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4.5.2 Kommunikation und Zusammenarbeit

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres hat sich die Kommunikation und Zusammenarbeit der Museen mit der Stadtverwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, anderen Kulturbzw. Bildungseinrichtungen, Bürgern / Öffentlichkeit und Presse in unterschiedlichem Maße verändert. Z.T. bestanden bereits gute Kontakte, z.T. sind neue oder stärkere Netzwerke entstanden, insbesondere im Rahmen von Kooperationsprojekten. Insgesamt berichten die Befragten von einer hohen Kooperationsbereitschaft innerhalb der Stadt.

Das NHM habe bereits vor dem Wissenschaftsjahr eine Menge an Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen geführt, es sei in der nationalen und internationalen Museumslandschaft gut vernetzt:

„Wir unterhalten umfangreiche wissenschaftliche Sammlungen im Bereich Naturwissenschaften. Und diese Sammlungen sind so etwas wie eine Forschungsinfrastruktur. Und diese Forschungsinfrastruktur, die wird genutzt – weltweit im Grunde genommen – für Forschungsfragestellungen“ (MD II).

Vor dem Hintergrund des Wissenschaftsjahres habe das NHM jedoch Kontakt zu den Mainzer Hochschulen aufgenommen, zuvor sei es in der Stadt weniger vernetzt gewesen:

„Am wenigsten waren wir hier in Mainz vernetzt […]. Stadt der Wissenschaft hat den Fokus tatsächlich total auf die Stadt gerichtet. Das war auch für uns eine tolle Erfahrung“ (MD II).

Einige Wissenschaftler hätten auf Anfrage hin Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. Kooperationen mit der Universität bezögen sich auf Inhalte (Präsentation naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse, z.T. auch Objekte), während die FH Mainz im Rahmen von Kooperationen eher bei der gestalterischen Umsetzung unterstützt habe, insbesondere durch ihre Kompetenzen im Bereich Mediendesign. Das NHM habe sehr viel Unterstützung von den Hochschulen und ihren Leitungen erfahren. Auch nach dem Wissenschaftsjahr stehe es als Schaufenster der Wissenschaft für gemeinsame Projekte zur Verfügung. Dies sei auch an die Hochschulen kommuniziert worden. Es werde bereits an Folgekooperation gearbeitet, die auf den Kontakten beruhten, die im Rahmen des Wissenschaftsjahres geknüpft worden seien.

„Wir sind gerne Standbein dieser Einrichtungen [Hochschulen] hier in der Stadt. Wann immer jemand sagt: ‚Ich hab da was Spannendes', sind wir sofort bereit und nehmen das mit in den Ausstellungsplan. Zurzeit arbeiten wir bspw. mit den Gentechnikern an einer Gentechnikausstellung“ (MD II).

„Das hat es eben vorher nicht gegeben. Und das ist schon so eine Art Nachhaltigkeit von der ich auch glaube, dass sie dauerhaft sein wird“ (MD II).

Im Rahmen von Stadt der Wissenschaft seien neben guten Erfahrungen mit staatlichen Einrichtungen auch solche in der Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaft gemacht worden, berichtet der Direktor des NHM. So sei über die Wissenschaftsallianz eine Ausstellung mit Boehringer Ingelheim entstanden. Das Museum sei zudem in die Wissenschaftsallianz aufgenommen worden, in der auch die anderen forschenden Unternehmen und Einrichtungen der Stadt und der Umgebung zusammengeschlossen sind. Die Wissenschaftsallianz stelle eine gute „Kontaktbörse“ (MD II) dar.

Abgesehen von den positiven Wirkungen einer Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen für die Museumsbesucher seien Forschungsnetzwerke wichtig, so der Direktor des NHM weiter. Mit Forscherteams aus den Instituten der Stadt und der Region werde an der Erforschung des Vulkanismus in der Region gearbeitet oder an der 3D-Visualisierung von ausgestorbenen Lebensformen.

Das Wissenschaftsjahr habe für das RGZM in der Kommunikation mit anderen gesellschaftlichen Teilbereichen nichts verändert, erklärt der Direktor, weil es bereits zuvor sehr gut vernetzt gewesen sei und eine hochaktive Öffentlichkeitsarbeit betreibe:

„Wir haben mit allen, mit denen wir das gemacht haben, auch vorher beste Kontakte gehabt […]. Wir haben Kooperationsvereinbarungen mit Universität und Fachhochschule. Also wir treffen uns dauernd. Es gibt auch andere Formate, wo man sich immer wieder begegnet“ (MD I).

Neben den intensiven Kooperationen mit Firmen wie Schott, z.B. im Rahmen der Neugestaltung des Schifffahrtsmuseums, und mit Forschungseinrichtungen wie dem MPI oder der FH Mainz (seit 20 Jahren) habe das RGZM 2011 mit der JGU den WissenschaftsCampus[1] eingerichtet. In der Archäologie sei ein Forschungsnetzwerk mit den gesamten Naturwissenschaften und vielen Geisteswissenschaften von zentraler Bedeutung und deshalb selbstverständlich. Diese Netzwerke seien somit nichts Neues, aber „etwas unglaublich Wichtiges“ (MD I).

Das Bewusstsein in der Bevölkerung für die in der Stadt Mainz ansässigen exzellenten Forschungsinstitute habe sich durch das Wissenschaftsjahr verstärkt, so der Direktor des RGZM. Manche Forschungseinrichtungen seien durch das Wissenschaftsjahr angeregt worden, mehr Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.

Die Direktorin des Gutenberg-Museum habe zeitgleich mit dem Titelgewinn ihr Amt übernommen. Aufgrund der hohen Erwartungen an das Museum und aufgrund der Tatsache, dass keine Vorplanung habe stattfinden können, sei sie in ein Netzwerk eingestiegen und habe zudem ein neues Netzwerk mit der FH Mainz (Fachbereich Gestaltung) gegründet.

„Wir haben Stadt der Wissenschaft zum Anlass genommen, eine Kooperation zu begründen, die natürlich auch jetzt über Stadt der Wissenschaft hinaus sehr tragfähig ist und ausgebaut wird. Das war also ein absehbarer Gewinn. Und es wäre die Frage gewesen, ob das ohne Stadt der Wissenschaft tatsächlich auch so schnell hätte durchgeführt werden können. Weil es war ja ein aktueller Anlass da, um Ausschau zu halten, mit wem könnte ich kooperieren oder wo kann man Expertisen zusammenführen?“ (MD III).

Das Gutenberg-Museum habe im Rahmen des Wissenschaftsjahres neben der FH Mainz auch Kontakte zu anderen gesellschaftlichen Bereichen intensiviert oder hergestellt. Im Rahmen der Ausstellung Moving Types als Medienausstellung habe das Gutenberg-Museum insgesamt gute Kontakte zur Kreativwirtschaft schließen können. Auch das Forum Mainzer Medienwirtschaft[2] sei zu Gast gewesen mit Firmen, die in dem Bereich tätig und in der Region ansässig seien.

„Und das war z.B. auch ein neuer Kontakt, wo wir in ein bestehendes Netzwerk Eingang gefunden haben“ (MD III).

Zudem seien Kontakte zur Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement entstanden. Das Gutenberg-Museum habe die Möglichkeit gehabt, die Genese des Ausstellungsprojektes Moving Types vorzustellen. Kontakte zur JGU, traditionell zur Buchwissenschaft und zur Kunstgeschichte, habe es schon lange gegeben, diese seien jedoch intensiviert worden. Insgesamt wird von einer großen Kooperationsbereitschaft innerhalb der Stadt berichtet:

„Es gibt ganz viele Möglichkeiten hier, innerhalb der Stadt. Man muss eigentlich nur zugreifen oder die Leute ansprechen. Und ich persönlich habe erlebt, dass eine sehr große Bereitschaft besteht. Die Leute sagen: ‚Mensch toll! Wir haben uns das immer gewünscht, aber es kam nie jemand auf uns zu oder es hat niemals die Kontakte gegeben.' Und deshalb habe ich das Gefühl, das Gutenberg-Museum wird mit offenen Armen aufgenommen. Und das ist eine schöne Erfahrung“ (MD III).

  • [1] „Beim Konzept des WissenschaftsCampus handelt es sich um eine Initiative der LeibnizGemeinschaft, welche zum Ziel hat, außeruniversitäre und universitäre Forschung stärker zu vernetzen. Unter dem Dach des Campus sollen Exzellenzen gebündelt, strategische Forschung betrieben, Interdisziplinarität befördert sowie das Forschungsprofil des Standortes gestärkt werden.“ „Ziel des WissenschaftsCampus Mainz ist es, eine breite Plattform für interdisziplinäre Byzanzforschung institutionell zu etablieren“ (Römisch-Germanisches Zentralmuseum o.J.c)
  • [2] „Der Zukunftsbeirat Mainzer Medienwirtschaft ist eine Initiative von Wirtschaft, Rundfunkanstalten Wissenschaft und Politik.“ (Forum Mainzer Medienwirtschaft o.J.b) Tätigkeitsfelder sind die Zukunftsentwicklung des Medienstandortes Mainz, der Wissenstransfer, insbesondere von Wirtschaft und Wissenschaft, sowie die Unterstützung von Kooperation v.a. mit Blick auf die Ausund Fortbildung in der Medienwirtschaft (ebd.)
 
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