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4.4.3 Wissensund Technologietransfer vor dem Wissenschaftsjahr

Während die Fachhochschulen sehr anwendungsorientiert arbeiten und eine große Anzahl an Kooperationspartnern in der Wirtschaft vorweisen können, sollten insbesondere wissenschaftliche Einrichtungen wie die JGU oder die MPI

– bei deren Arbeit eher die Grundlagenforschung im Fokus steht – in verstärktem Maße Kontakte zur Wirtschaft knüpfen, so das Ziel des Transfercafés.

Befragt nach bestehenden Initiativen im Bereich Wissensund Technologietransfer in der Stadt Mainz referieren die Befragten über Projekte der eigenen Einrichtung. Ein Interviewpartner berichtet von bisherigen Problemen bei der Kontaktaufnahme aufgrund der mangelnden Kenntnis von Ansprechpartnern. Durch den Titelgewinn Stadt der Wissenschaft hätten Forschungsprojekte wesentlich leichter umgesetzt werden können, da die Gewinnung entsprechender Partner einfacher gewesen sei. Insgesamt habe sich durch das Wissenschaftsjahr die Kontaktvermittlung verbessert, da sich Personen kennengelernt hätten. So habe die FH Mainz Kooperationsprojekte im Medienbereich umsetzen können, wie Skop in Kooperation mit 26 Kooperationspartnern (fast alle aus der Mainzer Wissenschaftsallianz), wie Moving Types [1] gemeinsam mit dem GutenbergMuseum und der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd, on type – Tex-te zur Typographie sowie eine Ausstellung mit dem NHM und der JGU (Klimazeugen: Zeitreise in die weit entfernte Urzeit und Leiten, Leuchten, Luxus – Leben mit Kristallen). Ziel sei die nachhaltige Förderung dieser Kooperationen.

Einige der befragten wissenschaftlichen Einrichtungen verfügen über eine eigene Transferabteilung oder eigene Transferbeauftragte, wie die JGU, die Universitätsmedizin oder die FH Mainz. Hinsichtlich Kommunikation und Austausch der eigenen Einrichtung mit Unternehmen betonen jedoch alle Befragten, dass trotz einiger Kooperationen einzelner Forscher(-gruppen) oder auf übergeordneter Ebene (z.B. JGU und Boehringer Ingelheim) das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft sei und Optimierungsbedarf bestehe. Häufig mangele es auch an entsprechendem Personal, um den Wissensund Technologietransfer breiter aufzustellen. Transfer-Initiativen wie das Transfercafé oder twin könnten unterstützend tätig sein. Zudem wird für eine strategische Verankerung des Wissensund Technologietransfers im Hochschulentwicklungsplan plädiert. Dem Wissensund Technologietransfer wird aufgrund der vielfältigen positiven Wirkungen insgesamt ein hoher Stellenwert beigemessen:

„Transfer hat einen sehr, sehr hohen Stellenwert. Im Ressort Forschung und Lehre gibt es die Abteilung Forschung, in der Mitarbeiter beschäftigt sind, die sich dem Transfer widmen und da auch speziell Veranstaltungen auf den Weg bringen oder auch Wissen-

schaftler auf Messen begleiten, wo sie ihre Ideen vorstellen können. Und es ist ja auch so, dass es diverse Ausgründungen aus der Universitätsmedizin heraus gab und dass dadurch Arbeitsplätze hier am Standort entstanden sind“ (TC IV).

Nach Aussagen einer Befragten sei es an Fachhochschulen früher schwer gewesen, Forschung zu betreiben, weil es nicht zu ihren ursprünglichen Aufgaben gehörte. Mittlerweile sei Forschung per Hochschulgesetz Auftrag auch von Fachhochschulen, weshalb Wissenstransfer zunehmend an Bedeutung gewinne.

„Wir hatten gerade eine Strategie-Diskussion, […] und da wurde ganz eindeutig – nicht nur von der Hochschulleitung, sondern auch vom Träger – die Position bezogen, dass Forschung und damit auch bei uns in erster Linie Wissenstransfer – weniger Technologietransfer – ein Schwerpunkt in der Strategie der nächsten Jahre ist und ein fester Bestandteil, mit dem wir auch nach außen gehen, der das Profil dieser Fachhochschule neben guter Lehre und Weiterbildung ausmacht“ (TC III).

Ein Gesprächspartner berichtet, dass sie als kleine FH mehr Anfragen aus den Bereichen Schule, Altenheim, Gesundheit oder Sucht hätten, als sie personell bewältigen könnten. Sie kooperierten eng mit der Stadt Mainz, dem Jugendamt und den Sozialwissenschaften an der JGU. Zudem wird darauf verwiesen, dass Wissensund Technologietransfer an den Hochschulen, insbesondere den Fachhochschulen, in den einzelnen Fachrichtungen häufig selbst betrieben werde.

Hinsichtlich des Status quo im Bereich des Wissensund Technologietransfers geben 42 % der befragten Unternehmen an, in den letzten 12 Monaten nicht mit wissenschaftlichen Einrichtungen kooperiert zu haben.[2] Die Unternehmen, die Kooperationen zu wissenschaftlichen Einrichtungen am Standort Mainz unterhalten (37 %, 14 Unternehmen), arbeiten insbesondere mit der JGU (64 %) und der FH Mainz (57 %) zusammen, gefolgt von der Universitätsmedizin (50 %). Mit dem MPI-P, der KH und dem RGZM kooperierten jeweils zwei (14 %), mit sonstigen Museen drei (21 %) und lediglich ein Unternehmen (7 %) mit dem HIM.[3]

Die Verteilung der Kooperationen entspricht in etwa der Wichtigkeit vorhandener oder gewünschter Kontakte mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Mainz (bspw. um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu prüfen oder allgemeine Informationen zu erhalten). Hier führen ebenfalls JGU und FH Mainz, die für 53 % (19 Unternehmen) bzw. 52 % der befragten Unternehmen wichtige bis sehr wichtige Kooperationspartner darstellen, gefolgt von der Universitätsmedizin (für 27 % der Unternehmen wichtig bis sehr wichtig). Mit sonstigen Museen sowie dem MPI-P kooperieren 17 % bzw. 16 %, mit KH, MPI-C, HIM, RGZM jeweils 13 % (vgl. Abb. 6 und 7).[4]

Abbildung 6: Wichtigkeit vorhandener oder gewünschter Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Mainz

(Quelle: Eigene Erhebung Unternehmensbefragung 2011)

Abbildung 7: Bestehende Kooperationen (2011) mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Mainz (n = 14)

(Quelle: Eigene Erhebung Unternehmensbefragung 2011)

Hinsichtlich der Formen des Wissenstransfers, die die befragten Unternehmen mit wissenschaftlichen Einrichtungen in der Stadt Mainz pflegen, geben 39 % an, häufig bzw. sehr häufig Absolventen der jeweiligen Hochschule zu beschäftigen, 37 % nehmen sehr häufig oder häufig Praktikanten auf. Auch einfache Anfragen / Erfahrungsaustausch ist für 34 % der Befragten eine häufig praktizierte Form des Wissenstransfers. 30 % geben an, dass ihre Mitarbeiter als Lehrbeauftragte tätig sind. Fast ein Viertel der Befragten betreibt sehr häufig oder häufig Wissenstransfer in Form gemeinsamer Projekte in Forschung und Entwicklung (24 %). Semesterprojekte (21 %) und die Vergabe von Abschlussarbeiten (18 %) werden nur von jeweils rund einem Fünftel der Befragten sehr häufig oder häufig betrieben. Die Intensität des Wissenstransfers nimmt deutlich ab hinsichtlich der Nutzung technischer Infrastruktur (14 % häufig bis sehr häufig), der Weiterqualifizierung von eigenen Mitarbeitern (13 % sehr häufig bis häufig) sowie der Bera-tungsleistung und der Kooperation in Drittmittelprojekten, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden (jeweils 9 % häufig bis sehr häufig) (vgl. Abb. 8).[5]

Abbildung 8: Häufig bis sehr häufig verfolgte Formen des Wissenstransfers mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Mainz

(Quelle: Eigene Erhebung Unternehmensbefragung 2011)

Von den befragten Unternehmen nutzen 60 % außer dem Transfercafé institutionalisierte Möglichkeiten des Austauschs zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in der Stadt Mainz:[6] 44 % das Medienkompetenznetz, 22 % das Gesundheitskompetenznetz[7], 52 % das IT-Forum, 9 % die Wissenschaftsallianz.[8] Unter „Sonstige“ werden Initiativen angegeben wie „Universitätsmedizin, Wissenschaftsmarkt“, „Fachtagungen und […] IHK“, „IT-Klub Mainz“ sowie im medizinischen Bereich das „Palliativnetzwerk“.

  • [1] moving-types.de
  • [2] n = 38
  • [3] n = 14
  • [4] n = 30–36
  • [5] n = 30–35; 1 und 2 auf einer 7er Skala von 1 = sehr häufig bis 7 = sehr selten
  • [6] n = 37
  • [7] Die hohen Prozentsätze bei Initiativen wie dem Medienkompetenznetz und dem Gesundheitskompetenznetz ist auf den genutzten Verteiler zurückzuführen, der von der Wirtschaftsförderung der Stadt Mainz stammt und weitestgehend dem Verteiler der Netzwerke entspricht
  • [8] n = 23
 
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