Desktop-Version

Start arrow Sozialwissenschaften arrow Wissenschaftsbasierte Stadtentwicklung

< Zurück   INHALT   Weiter >

5.1.2 Ziele des Wettbewerbsantrags der Stadt Mainz sowie Aktivitäten zur Zielerreichung

Die Grundlage zur nachhaltigen Sicherung der im Antrag formulierten Ziele der Stadt Mainz zur Weiterentwicklung als Wissenschaftsstadt ist nach Aussagen der Befragten auf übergeordneter Ebene durch die entstandenen und gefestigten Vernetzungen gewährleistet. Die thematischen Säulen und die darunter formulierten Ziele wurden durch zentrale Maßnahmen (Transferstelle Bildung, Transfercafé, Umweltbildungszentrum etc.) sowie zusätzlich durch verschiedene Projekte bearbeitet (vgl. Tab. 11 bis 13).

Innerhalb der wissenschaftsbasierten Stadtentwicklung, die die Stadt Mainz verfolgt, stehen Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit als wesentliche Elemente der Gesamtstrategie im Fokus. Durch Aktivitäten der Transferstelle Bildung, dem zentralen Projekt der ersten Säule (Kommunale Bildungslandschaften), das zwischen Bildungspraxis und Wissenschaft vermittelt, wird eine direkte Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung durch Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Praxis angestrebt. Zur Verbesserung der Chancengleichheit ist der Transfer zwischen Bildungspraxis und Wissenschaft auszuweiten, Ergebnisse der durchgeführten wissenschaftlichen Studien müssen wie geplant in entsprechende Maßnahmen münden. Die Umsetzung der Ergebnisse der Studien in Stadtentwicklungsprozesse – nicht nur als wünschenswerter Effekt des Wissenschaftsjahres, sondern als langfristiges Kennzeichen der Wissenschaftsstadt Mainz – erfolgt bislang nur unzureichend, z.T. aufgrund fehlender Mittel, z.T. aufgrund des geringen Handlungsspielraums der Kommunen in Bildungsfragen (vgl. Kap. 4.3). Wenngleich die Stärkung des Bewusstseins in diesem Bereich zumindest eine Grundlage für entsprechende Maßnahmen darstellt, besteht hier mit Blick auf die gesetzten Ziele Handlungsbedarf. Die Transferstelle hat zum Zeitpunkt der letzten Befragungsrunde nicht die erwarteten Erfolge erzielen können (vgl. Kap. 4.3.11). Durch den Titelgewinn war es jedoch möglich, die Maßnahmen zu erproben. Die Erfahrungen sind als Grundlage zur konzeptionellen Weiterentwicklung der Transferstelle zu nutzen, die wichtig ist, um eine stärker richtungsweisende und gestalterische Einflussnahme der Transferstelle Bildung zu erzielen. Eine Weiterfinanzierung und Optimierung der Transferstelle ist die Voraussetzung, damit sie ihrem Leuchtturmcharakter Rechnung tragen und einen langfristigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Wissenschaftsstadt Mainz leisten kann. Nach Ende des Förderzeitraums der Transferstelle Bildung (Ende März 2014) ist jedoch weder eine Weiterfinanzierung noch eine Einbindung der bestehenden Koordinatorenstelle oder der Aufgaben der Transferstelle in eine ähnlich gelagerte Einrichtung oder ein strategisches Konzept der JGU oder der Stadt geplant.

Das Transfercafé als zentrales Projekt der zweiten Säule (Arbeitswelten der Zukunft) wurde als Transferstelle eingerichtet, die den Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft unterstützen soll – ein zentraler Ansatz in Konzepten wissensbasierter Stadtentwicklung. Drei Jahre nach dem Wissenschaftsjahr werde das Transfercafé lediglich als Veranstaltungsformat unter dem Dach der Wissenschaftsallianz fortgeführt, berichtet die Projektleitung des Transfercafés. Es werde weiterhin federführend von der FH Mainz betrieben in Kooperation mit der JGU, der Stadt Mainz (Wirtschaftsförderung und Investorenleitstelle), der IHK, der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP)[1] und dem Transfernetz Rheinland-Pfalz, die ebenfalls zum Ziel haben, Unternehmen und Wissenschaft zu ausgewählten Themenbereichen zusammenzubringen. Je nach Thematik der Veranstaltung werde darüber hinaus mit verschiedenen Wissenschaftseinrichtungen wie der Universitätsmedizin, dem IMM, der KH und den MPI zusammengearbeitet. Auch künftig seien Veranstaltungen in Planung, jedoch deutlich weniger als im Rahmen des Wissenschaftsjahres. So haben in den Jahren 2012 und 2013 jeweils zwei Veranstaltungen stattgefunden, die sehr gut besucht gewesen seien und ein positives Feedback geliefert hätten. Aus den Veranstaltungen seien auch Vernetzungen hervorgegangen, so berichtet die Projektleitung des Transfercafés weiter. Gemeinsam mit dem Gründungsbüro und anderen in der Stadt Mainz bestehenden Einrichtungen und Initiativen ist der Wissensund Technologietransfer weiterzuverfolgen. V.a. sind aber bauliche Maßnahmen zentral (s.o.), um die unter der zweiten Säule formulierten Ziele realisieren zu können.

