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4.4.2 Themenfelder und Zielgruppe des Transfercafés

Mainzer Unternehmen – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen – bildeten die primäre Zielgruppe des Transfercafés, ferner Unternehmen im Großraum des Rhein-Main-Gebiets. So seien hauptsächlich Mainzer Unternehmen per EMail über das Transfercafé informiert worden. Den Hauptverteiler habe die IHK gestellt, welche die Einladungen zur Eröffnung postalisch an ca. 2.000 Unternehmen versandt habe. Zudem habe die Wirtschaftsförderung per E-Mail darüber informiert. Ergänzend seien von den beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen, insbesondere der FH Mainz und der JGU, Unternehmen angeschrieben worden, mit denen bereits zusammengearbeitet worden sei und der interne Verteiler der KH, FH Mainz und der JGU genutzt worden, um auch Wissenschaftler zu bitten, Kooperationspartner über das Transfercafé in Kenntnis zu setzen.

Hinsichtlich der Branche sei keine Definition der Zielgruppe vorgenommen worden, da die beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen ein großes Spekt-rum an Forschungsfeldern abdeckten. Von den Hochschulen werde die Zielgruppe insbesondere in solchen Gebieten gesehen, die sich in den Fachbereichen wiederfänden: Die KH sehe ihre Zielgruppe in den Bereichen Gesundheit (Schwerpunkt Lebensqualität im Alter und Demenz) und Soziales (z.B. Jugendhilfe, Soziale Arbeit). Neben Unternehmen seien Wohlfahrtsverbände oder Kommunen angesprochen. Die JGU biete schwerpunktmäßig Austausch mit den Naturwissenschaften und dem Gesundheitsbereich, darüber hinaus mit Bereichen wie der Sportwissenschaft[1]. Kooperationen seien nach Aussagen einer Befragten auch davon abhängig, welche Wissenschaftler bereit sind, eine solche Initiative mitzutragen. Von der FH Mainz wird der Bereich Personalentwicklung als wichtiges Transferfeld angesehen. Das IMM suche Kontakt zu Unternehmen aus den Feldern Biotechnologie, Energietechnik oder Chemie und Pharmazie. Der Vertreter der Universitätsmedizin hebt mit Blick auf aktuelle Themen, wie die alternde Gesellschaft, den medizinischen Bereich der regenerativen Medizin hervor und verweist auf Unternehmen wie die TRON gGmbH oder BIOTECmarin[2], bei denen es sich um erfolgreiche Beispiele für Ausgründungen aus der Wissenschaft handelt.

Bei Anfragen von Unternehmen, die Fachgebiete betreffen, die der Standort Mainz nicht abdecke, wie Maschinenbau, sei das Ziel, diese kompetent weiterzuleiten, z.B. über das twin-Netzwerk[3], in welches die hauptverantwortliche Organisatorin des Transfercafés einbezogen sei. Voraussetzungen hierfür seien die Kenntnis über Forschungsaktivitäten anderer, auch überregionaler wissenschaftlicher Einrichtungen und eine gute Vernetzung mit diesen.

Im Rahmen der zweiten Befragungsrunde wurde erneut nach Themenfeldern gefragt, die sich aus den Erfahrungen mit dem Transfercafé als besonders geeignet für den Wissensund Technologietransfer erwiesen haben bzw. nach einer Zielgruppe, die das Angebot in besonderem Maße genutzt habe. Die Befragten verweisen in dem Zusammenhang auf die Veranstaltungen des Transfercafés, die sehr unterschiedlich besucht gewesen seien.[4] Auf große Resonanz gestoßen seien Themen aus dem Gesundheitsbereich, wie Innovative IT-Anwendungen im Gesundheitswesen, Lebensqualität im Alter mit Vorträgen zu geeigneten Wohnformen für Menschen mit Demenz oder das Thema Gesundheitswirtschaft. Die unerwartet hohe Besucherzahl sei allerdings auf Privatpersonen zurückzuführen. Das insgesamt im Rahmen von Stadt der Wissenschaft verfolgte Ziel, wissenschaftliche Themen in die Bevölkerung zu tragen, wurde damit auch durch das Transfercafé erreicht. Es entspricht jedoch nicht der primären Zielsetzung des Transfercafés, den Austausch von Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern. So ein Resümee:

