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4.5.7 Wirkungen des Titelgewinns auf die Wissenschaftsstadt Mainz

Neben den Wirkungen des Titelgewinns auf die Museen, wurden die Direktoren zu Wirkungen des Wissenschaftsjahres auf die Weiterentwicklung der Stadt Mainz als Wissenschaftsstadt befragt. Aus Sicht eines Museumsdirektors profi-

tiert die Stadt nicht innerhalb eines Jahres von einer Maßnahme wie Stadt der Wissenschaft. Es sei eine Weichenstellung vorgenommen worden, indem die

„Stadtlenker“ entschieden hätten, Mainz als Wissenschaftsstandort zu positionieren. Das Engagement in diesem Bereich dürfe nun nicht enden. Dafür müsse die Stadt permanent sorgen. Alles, was die Stadt entscheide, müsse unter dem Aspekt entschieden werden, Mainz als Wissenschaftsstandort zu positionieren. Die Weiterführung der Idee wird – insbesondere mit Blick auf die fehlenden finanziellen Mittel – als schwierig und aufwändig, aber auch als notwendig eingeschätzt:

„Es war schwierig, dieses Projekt zu initiieren. Aber es wird noch schwieriger, es zu perpetuieren. Da müssen sich jetzt alle drum kümmern. Mit einigen Mitstreitern sind wir nicht müde geworden zu sagen: ‚Wenn 2011 vorbei ist, ist es nicht vorbei, sondern dann fängt es eigentlich erst richtig an.' Und manche sagen: ‚Ja, jetzt sind wir ja nicht mehr Stadt der Wissenschaft.' Das ist nicht richtig. Wir haben den Titel Stadt der Wissenschaft 2011 und den behalten wir für alle Zeiten. Und damit müssen wir auch punkten“ (MD II).

„Kreativität ist das Allerwichtigste. Aber zusätzlich natürlich auch die finanziellen Ressourcen. Und dass es hier kreative Leute in der Stadt gibt, ich glaube, das hat jetzt auch der Allerletzte begriffen“ (MD II).

Wissenschaft und Forschung seien im Vergleich zu anderen Imageträgern in der Vergangenheit nicht entsprechend berücksichtigt worden. Im Rahmen des Wissenschaftsjahres seien die Wissenschaftseinrichtungen stärker ins Blickfeld gerückt:

„Ich denke schon, dass für die breite Öffentlichkeit eine sehr wichtige Facette der Stadt Mainz [Wissenschaftseinrichtungen] dazugekommen ist“ (MD I).

Die Wirkungen des Titelgewinns lassen sich nach Meinung eines Befragten jedoch erst in einigen Jahren messen. Hierzu müsse die Bevölkerung in Mainz nach ansässigen Forschungseinrichtungen und forschenden Unternehmen befragt werden. Der jährlich stattfindende Wissenschaftsmarkt sei ein gelungenes Format, um Leute für Wissenschaft zu interessieren. Hier würden wiederum die Akteure teilnehmen, die sich im Rahmen des Wissenschaftsjahres engagiert hätten. Diese Forschungseinrichtungen hätten eine gewisse „Bringschuld“ (MD I) gegenüber der breiten Öffentlichkeit. Mit Blick auf einen Imageeffekt wird resümiert:

„Es ist ja auch geworben worden mit dem Label. Und es ist berichtet worden über die Nachfolge-Stadt. Und ich denke dann schon, dass sich eingeprägt hat bei dem einen oder anderen, dass Mainz diesen Titel errungen hat und dass dann auch durch-aus was dahintersteckt. […] insofern war das sicherlich auch eine gute Werbung oder eine gute Imagesache für Mainz“ (MD III).

Wissenschaft und Forschung seien für das Fortkommen des Landes von entscheidender Bedeutung, dies sei im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.

„Wir haben eine der weltbedeutendsten Forschungseinrichtungen hier [RGZM], was aber die Mainzer – der Prophet im eigenen Lande – nicht in dieser Form wahrnehmen. Von Russland aus sieht man das gut, von China und auch von Amerika. Aber nicht aus Mainz. Und so glaube ich, ist das Trommeln auch in der breiten Öffentlichkeit für die Forschungseinrichtungen sehr wichtig“ (MD I).

Die Direktoren zeigen eine persönliche Bereitschaft, sich nachhaltig für die Weiterentwicklung der Stadt Mainz als Wissenschaftsstadt zu engagieren und sich an Netzwerken und Projekten zu beteiligen.

4.5.8 Resümee zu Schauplätze des Wissens

Nicht nur die Stadt hat die Rolle der Museen für die Weiterentwicklung von Mainz als Wissenschaftsstadt erkannt. Auch die Museen begreifen sich als Schaufenster der Wissenschaft und fungieren in Zusammenarbeit mit den lokalen Wissenschaftseinrichtungen als solche. Zwar wird deutlich, dass die Museen bereits vor Stadt der Wissenschaft die Rolle wahrgenommen haben und die Ziele von der dritten Säule eng mit generellen Kernzielen der Museen verbunden sind, dieses Selbstverständnis und die Zusammenarbeit mit den in Mainz ansässigen Wissenschaftseinrichtungen konnte durch das Wissenschaftsjahr jedoch vertieft werden. Die im Rahmen des Wissenschaftsjahres durchgeführten Projekte und Ausstellungen haben aus Sicht der Direktoren bereits dazu beigetragen, die formulierten Ziele zu erreichen. Auch künftig ist eine Reihe an Kooperationsprojekten geplant, die zur nachhaltigen Sicherung des Ziels beitragen sollen. Auch die Wissenschaftsallianz wird in dem Zusammenhang als wichtige Einrichtung betrachtet. Die Nachhaltigkeit der entstandenen Netzwerke manifestiert sich z.T. in Kooperationsverträgen. Nicht nur zu Wissenschaftseinrichtungen, auch zu Bürgern, der Stadt oder der Wirtschaft haben sich Kontakte intensiviert, wenngleich z.T. schon seit langer Zeit etablierte Kontakte bestehen. Mit Netzwerken sind fast ausschließlich Vorteile verbunden und es wird ein gutes Kooperationsklima innerhalb der Stadt bescheinigt. Eine Institutionalisierung der Netzwerke wird als erforderlich angesehen. Insgesamt hatte das Wissenschaftsjahr aus Sicht der Direktoren vielfältige positive Wirkungen für die Stadt und ihre Museen. Der Stellenwert von Wissenschaft wird für die Weiterentwicklung der Stadt Mainz als überaus wichtig erachtet, weshalb auch künftig ein entsprechendes Engagement von der Landesregierung und der Stadt erwartet wird.

 
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