Die Museen, die unter der dritten Säule (Schauplätze des Wissens) im Zentrum standen, erfuhren im Rahmen des Wissenschaftsjahres als Wissensräume eine Weiterentwicklung und stärkere Wahrnehmung. Hierdurch wurde gleichsam die Vision vorangetrieben, eine Kultur des Wissens in der Bevölkerung zu etablieren. Eine Bereicherung ihres Angebots erfolgte durch gemeinsame Ausstellungen mit Wissenschaftseinrichtungen. Wissenschaftlichen Einrichtungen war es auf diese Weise möglich, ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die entstandenen Kontakte sollten genutzt werden, um die Zusammenarbeit fortzuführen. Um auch künftig Schauplätze des Wissens zu schaffen, wurde ein Konzept entwickelt, nach dem im Zweijahresrhythmus eine Verortung der Themen Wissenschaft und Bildung in einer bestehenden Institution, vorzugweise einem Museum, stattfindet. Auf diese Weise würde auch für eine nachhaltige Zusammenarbeit der Museen mit anderen Wissenschaftseinrichtungen Sorge getragen werden. Im Rahmen von Sonderausstellungen könnten Forschungsergebnisse der Wissenschaftseinrichtungen präsentiert werden. Zudem besteht in den Räumlichkeiten u.a. die Möglichkeit, Netzwerktreffen und Vortragsveranstaltungen durchzuführen. Mit dieser Initiative soll das bestehende Netzwerk gestärkt werden und die Idee eines Hauses des Wissens – das aufgrund der Finanzlage der Stadt und der beteiligten Einrichtungen nicht in einer eigenen Immobilie verortet werden konnte – zumindest in Ansätzen aufgegriffen werden.

In der großen Anzahl von Projekten, die im Rahmen des Wissenschaftsjahres durchgeführt wurden, spiegeln sich die hohe Bereitschaft und die große Motivation der Akteure wider, einen Beitrag zur Wissenschaftsstadt zu leisten. In dem Ausmaß, wie dies im Wissenschaftsjahr erfolgte, kann das Engagement nicht fortgeführt werden. Insgesamt sind durch das Wissenschaftsjahr jedoch die Potenziale im Bereich der Wissenschaftskommunikation deutlich geworden. Zahlreiche Ideen konnten realisiert und erprobt werden, wodurch in der Wissenschaftskommunikation ein qualitativer Sprung verzeichnet wird, von dem die Stadt auch künftig profitiert. Mit der Projektauswahl wurde versucht, einer Kombination von Projekten und Veranstaltungen mit Eventcharakter und solchen mit Entwicklungsanspruch Rechnung zu tragen. Die Fortführung von erfolgreichen Projekten und Veranstaltungsformaten ist wünschenswert, mit Blick auf die Finanzierung jedoch nicht gesichert. Die Nachhaltigkeit zielgruppenorientierter wissenschaftlicher Veranstaltungsformate ist notwendig, um ein dauerhaftes öffentliches Interesse und Bewusstsein im Sinne einer Wissenskultur zu erzeugen. Aufgrund der z.T. bereits seit Jahrzehnten etablierten Veranstaltungsformate sind die Voraussetzungen auf Projektund Veranstaltungsebene innerhalb der Stadt insgesamt als gut zu bewerten. Ein Fokus sollte – mit Blick auf die Zielsetzung der Stadt Mainz im Bereich Bildungsund Chancengerechtigkeit – auf Projekten mit Entwicklungspotenzialen liegen. Die begonnene Bündelung von Aufgaben und thematischen Projekten sowie die Optimierung der Austauschprozesse durch Verzahnung der Akteure muss fortgesetzt werden, indem entsprechende Strukturen geschaffen werden.

Formulierte Ziele bzw. Themen, die geplant waren, aber nicht entsprechend durch Projekte abgebildet wurden, liegen insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung. Auch die Weiterentwicklung der Stadt als Medienstandort bzw. als Ausbildungsstandort im Bereich Medien konnte durch den Titelgewinn nicht wie im Antrag formuliert vorangetrieben werden. Die im Bereich Umwelt gesetzten Ziele sind wichtig, um ein attraktives Lebensumfeld für die Kreative Klasse (vgl. Kap. 2.3.3) zu schaffen, die Voraussetzungen sind jedoch aufgrund fehlender Forschungsrichtungen am Standort schwierig. Wenngleich der durch

das neue Zentrum vorangetriebene Bereich der Umweltbildung eine wichtige Grundlage zur Verbesserung darstellt, sind weitere, umfangreiche Maßnahmen durch die Stadt zu initiieren, um im Bereich Umwelt Akzente zu setzen und die ökologische Situation innerhalb der Stadt nachhaltig zu verbessern.

  • [1] „Die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) stärkt im gemeinsamen Engagement von Wirtschaft und Politik das Land als internationalen Wirtschaftsstandort und fördert seine Attraktivität als Lebensund Arbeitsraum und als zentraler europäischer Ort der Kultur. Sie vermittelt zwischen den gesellschaftlichen Gruppen, fördert einen sachlichen und nachhaltigen Dialog und gibt Impulse für zukunftsweisende Themen und Projekte. 80 Persönlichkeiten, Unternehmen und Institutionen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur tragen diese bundesweit einmalige Form der öffentlich-privaten Zusammenarbeit“ (Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz o.J.)
 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics