenschaftsstadt Mainz

In den Folgejahren des Stadt der Wissenschaft-Gesamtprojektes bleiben viele Fragen unbeantwortet, sowohl hinsichtlich konkreter, künftiger Teilziele, Vorgehensweisen und Ressourcen sowie des Umgangs mit Ergebnissen bspw. der Zukunftskonferenz als auch hinsichtlich Netzwerkstrukturen und Ansprechpartnern. Insgesamt ist ein stärkeres strategisches Handeln und ein besserer Einbezug politischer Akteure notwendig, um weitere Schritte einzuleiten und neue Erfolge erzielen zu können. Die Untersuchung verdeutlicht, dass eine wissenschaftsbasierte Stadtentwicklung ein außerordentlich komplexer Prozess ist, bei dem viele Faktoren zu berücksichtigen und auf die Wissenschaftsstadt auszurichten sind. Daher ist die wissenschaftsbasierte Stadtentwicklung eine gemeinsame Daueraufgabe, bei der alle gesellschaftlichen Teilbereiche zusammenwirken und sich einbringen müssen. Die Beteiligung am Wettbewerb und der Titelgewinn stellen eine gute Grundlage zur Weiterentwicklung der Wissenschaftsstadt Mainz dar, wenngleich der Titelgewinn nur als ein Baustein innerhalb eines langfristigen Entwicklungsprozesses anzusehen ist. Sowohl die im Rahmen der Antragstellung formulierten Säulen und Ziele als auch die Handlungsempfehlungen der vorliegenden Untersuchung und der Zukunftskonferenz sind in Stadtentwicklungsprozessen zu berücksichtigen, um Mainz in einem gemeinschaftlichen Prozess als Wissenschaftsstadt weiterzuentwickeln.

Die von den Evaluatoren der Fachhochschule Osnabrück und im Lübecker Katalog empfohlene Vernetzung von Wissenschaftsstandorten ist auch im Falle von Mainz mit Blick auf das Rhein-Main-Gebiet sinnvoll. Zunächst sollte jedoch eine bessere Positionierung und Etablierung der Stadt Mainz angestrebt werden.

 
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