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4.4.5 Zielerreichung und Bewertung der Maßnahmen

Im Rahmen der zweiten Befragungsrunde konnten erste Ergebnisse zur Erreichung der mit dem Transfercafé verbundenen Ziele ermittelt sowie die Maßnahmen bewertet werden.

Die hohen Erwartungen der beiden hauptsächlich am Transfercafé beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen – JGU und FH Mainz – hinsichtlich der Vernetzung mit der Wirtschaft wurden innerhalb des Wissenschaftsjahres nicht erfüllt, wie folgende Aussagen belegen:

„Stückweise hat sich schon das eine oder andere ergeben, aber noch viel zu wenig. Also ich hatte mir da ein bisschen mehr erhofft“ (TC II).

„Vielleicht waren unsere Erwartungen einfach zu hoch“ (TC I).

Einzelne Vernetzungsaktivitäten – insbesondere im Rahmen der durch das Transfercafé durchgeführten Veranstaltungen – seien zu beobachten. Referenten berichteten, dass sie nach ihrem Vortrag von interessierten, z.T. auch überregionalen Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft angesprochen worden seien. Auch sei es zwischen verschiedenen Referenten einer Veranstaltung zum Austausch gekommen. Die im Rahmen des Transfercafés entstandenen Vernetzungsaktivitäten beschränkten sich jedoch – nach dem Wissensstand der Befragten – auf Einzelkontakte, Interessensbekundungen, Erfahrungsaustausch bzw. wissenschaftlichen Austausch. Es wird geäußert:

„Es erscheint mir alles sehr unkonkret. Abgesehen von Absichtserklärungen werden keine konkreten Projekte begonnen“ (TC V).

Häufig werde eruiert, welche gemeinsamen Projekte aufgesetzt werden könnten. Ein Problem stelle jedoch die Suche nach Fördermitteln zu deren Realisierung dar. Insgesamt sei die Zahl der entstandenen Kontakte bzw. der Mehrwert schwer zu messen, weil teilweise keine Rückmeldungen erfolgt seien. Von vielen Akteuren werde jedoch grundsätzlich als spannend empfunden zu erfahren, welche Forschungsaktivitäten am Standort stattfinden, erklären Interviewpartner. Die Befragten verweisen zudem darauf, dass Transferprozesse längere Zeit benötigten:

„So ein Projekt kann man auch nicht von heute auf morgen starten und gleich die Erfolgsaussichten haben“ (TC I).

Da sich die Zielgruppe auf die hohe Anzahl an – teilweise parallelen – Veranstaltungen innerhalb des Wissenschaftsjahres verteilt habe, habe sie durch das Transfercafé nicht in der Breite erreicht werden können, so eine Einschätzung.

Trotz z.T. enttäuschter Erwartungen profitierten die beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen nach Aussagen ihrer Vertreter im Wissenschaftsjahr durch das Transfercafé, indem sie im Rahmen der Veranstaltungen mit einzelnen Unternehmen oder anderen Wissenschaftlern ins Gespräch gekommen seien und den Kontakt zu einzelnen Akteuren vertiefen konnten. So seien für die Universitätsmedizin Kontakte entstanden in Richtung einzelner Wissenschaftler oder einzelner Unternehmen, die langfristig Kooperationspotenzial bergen würden. Eine gemeinsame Veranstaltung sei im Bereich Wissenstransfer in Unternehmen angedacht. Zudem hätten die Wissenschaftseinrichtungen z.T. ihren Kontaktkreis bzw. Verteiler erweitern können, was bei künftigen Fragen, Anliegen oder Veranstaltungen hilfreich sein könne. Von der KH Mainz als Fachhochschule für Gesundheitsberufe bzw. Humandienste stünden weniger Kontakte zur Wirtschaft im Vordergrund, als zu Akteuren aus dem Bereich Soziales. Die KH habe zudem mit dem Transfercafé eher die Vernetzung in die Stadt hinein verfolgt und darin, die Bevölkerung anzusprechen. Dies sei mit den Veranstaltungen gelungen. Die KH habe vom Transfercafé profitiert, indem sie im Rahmen von Veranstaltungen Probanden habe gewinnen können, die für die Durchführung von Forschungsprojekten (z.B. im Bereich Demenz oder Aphasie) benötigt würden oder indem soziale Einrichtungen auf sie aufmerksam geworden seien. Vor dem Hintergrund dieser Zielsetzung sei das Transfercafé damit als Erfolg für die KH zu werten, erklärt die Vertretung.

Insgesamt scheinen einige der beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen mit dem Transfercafé primär einen Marketingeffekt, eine Vermarktungsstrategie zu verfolgen, anstatt explizit an Wissensund Technologietransfer Interesse zu haben. Dies zeigt sich darin, dass die für das Transfercafé Verantwortlichen z.T. im Bereich des Veranstaltungsbzw. Organisationsmanagements der jeweiligen Wissenschaftseinrichtung tätig sind und nicht im Bereich Technologietransfer. Dies ist wiederum dem Umstand geschuldet, dass sich die Wissenschaftseinrichtungen in Form von Veranstaltungen am Transfercafé beteiligen. So wird auf die gute Außendarstellung durch die Anwesenheit der Presse bei den Veranstaltungen verwiesen. Unterstützt wird die Annahme zudem durch folgende Aussagen:

„Bei der Eröffnung des Transfercafés bin ich z.B. nicht durch die Reihen gegangen und hab versucht auf Leute aus der Wirtschaft zuzugehen. Für mich war in dem Moment einfach wichtig, dass wir uns darstellen“ (TC IV).

„Der Bedarf der jetzigen Kooperationen wird sicherlich bei unseren Fachbereichen nicht vom Transfercafé abhängen. Da sind noch andere Wege. Das ist ein zusätzliches Bonbon, unsere Sachen da vorzustellen“ (TC III).

„Das war für uns noch einmal ein ganz gutes Marketinginstrument“ (TC III).

Indes wird betont, dass durch das Transfercafé der Transfergedanke angestoßen worden sei und gerade bei den Akteuren aus dem Bereich des Veranstaltungsmanagements nun präsent sei. Hierzu folgende Anmerkung:

„Ich kann es nur betonen, dass dieses Thema Forschungstransfer durch das Transfercafé nun irgendwie in mein Bewusstsein geraten ist und das ist garantiert, weil das immer wieder thematisiert wird: Die Brücke zwischen Wissenschaft und der Wirtschaft – das ist ja auch ein Schlagwort, was in den Veranstaltungsflyern immer auftauchte, und das hat sich irgendwie eingeschliffen. Und ich glaube, das ist auch ein Effekt vom Transfercafé“ (TC IV).

Auch ein solcher Marketingeffekt kann in einem zweiten Schritt Transferprozesse anstoßen, indem Forschungsbereiche besser nach außen kommuniziert werden.

Neben der Vernetzung der wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt mit Wirtschaftsunternehmen stellt ein zentrales Ziel des Transfercafés die Intensivierung der Kontakte bzw. des Austauschs zwischen den Wissenschaftseinrichtungen untereinander dar. Die Zusammenarbeit der beteiligten Wissenschaftseinrichtungen wird bereits zum ersten Befragungszeitpunkt positiv beurteilt. Der Austausch erfolge zumeist telefonisch oder per E-Mail.

„Da gibt es wenig Konkurrenz. Wenn irgendwas zu klären ist, geht das immer ganz konstruktiv und auch die Kommunikation per Mail geht schnell und komplikationslos“ (TC III).

Auch im Rahmen der zweiten Befragungsrunde wird die Zusammenarbeit der beteiligten Wissenschaftseinrichtungen als sehr positiv, unkompliziert und konstruktiv beschrieben.

„Das hing an der guten Organisation und an der guten kollegialen Zusammenarbeit mit allen. Da gab es überhaupt keine Konkurrenzen sondern viel gegenseitige Unterstützung. Das war insgesamt eine sehr positive Erfahrung“ (TC III).

Die befragten Wissenschaftseinrichtungen geben an, dass zuständige Akteure sich untereinander kennengelernt hätten und durch die persönlichen Kontakte die Kontaktaufnahme unkompliziert geworden sei. Dies belegen folgende Aussagen:

„Man kennt sich einfach, die Wege sind kürzer“ (TC III).

„Da muss ich sagen, sind wir wirklich ein Stück weit noch zusammengewachsen“ (TC I).

Die beteiligten Akteure standen insbesondere mit der FH Mainz im intensiven Austausch, da hier die Organisation der Transferstelle angesiedelt ist. In der Vorbereitungsphase hätten regelmäßig gemeinsame Treffen stattgefunden, wobei die Abstände je nach Notwendigkeit variierten. Inhalte der Treffen seien zunächst meist organisatorischer Art gewesen. Zu Beginn sei es zunächst darum gegangen, sich kennenzulernen und zu klären, wie die Transferstelle umgesetzt werden könne. Anschließend sei besprochen worden, wie Informationsmaterialien, der Informationsstand und die Homepage gestaltet werden und wie die Beteiligten Informationen hochladen können. Die Treffen hätten in der zweiten Jahreshälfte 2011 sehr selten stattgefunden, da nach der Vorbereitungsphase die Veranstaltungen von den jeweiligen Wissenschaftseinrichtungen zu organisieren gewesen seien.

Die Kommunikation mit anderen relevanten Akteuren wie der IHK und der Wirtschaftsförderung erfolge über die Hauptkoordinatorin des Transfercafés; die anderen beteiligten Einrichtungen stünden mit diesen Einrichtungen nicht in direktem Kontakt. Die Kommunikation bzw. der Austausch mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Mainz wird von der Hauptkoordinatorin als „ausgesprochen gut“ bezeichnet. Dies hänge jedoch häufig mit einzelnen Personen zusammen. Insgesamt habe sich der Kontakt mit der Wirtschaftsförderung durch das Transfercafé intensiviert, ebenso mit Vertretern der HWK oder auch der Investitionsund Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB). Der Austausch mit der IHK wird von mehreren Befragten als verbesserungswürdig eingestuft. Durch das Transfercafé seien Kontakte zu verschiedenen Netzwerkinitiativen entstanden, was als positives Ergebnis gewertet wird.

Im Rahmen der zweiten Befragungsrunde wurden mit Blick auf die Zielerreichung auch die durch das Transfercafé angebotenen Maßnahmen einer rückblickenden Bewertung unterzogen.

Die Homepage des Transfercafés sei – gemessen an den Page Impressions[1] – häufig besucht worden [2], wobei nicht zu unterscheiden sei, ob es sich um Mehrfachklicks von einzelnen oder unterschiedlichen Personen handele. Insgesamt wird jedoch dem persönlichen Austausch gegenüber dem digitalen ein viel höherer Stellenwert beigemessen.

Die Resonanz auf die Veranstaltungen sei themenabhängig gewesen (s.o.). Insgesamt seien die Veranstaltungen gut durch Medienpartner wie die AZ beworben worden, auch die Gestaltung der Einladungen habe Anklang gefunden. Die PowerPoint-Präsentationen der Veranstaltungsbeiträge seien auf Nachfragen hin auf die Homepage des Transfercafés gestellt worden.

Die Einrichtung des Informationsstands während des Wissenschaftsjahres im Proviant-Magazin sei nicht auf die erwartete Resonanz gestoßen und habe sich nicht bewährt. Von dem dort stattfindenden Unternehmensstammtisch habe das Transfercafé nicht, wie erhofft, profitiert. Hierzu folgende Aussagen:

„Vielen ist der Stand gar nicht aufgefallen, vielleicht sind sie daran vorbeigelaufen. Als ich mal da war, hat das nicht so richtig funktioniert. Das ist dann natürlich auch abschreckend. Da hab ich nicht so viel Positives gehört. Ich habe den Eindruck, dass sich die Investition letzten Endes nicht gelohnt hat“ (TC II).

„Der Stand im Proviant-Magazin war nicht erfolgreich, er wurde meines Wissens nach wenig bis gar nicht genutzt“ (TC V).

Eine Bewertung des Transfercafés sowie die Abfrage der Inanspruchnahme der Maßnahmen bildeten einen Teil der Unternehmensbefragung. 60 % der befragten Unternehmen haben bereits vom Transfercafé gehört.[3] Ein Drittel derjenigen, die bereits vom Transfercafé gehört haben, bewertet diese Initiative als sehr gut oder gut[4]. 36 % haben an Veranstaltungen bzw. Vortragsabenden des Transfercafés teilgenommen.[5]45 % haben die Homepage des Transfercafés besucht.[6] Der Informationsstand des Transfercafés im Proviant-Magazin Mainz wurde lediglich von 15 % bewusst, von 10 % zufällig besucht.[6] Zwei Unternehmen (11 %) geben an, dass im Rahmen des Transfercafés für sie persönlich Kontakte zu wissenschaftlichen Einrichtungen bzw. Wissenschaftlern der Stadt Mainz entstanden sind, die aus ihrer Sicht zukünftiges Kooperationspotenzial besitzen. Für zwei (11 %) Unternehmen sind Kontakte entstanden, deren Kooperationspotenzial nicht abschätzbar ist.[8] 15 Unternehmen (79 %) sind der Meinung, dass für sie persönlich keine Kontakte zu Mainzer Wissenschaftlern entstanden sind, die zukünftiges Kooperationspotenzial besitzen.

  • [1] Seitenabruf („Klicks“)
  • [2] transfercafe-mainz.de, Besucherstatistik der Homepage siehe ebenfalls Anhang Nr. 17
  • [3] n = 37
  • [4] n = 22. 7er-Skala mit den Polbezeichnungen „sehr gut“ und „sehr schlecht“ sowie der zusätzlichen Antwortoption „kann ich nicht beurteilen“
  • [5] n = 22
  • [6] n = 20
  • [7] n = 20
  • [8] n = 19
 
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