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4.4.6 Stärken und Schwächen sowie Fortführung des Transfercafés

Aufgrund der vielfältigen Vorteile von Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wird die Einrichtung einer Transferstelle von den Gesprächspartnern als notwendig erachtet. Es bestehe ein großer Bedarf darin, dass sich die wissenschaftlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen sowie die Wissenschaftseinrichtungen untereinander besser kennenlernten und vernetzten, wie es in den Zielen des Transfercafés definiert ist. Befragt nach der Notwendigkeit der Transferstelle resümieren Befragte:

„Sehr wichtig, denke ich, weil man natürlich gar nicht immer alles wissen kann, was es so gibt. Das merken wir oft, dass man dann irgendwie herausfindet: ‚Ach ja, genau. Die Lösung meines Problems sitzt irgendwie am Messestand nebendran oder drei Straßen weiter.' Und da hoffe ich, dass es eben ein bisschen besser wird durch diese Netzwerke“ (TC V).

„Die Notwendigkeit sehe ich nicht nur für die am Anfang genannten Ziele, sondern ich sehe auch einen großen Effekt darin, dass die Organisationen, die das zusammen veranstalten, näher gerückt sind und die Kooperationen der beteiligten Partner untereinander verstärkt werden“ (TC III).

Die Maßnahme Transfercafé ist trotz der in den letzten Unterkapiteln genannten Einwände aus Sicht der Koordinatorin grundsätzlich geeignet, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Ziele sowie die Maßnahme als solche seien jedoch zu überarbeiten.

Als Stärke des Transfercafés wird die erfolgte Vernetzung der beteiligten Wissenschaftseinrichtungen genannt, zu der die Transferstelle einen großen Anstoß gegeben habe. Die Einrichtungen seien „ein gutes Stück weit zusammengerückt“ (TC I).

Als Schwäche des Transfercafés wird die für die verfolgten Ziele als unzureichend empfundene Personalausstattung angeführt. Mit einer besseren Personalausstattung hätte das Transfercafé anders aufgezogen, die Veranstaltungen hätten intensiver vorbereitet werden können. Es hätten stärker Akteure aus der gesamten Region angesprochen werden müssen, die Berührungspunkte mit der Thematik der Veranstaltung und Interesse an den vorgestellten Erfindungen haben.

„Nicht so gut gelaufen ist, mehr Unternehmen zu motivieren an den Veranstaltungen teilzunehmen, die sie betreffen. Und selbst die Firmen, die in dem Bereich tätig sind, ich weiß nicht, ob wir sie nicht wirklich erreichen konnten oder ob sie irgendwie nicht so verstanden haben, um was es geht“ (TC II).

Die Veranstaltung zur Nanotechnik sei deshalb schlecht besucht gewesen, da dieser Bereich zwar einen Schwerpunkt an der JGU bilde, es in Mainz und Umgebung jedoch kaum in diesem Feld tätige Unternehmen gebe. Künftig solle daher umgekehrt vorgegangen und eruiert werden, welche Firmen vor Ort sind und welche Themen der Wissenschaftseinrichtungen zu diesen passten.

„Man müsste einen Mitarbeiterstab beschäftigen, der genau herausfindet, welche Unternehmen der Region sich genau mit diesem Feld beschäftigen und eventuell aus diesen Erfindungen den Transfer ableiten können“ (TC IV).

Insgesamt sei der Bedarf der Wirtschaft stärker zu eruieren, z.B. im Rahmen einer Veranstaltung Was brauchen Unternehmer?. In diesem Zusammenhang wird die Idee geäußert, auch Akteure aus der Wirtschaft im Rahmen der Veranstaltungen des Transfercafés vortragen zu lassen, bspw. Personen, die ein Startup gründen möchten. Damit könne erreicht werden,

„dass sich die Unternehmen im Rahmen des Transfercafés ganz klar positionieren, sich vorne hinstellen und sagen: ‚Das möchten wir. Wir möchten, dass die Forschung in die und die Richtung geht.' Und dann kann die Wissenschaft die Antwort liefern. Also die Wissenschaft macht nicht die Vorgaben, sondern ist der Empfänger von diesen Botschaften“ (TC IV).

