Desktop-Version

Start arrow Sozialwissenschaften arrow Wissenschaftsbasierte Stadtentwicklung

< Zurück   INHALT   Weiter >

5.1 Zentrale Ergebnisse und Handlungsempfehlungen

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen vielfältige Effekte und nachhaltige Wirkungen des Titelgewinns Stadt der Wissenschaft 2011 auf die Weiterentwicklung der Stadt Mainz als Wissenschaftsstadt auf, die in Kapitel 4.2.11 ausführlich beschrieben wurden. Die folgende Zusammenfassung konzentriert sich auf die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen in den Bereichen Strategieentwicklung, Ziele der Wissenschaftsstadt Mainz sowie Aktivitäten zur Zielerreichung, Netzwerkentwicklung sowie Image, Standortmarketing und Kommunikationsstrategie.

5.1.1 Strategieentwicklung

Im Rahmen der Bewerbung um den Titel Stadt der Wissenschaft erfolgten in einem partizipativen Verfahren die Festlegung bedeutender Ziele für die Wissenschaftsstadt Mainz sowie die Konzeption von Projekten und Maßnahmen zur Erreichung und nachhaltigen Sicherung der Ziele. Diese Vorgehensweise trägt dem Umstand Rechnung, dass eine nachhaltige, wissenschaftsbasierte Stadtentwicklung eine Gemeinschaftsaufgabe ist, bei der alle gesellschaftlichen Bereiche zusammenwirken müssen, um aktuelle Problemlagen der Stadtgesellschaft angehen zu können. Die vorangegangene Beschäftigung mit Zukunftsfragen und Visionen der Wissenschaftsstadt Mainz, die Auseinandersetzung mit ihren Stärken und Kompetenzfeldern sowie Schwächen und Problemfeldern, unter Einbezug regionaler Akteure aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, stellt einen guten Ausgangspunkt im Prozess einer wissensbasierten Stadtentwicklung dar (vgl. u.a. Knowledge City-Strategie nach FRANZ Kap. 2.3.4). Mit der Zukunftskonferenz nach Abschluss des Wissenschaftsjahres wurde die gemeinsame Strategieentwicklung fortgeführt. Die im Rahmen der Konferenz festgehaltenen Ergebnisse sind durch die Stadt Mainz gemeinsam mit Akteuren, wie der Mainzer Wissenschaftsallianz und Zusammenschlüssen wie dem nach wie vor bestehenden Lenkungsausschuss des Stadt der Wissenschaft-Gesamtprojektes, auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen, um den angestoßenen Prozess weiterzuführen.

Das Wissenschaftsjahr hat viele Akteure, darunter auch Entscheidungsträger der Stadt, aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur durch eine intensive

Einbindung in die Aktivitäten rund um das Wissenschaftsjahr mobilisiert und für das Thema einer wissenschaftsbasierten Stadtentwicklung sensibilisiert. Die erreichte stärkere Identifikation mit der Wissenschaftsstadt, das Bewusstsein für das Thema und den Handlungsbedarf sind wichtige Voraussetzungen, um in der Breite Zustimmung und Unterstützung für eine langfristige Förderung von Wissenschaft zu erreichen. In diesen Bereichen sind Parallelen zu den Evaluationsergebnissen der Fachhochschule Osnabrück zu erkennen, nach denen Wissenschaft und Forschung durch den Wettbewerb als wichtige Standortfaktoren ins Bewusstsein gerückt sind und entsprechende Standortkonzepte entwickelt wurden (vgl. HOHN und MEYER 2010: 24). Dieser Ansatz muss weiterverfolgt werden, um langfristige Erfolge bei der Positionierung als Wissenschaftsstadt erzielen zu können. Ein stärkerer Einbezug politischer Akteure wird dabei von den Befragten als wichtige Voraussetzung für weitere positive Entwicklungen erachtet. So sind entsprechende Stadtratsbeschlüsse notwendig, um der wissenschaftsbasierten Stadtentwicklung eine höhere Priorität einzuräumen und eine Fortführung angestoßener Prozesse zu gewährleisten. Zu dem Schluss kommen ebenfalls die Evaluatoren der Fachhochschule Osnabrück, die formulieren, dass langfristige Effekte des Wettbewerbs auf die Stadtentwicklung in hohem Maße von Entscheidungen der Kommunalpolitik abhängig sind (HOHN und MEYER 2010: 4).

Viele Forschungsbereiche und Kompetenzfelder (z.B. Archäologie und Geschichte) haben durch den Titelgewinn eine größere Aufmerksamkeit erlangt. Damit sie weiterhin zur Profilbildung der Wissenschaftsstadt Mainz beitragen können, ist eine entsprechende Förderung notwendig.

Auf die bauliche Struktur der Wissenschaftsstadt Mainz hatte der Titelgewinn in geringem Maße Auswirkungen (Umweltbildungszentrum, Archäologisches Zentrum). In diesem Bereich wird jedoch erheblicher Bedarf von den befragten Experten gesehen, insbesondere was die Nutzung des an den Campus anschließenden Geländes für hochschulnahes Gewerbe betrifft. Dort könne eine Infrastruktur geschaffen werden, die einer Wissenschaftsstadt angemessen ist und die Strukturen und Prozesse ihrer Weiterentwicklung fördert. Hiermit verbunden ist die Forderung nach einer weiteren Unterstützung und Intensivierung des Technologietransfers sowie nach Unterstützungsmaßnahmen für Studierende und Existenzgründer. Eine entsprechende Infrastruktur in Form beratender Anlaufstellen und Fördermöglichkeiten sowie baulicher Maßnahmen ist auch für die Anwerbung externer Wissenschaftler und qualifizierten Nachwuchses sinnvoll. Den beschriebenen Bereichen sollte im Rahmen der strategischen Weiterentwicklung der Wissenschaftsstadt Mainz eine hohe Priorität eingeräumt werden.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics