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4.4 Säule 2. Arbeitswelten der Zukunft: Transfercafé

Das Transfercafé bildet im Bewerbungsantrag der Stadt Mainz um den Titel Stadt der Wissenschaft eines der zentralen Projekte unter der zweiten Säule Arbeitswelten der Zukunft. Die Transferstelle trägt der Forderung nach einer stärkeren Vernetzung der gesellschaftlichen Subsysteme – und zwar von Wissenschaft und Wirtschaft – Rechnung, der im Rahmen zentraler Konzepte zur wissensbasierten Stadtentwicklung und somit ebenfalls der Gesamtinitiative Stadt der Wissenschaft eine hohe Bedeutung zukommt (vgl. Kap. 2.1.2; 3.1). Das Transfercafé bietet Unternehmen die Möglichkeit, sich über Forschungsprojekte wissenschaftlicher Einrichtungen der Stadt Mainz zu informieren und mit diesen in Kontakt zu treten, um Möglichkeiten einer Kooperation zu prüfen. Am Transfercafé beteiligte wissenschaftliche Einrichtungen sind die FH Mainz, die JGU sowie die Universitätsmedizin, die KH Mainz und das IMM sowie die beiden in Mainz ansässigen Max-Planck-Institute (MPI). Kooperationspartner sind die IHK Rheinhessen und das Proviant-Magazin Mainz[1], in dem das Transfercafé Anfang März 2011 eröffnet wurde und bis Ende November 2011 mit einem Informationsstand vertreten war, sowie die Wirtschaftsförderung der Stadt Mainz und später die Initiative Gesundheitswirtschaft Rheinland-Pfalz. Die Organisation liegt federführend bei (der Transferbeauftragten) der FH Mainz.

In den folgenden Unterkapiteln werden die Ergebnisse der Evaluation des Transfercafés dargestellt. In zwei Befragungsrunden (März / April 2011 und März / April 2012) wurden Vertreter der hauptsächlich am Transfercafé beteiligten Wissenschaftseinrichtungen (FH, JGU, Universitätsmedizin, KH, IMM) in Einzelinterviews zu der Maßnahme befragt. Ergänzend wurden Unternehmen im Rahmen einer Online-Befragung gebeten, Stellung zu Kooperationen mit der Wissenschaft zu nehmen sowie das Transfercafé zu bewerten (Untersuchungsansatz vgl. Kap. 4.1).

4.4.1 Ziele, Aufgaben und Maßnahmen des Transfercafés

Die Idee zur Errichtung eines Transfercafés entstand nach Aussage einer Befragten aus den Reihen der Wissenschaftsallianz. Ein wesentlicher Impuls ging vom Präsidenten der JGU aus. Da der Transferbereich der JGU zum Zeitpunkt der Bewerbungsphase um den Titel Stadt der Wissenschaft (2009) nicht vollständig besetzt war, fiel die Organisation des Transfercafés an die FH Mainz, die bereits

viele Verbindungen zur Wirtschaft pflegt. Aufgrund ihrer Größe und ihres Potenzials – gemessen an der Anzahl an Forschungsprojekten, die für die Wirtschaft interessant sein könnten – sind die JGU sowie die FH Mainz Hauptträger des Transfercafés.

Das erklärte Ziel des Transfercafés ist es, Unternehmen darauf aufmerksam zu machen, in welchen Bereichen an Mainzer Hochschulen bzw. Wissenschaftseinrichtungen geforscht wird. Das Potenzial der wissenschaftlichen Einrichtungen soll für die Öffentlichkeit und insbesondere für mittlere und kleine Unternehmen – die nach Erfahrung einer Befragten seltener Kooperationen zu wissenschaftlichen Einrichtungen pflegen als große Unternehmen[2] – sichtbar gemacht werden. Der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll in beide Richtungen erfolgen: Unternehmen haben die Möglichkeit, sich mit Fragestellungen an die vorhandenen Kompetenzen der Mainzer Wissenschaft zu wenden und ggf. gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Die Wissenschaft kann ihre Ergebnisse in die Wirtschaft fließen lassen und auf diese Weise bspw. Ausgrün-dungen unterstützen. Es soll aber auch eruiert werden, welche Bereiche und Forschungsfragen für die Wirtschaft interessant sind und wie dieser Bedarf ggf. in den Wissenschaftseinrichtungen aufgegriffen werden kann. Ein Befragter resümiert die Ziele des Transfercafés folgendermaßen:

„Die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft: Im Idealfall lautet das Ziel, dass man interessierte Investoren, die auf neue Ideen stoßen wollen, die neue Ideen brauchen, z.B. für Ausgründungen, dass man denen genau diese Ideen liefert […]. Ich glaube, es ist einfach viel zu wenig bekannt, was für ein Potenzial in der Wissenschaft schlummert. Und dieses Potenzial muss […] freigesetzt werden“ (TC IV).

Ein weiteres Ziel bestehe darin, dass sich die wissenschaftlichen Einrichtungen der Stadt untereinander stärker austauschten und ebenfalls Potenziale einer Zusammenarbeit prüften, insbesondere mit Blick auf Fördermöglichkeiten. Synergien bestünden bereits z.B. im Bereich der Geoinformatik und Vermessung der FH Mainz mit den Erdsystemwissenschaften der JGU. Auch Einrichtungen wie die Wirtschaftsförderung der Stadt Mainz brächten sich in das Transfercafé ein.

Um die formulierten Ziele erreichen zu können, biete das Transfercafé unterschiedliche Maßnahmen an, so wird im Rahmen der ersten Befragungsrunde berichtet. Auf seiner Homepage[3] können sich Unternehmen über das Transfercafé informieren. Best Practice-Beispiele erfolgreicher Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie Projekte der beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen werden auf der Homepage präsentiert und ein Überblick über erfolgreiche Ausgründungen aus der Wissenschaft gegeben. Darüber hinaus ist von März bis November 2011 ein Informationsstand im Proviant-Magazin eingerichtet. Über einen Monitor mit Touchscreen besteht ebenfalls die Möglichkeit, sich über die Kooperationsprojekte der wissenschaftlichen Einrichtungen zu informieren. Die ursprüngliche Idee, dass Ansprechpartner der beteiligten Einrichtungen zu festen Uhrzeiten am Informationsstand anwesend sind, um Unternehmen bei Fragen zur Verfügung zu stehen, sei personell nicht zu leisten gewesen. Unternehmen könnten ihre Anfragen per E-Mail an die Wissenschaftseinrichtungen richten. Institutionenübergreifende Vortragsreihen[4] fänden im Wissenschaftsjahr zu bestimmten Themen im Proviant-Magazin statt. Zu den Vorträgen würden gezielt Unternehmen eingeladen, wobei eine Teilnahme allen Interessierten kostenfrei möglich sei. Ganz im Sinne der Ziele des Wettbewerbs Stadt der Wissenschaft (vgl. Kap. 3.1) werde neben Unternehmen auch die Bevölkerung angesprochen, mit Veranstaltungen zu Themen wie Demenz (KH), Lebensqualität im Alter oder Gesundheit (FH Mainz, UM, IMM sowie Initiative Gesundheitswirtschaft). Mit solchen Veranstaltungen sollten das Interesse der Bevölkerung geweckt und Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung vermittelt werden. Die Veranstaltungen würden auf der Homepage des Transfercafés angekündigt, außerdem informierten die Projektkoordination von Stadt der Wissenschaft sowie die Abteilung Technologietransfer der FH Mainz und die Presseund Kommunikationsabteilungen der beteiligten Projektpartner über verschiedene E-Mail-Verteiler oder in Tageszeitungen darüber. Über das Transfercafé würden zudem weitere öffentliche Veranstaltungen beworben, die an den Hochschulen stattfänden, sodass interessierte Personen die Hochschulen kennenlernen könnten. Der Aspekt wird als wichtig erachtet, um eventuellen Hemmschwellen einer Kontaktaufnahme entgegenzuwirken. Die Veranstaltungen haben zu diesem Zweck informellen Charakter.

Die Aufgaben der beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen bestünden darin, interessante Projekte und Best Practice-Beispiele für die Homepage und den Informationsstand zusammenzustellen und sich aktiv in die Gestaltung der Internetseite einzubringen, d.h. neue Inhalte einzupflegen sowie Vortragsveranstaltungen der eigenen Einrichtung zu planen.

Zur Einrichtung des Transfercafés seien keine Personalstellen finanziert worden. Die Wissenschaftseinrichtungen profitierten jedoch von ihrer Beteiligung am Transfercafé, indem sie sich als Teil der Wissenschaftslandschaft in Mainz präsentierten, ihre Profile, Arbeitsund Forschungsbereiche in der Öffentlichkeit darstellten und auf diese Weise in Kontakt mit möglichen Kooperations-partnern treten könnten. Zwei Befragte formulieren die Potenziale folgendermaßen:

„Es gilt, den Austausch zu verstärken, insbesondere auf der regionalen Basis, weil Leute oft gar nicht wissen, was die anderen Abteilungen oder die anderen Institutionen so machen. Und manchmal liegt das viel näher als man denkt. Z.B. haben wir über das Transfercafé eine Firma gefunden, die in der gleichen Straße ist und ähnliche Sachen macht wie wir. Vielleicht ergibt sich da sogar mal ein Projekt“ (TC V).

„Unser Ziel ist es zu vermitteln, dass wir als kleinere Fachhochschule ein bestimmtes Feld besetzen und potentielle Auftraggeber darauf aufmerksam machen, dass wir in der Lage sind, begrenzte Forschungsprojekte in diesen Bereichen durchzuführen“ (TC III).

Befragt danach, für wie realistisch die Interviewten die Ziele des Transfercafés halten, zeigt sich, dass sie dies zum Zeitpunkt der ersten Befragung schlecht einschätzen können. Zwar besteht grundsätzlich Optimismus dahingehend, dass das Transfercafé eine Wirkung haben wird, doch wie stark diese ausfalle und ob bzw. auf welche Weise sie sich messen lasse – so die folgend exemplarisch angeführte Einschätzung – sei unklar.

„Ich glaube, dass es auf jeden Fall zu kleinen Erfolgen kommt. Aber ich bin nicht so sicher, ob man das messbar in Projekten zählen kann. Das ist bei uns im Bereich Forschung immer ein sehr langwieriger Prozess, bis da mal eine Kooperation entsteht“ (TC V).

  • [1] Das Proviant-Magazin ist ein Restaurant in der Mainzer Innenstadt, das häufig von Unternehmern aufgesucht wird. Die Veranstaltungen des Transfercafés fanden im Jahr 2011 im Proviant-Magazin statt
  • [2] Diese Annahme kann durch die Ergebnisse der durchgeführten Unternehmensbefragung nicht unterstützt werden (s.u.)
  • [3] transfercafe-mainz.de, Besucherstatistik der Homepage 2011 siehe Anhang Nr. 17
  • [4] Auflistung der Vortragsreihen des Transfercafés und Besucherstatistik 2011 siehe Anhang Nr. 18
 
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