Grundsätzlich wird als sinnvoll erachtet, Unternehmensbesuche durchzuführen, um dort gezielter bestimmte Portfolios zu besprechen, wobei dies bei der derzeitigen Personalausstattung durch das Transfercafé nicht geleistet werden könne.

Der Erfolg des Transfercafés werde nach Meinung eines Befragten davon abhängen, ob Entscheidungsträger vor Ort sein werden, die Interesse an neuen Ideen haben und bereit sind, Risiken einzugehen, zu investieren und den Wissenschaftlern Vertrauen entgegenzubringen. Um diese Personen zu erreichen, wird als sehr wichtig erachtet, das Transfercafé entsprechend zu bewerben, insbesondere die Veranstaltungsabende, und diese mit geeigneten Referenten ansprechend zu konzipieren, welche die wissenschaftlichen Konzepte, Ideen und Innovationen vermitteln können. Prominente Experten auf einem Gebiet gewinnen zu können, um Aufmerksamkeit zu erlangen, wird in diesem Zusammenhang als wichtig erachtet. Hierzu folgende Ergänzung:

„So waren es eher lokale Größen, die nicht so im medialen bzw. öffentlichen Bewusstsein sind und das macht es immer schwierig zu vermitteln, warum man ausgerechnet zu einem Vortrag hingehen muss. Es geht halt nichts über Prominenz“ (TC IV).

Von den befragten Unternehmen gibt keines an, an künftigen Veranstaltungen bzw. Vortragsabenden des Transfercafés nicht teilnehmen zu wollen. 27 % würden künftig gerne teilnehmen, bei 73 % kommt es auf die Veranstaltung an.[1] Befragt danach, welche Art von Veranstaltung sich die Unternehmen wünschen, zeigt sich – wie bereits bei den Kooperationshemmnissen angegeben – dass hin-sichtlich Ansprechpartnern, Transferaktivitäten und Themenfeldern Informationsbedarf besteht:

Ÿ „Gegenseitige Präsentationen mit Erfahrungsaustausch und Kontaktaufnahme“

Ÿ „Info-Tag: Kooperation wie? Inhalt: Vorgehensweise, Ansprechpartner, vorhandene Möglichkeiten, Praxisbeispiele“

Ÿ „Praxisorientierte Themen. Angebote von Transferaktivitäten“

Im Rahmen der Unternehmensbefragung konnten weitere Anregungen der befragten Unternehmen zur Optimierung des Transfercafés in Form von offenen Fragen erfasst werden.

Befragt nach Erwartungen und Wünschen (z.B. thematischen) in Bezug auf das Transfercafé wird in einer offenen Frage angegeben „Führungskräftetraining, […] Gesundheit der Mitarbeiter“ sowie „persönliche Kontakte“.

Netzwerke und / oder einen stärkeren Austausch wünschen sich die befragten Unternehmen mit unterschiedlichen Bereichen wissenschaftlicher Einrichtungen in Mainz, und zwar folgenden:

Ÿ „Buchwesen / Verlagswissenschaft. Übersetzungen (Englisch, Französisch) sowie entsprechende Fachrichtungen. Historische Forschung. Kulturwissenschaften. Germanistik.“

Ÿ „In unserem Medienbereich würden wir gerne mit der Musikhochschule und dem musikwissenschaftlichen Institut sowie mit der FH im FB Medien zusammenarbeiten.“

Ÿ „Informationstechnologie“

Ÿ „IT, Projektmanagement, Web 2.0“

Ÿ „Marketing, Empirische Sozialforschung, Statistik, Methoden, Software“

Ÿ „Umweltbezogen / Klimaschutz / Energieeffizienz“

Ÿ „Universitätsmedizin, Fachbereiche Biologie, Chemie, Pharmazie“

Ÿ „Wirtschaftsinformatik, Materialprüfung“

Die unterschiedlichen Antworten verweisen auf die verschiedenen Branchen, denen die befragten Unternehmen angehören. Insgesamt besteht jedoch der Wunsch nach Unterstützung, um den Kontakt zwischen der Mainzer Wirtschaft und Wissenschaft zu intensivieren. Viele Befragte wünschen sich Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch, die vom Land bzw. der Stadt unterstützt werden sollten. Ein Ansprechpartner zur Koordinierung wird darüber hinaus als wichtig erachtet. „Information über Ansprechpartner und Interessierte müssten zur Verfügung gestellt werden“, so eine Anmerkung. Weitere Anliegen sind:

Ÿ „Informationsplattform für Publikationsvorhaben“

Ÿ „Mehr Information über Forschungsprojekte, z.B. durch Jahresberichte, Einladungen zu Vortragsund Seminarveranstaltungen. Existierende Netzwerke über bestimmte Themen, Club für Wissenschaftler aus der Universität und aus der Industrie.“

39 % der Befragten wären nicht bereit, für solche Initiativen (zur Vernetzung) Beiträge zu bezahlen, lediglich 6 % wären bereit, 56 % bedingt, je nach Serviceleistung.[2]

Die Fortführung des Transfercafés ist mit weniger Veranstaltungen geplant, zu denen gezielter Unternehmen angesprochen und die intensiver vorbereitet werden sollen. Bereits im März 2012 habe eine Veranstaltung zur Wirtschaftsgeschichte des Bundeslandes im rheinland-pfälzischen Landtag stattgefunden – mit großer Resonanz, berichtet die Hauptkoordinatorin. Die Veranstaltungen sollten an wechselnden, thematisch passenden Orten stattfinden. Die Homepage werde weiterhin gepflegt, wobei angemerkt wird, dass ein Transfercafé an einer Person hänge und nicht virtuell aufrechterhalten werden könne. Der Informationsstand stehe bis auf weiteres in der IHK für Rheinhessen. Neue Maßnahmen, Angebote oder Dienstleistungen sowie Treffen der Beteiligten sind zum Zeitpunkt der zweiten Befragung nicht geplant. Eine regionale Ausweitung des Transfercafés wird als nicht sinnvoll erachtet, wobei bereits zu Veranstaltungen im Wissenschaftsjahr Einladungen auch innerhalb Rheinhessens erfolgten. Aus Sicht der JGU sind künftig sämtliche Stellen einzubeziehen, wie die IHK oder das TZM.

Die Hauptkoordinatorin stehe weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung. Einigen Ansprechpartnern der beteiligten Wissenschaftseinrichtungen wurde die Fortführung des Transfercafés nicht mitgeteilt. Insgesamt herrscht Unklarheit, da kein Treffen stattgefunden habe, an dem die Fortführung und neue Ziele thematisiert worden seien. Die beteiligten Wissenschaftseinrichtungen zeigen sich jedoch bereit, auch weiterhin einzelne Veranstaltungen im Rahmen des Transfercafés auf Anfrage hin zu planen, Ideen liegen z.T. schon vor. Ansonsten werden wieder stärker eigene Projekte verfolgt.

Die Kosten für das Transfercafé seien – auch mit Blick auf eine Fortführung

– nicht sehr hoch. Referenten hätten bislang unentgeltlich referiert, das solle auch in Zukunft beibehalten werden. Bei den Sachkosten habe der Informationsstand die höchsten Ausgaben verursacht. Die einzelnen Einrichtungen stellten ihr Personal zur Verfügung, z.T. seien Beträge zur Deckung von Sachkosten gespendet worden. Die Programmierung der Homepage habe bspw. das IMM übernommen.

 
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