„Ich hatte schon das Gefühl, dass bei relativ vielen Veranstaltungen einfach nur der Durchschnittsbürger von Mainz sitzt, der mit Wirtschaft jetzt erst mal nichts zu tun hat, sondern sich einfach nur einen spannenden Vortrag anhören will. Ich hatte wirklich nicht das Gefühl, dass da ausdrücklich nur Experten sitzen, deren Bestreben es ist, irgendwas mitzunehmen, was sie dann als Idee in ihr Unternehmen tragen können“ (TC IV).

Die Veranstaltung zur Nanotechnologie sei eher schlecht besucht gewesen, da es sich hierbei um ein sehr spezielles Thema handele. Insgesamt sei jedoch darauf zu verweisen, dass der Erfolg einer Veranstaltung weniger an der Anzahl der Besucher als an den aus ihr hervorgehenden Kontakten zu messen sei.

Von den Unternehmen, die bereits vom Transfercafé gehört haben (60 %, 22 Unternehmen),[5] geben acht (36 %) an, an Veranstaltungen bzw. Vortragsabenden des Transfercafés teilgenommen zu haben. Sechs Unternehmen (29 %) haben an der Eröffnung des Transfercafés (9. März 2011) teilgenommen. Bei der Veranstaltung Innovative IT-Anwendungen im Gesundheitswesen waren drei der Befragten anwesend. An der Veranstaltung Innovative Firmen in Mainz haben zwei Unternehmen teilgenommen, an Innovative Anwendungen in der Nanotechnologie, Medizinische Diagnostik, Lebensqualität im Alter jeweils nur eins der befragten Unternehmen.[6] Diese Angaben decken sich mit den Aussagen der Interviewten, nach denen z.B. die Veranstaltung zur Nanotechnologie schlecht besucht gewesen sei und Veranstaltungen wie Lebensqualität im Alter eher Privatpersonen angezogen hätten.[7]

  • [1] Zum Forschungsschwerpunkt im Bereich der Sozialwissenschaften / Bildung siehe Kapitel 4.3
  • [2] Bei BIOTECmarin und TRON (s.o.) handelt es sich um Ausgründungen aus der Wissenschaft, der Universitätsmedizin Mainz, die im Rahmen des Transfercafés vorgestellt werden. „Die BIOTECmarin GmbH ist ein junges Biotechnologieunternehmen, das 2001 gegründet wurde, um die Ergebnisse des Exzellenzzentrums kommerziell in neue Produkte umzusetzen“ (biotecmarin). (biotecmarin.de/content/index.php/lang-de/home.html (22.08.2011); biotecmarin.de/home/top.html)
  • [3] twin war ein Netzwerk der rheinland-pfälzischen Fachhochschulen zum Wissensund Technologietransfer (twin-rlp o.J.). Das twin-Netzwerk sowie der Verbund rheinland-pfälzischer Universitäten, navigator Wissenschaft (naWI) (naWi 2014), wurden durch das Transfernetz Rheinland-Pfalz ersetzt, in dem die Universitäten und Fachhochschulen des Landes vertreten sind und das der Wirtschaft als Ansprechpartner für Fragen zu Kooperationsmöglichkeiten zur Verfügung steht (Transfernetz Rheinland-Pfalz 2014)
  • [4] Auflistung der Vortragsreihen des Transfercafés und Besucherstatistik 2011 siehe ebenfalls Anhang Nr. 18
  • [5] n = 37
  • [6] n = 21
  • [7] Von Unternehmen gewünschte Themenfelder siehe Kapitel 4.4.6
 
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