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4.3.10 Wirkungen der Transferstelle Bildung auf die Wissenschaftsstadt Mainz

Vor dem Hintergrund der forschungsleitenden Frage der Gesamtuntersuchung soll eruiert werden, welche positiven Wirkungen eine solche Transferstelle auf die Stadt Mainz hat bzw. welche Rolle sie im Rahmen der wissenschaftsbasierten Stadtentwicklung spielt.

Im Antrag der Stadt Mainz wurde als positive Wirkung der Transferstelle Bildung auf die Wissenschaftsstadt Mainz die nachhaltige Unterstützung der Vernetzung von Wissenschaft und kommunalen Akteuren angeführt. Knoten sollten im Mainzer Netzwerk identifiziert werden, „an denen eine Kooperation von Wissenschaft und Bildungspraxis aktuellen Handlungsbedarf [mit Blick auf die Kommunale Bildungslandschaft] erfordert“ (Landeshauptstadt Mainz 2010: 4).

Wichtige Themen für die Verbesserung der Stadt Mainz als Bildungslandschaft seien klassische Felder der Kommunalpolitik bzw. Themen, die auch aus kommunalpolitischer Sicht aktuell seien, wie Sprachentwicklung, Bildungsplanung und Jugendsozialarbeit. Auf Seiten der Universität finde die strategische Absicht, etwas zu einer kommunalen Bildungsinfrastruktur beizutragen, jedoch nur dann statt, wenn ein Akteur sowohl inhaltliche Kompetenz als auch politische Interessen habe, einen Beitrag zu einer solchen Entwicklung zu leisten.

Das strategische Ziel der Universität, etwas zu einer kommunalen Bildungsinfrastruktur beizutragen, sei nur dann umsetzbar, wenn ein Akteur sowohl inhaltliche Kompetenz als auch politische Interessen habe, einen Beitrag zu einer solchen Entwicklung zu leisten, so der Initiator der Transferstelle.

Lokale Studien wie die Übergangsund Migrationsstudie, die im Rahmen von Stadt der Wissenschaft – unterstützt durch die Transferstelle – durchgeführt und präsentiert würden, so wird bereits im Rahmen der ersten Befragungsrunde berichtet, führten zu einer Intensivierung der Kommunikation zwischen Wissenschaft und bspw. der Sozialplanung. Die Studien hätten einen Entwicklungsanspruch und könnten z.B. die Grundlage für die Schulund Sozialplanung der Stadt Mainz bilden. So könnten Sozialplaner der politisch Verantwortlichen bei Treffen, wie lokalen Konferenzen, gemeinsam mit Sozialwissenschaftlern und Schulleitungen die Erkenntnisse der Übergangsstudie öffentlich diskutieren. Aus dieser gemeinsamen Diskussion heraus würden neue Impulse entstehen. In dem Zusammenhang ist folgende Aussage zu sehen:

„Die Transferstelle hatte angeregt, im nächsten Jahr auch nach der Migrationsstudie eine kleine lokale Konferenz zur Weiterentwicklung des kommunalen Integrationskonzeptes durchzuführen. D.h., diese wissenschaftlichen Produkte dienen dazu, eine auch öffentliche, fachlich bestimmte Kommunikation in Gang zu setzen und damit auch neue Impulse. Das ist eine Form, in der wir Öffentlichkeitsprinzip, Wissenschaftsprinzip und lokales Planungsprinzip miteinander verbinden können, öffentlich präsent sind und uns an einer fachlichen Diskussion beteiligen“ (TSB I).

Die Stadt Mainz habe bei den im Rahmen von Stadt der Wissenschaft eingereichten Projekten und Studien die Möglichkeit gehabt, ihre eigenen Interessen einzubringen. Im Vorfeld sei der Bedarf eruiert worden, bspw. bei der Übergangsstudie. Das Entwicklungsinteresse der Stadt sei eine Voraussetzung ihrer Durchführung gewesen. Die Stadt nutze damit den Hochschulstandort bzw. die Transferstelle, um ihre eigene Arbeit wissenschaftlich zu flankieren.

„Ich glaube, das ist eine originäre Aufgabe der Kommunen, Bildungsfragen nicht nur zu koordinieren, sondern auch Qualität im Bildungsbereich zu verbessern. Und da ist von der demographischen Entwicklung bis hin zu Fragen von Integration ein großer Bedarf an Aufgabenstellung, Zielsetzung, Verbesserung“ (TSB III).

Die Stadt müsse allerdings auch bereit sein, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Die Verwendung des im Rahmen von Studien erlangten Wissens in der kommunalen Praxis habe bislang nicht stattgefunden, so eine Aussage im Rahmen der zweiten Befragungsrunde, da dieses Wissen als Strukturwissen jenseits des Handlungsrahmens der Kommune liege. Umsetzungen scheiterten nicht daran, dass Wissen nicht zur Verfügung stehe, sondern weil Ressourcen geplatzt und kommunale Steuerungsstrategien – bezogen auf Bildung – begrenzt seien. Der Befragte erklärt:

„Das ist eine systematische Begrenzung der Möglichkeit von Seiten der Universität, im kommunalen Bildungssystem aktiv zu werden“ (TSB I).

In diesem Bereich etwas zu ändern, würde die Etablierung einer langfristigen Beratung von kommunaler Sozialplanung und Sozialsteuerung oder Bildungssteuerung erfordern, die über die punktuelle Umsetzung von Erkenntnissen aus Studien in Handlungsstrategien hinausgeht.

Eine Auseinandersetzung der Stadt mit den Ergebnissen der Studien finde grundsätzlich statt, erklärt der Koordinator. Die Stadt versuche die Ergebnisse im Rahmen ihrer (begrenzten) Zuständigkeit, auch im Rahmen der Konzeption anderer Studien zu nutzen (im Sozialbericht oder Bereich frühkindlicher Bildung). Inwieweit die Stadt wirklich mit den Ergebnissen arbeite (Beratungsprojekte, Veranstaltungen) bzw. Konsequenzen ziehe, sei nicht bekannt. Zentral sei neben dem Umgang mit Ergebnissen von Studien die Weiterentwicklung der einzelnen Projekte.

Auf Tagungen mit Akteuren aus Praxis und Wissenschaft, wie der von der Transferstelle durchgeführten Veranstaltung mit Wissenschaftlern und Akteuren aus der Sportförderung für Kinder und Jugendliche, entstehe ein Öffentlichkeitseffekt, durch den ein Bewusstsein auch bei den Personen gefördert werde, die nicht in dem Bereich arbeiteten. Die Transferstelle verdeutliche, dass Kooperationen zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis gewünscht seien und ein Stück weit auch unterstützt werden sollten. Inwieweit sich dieser Bereich weiterentwickle, liege am Umgang mit Ergebnissen von einzelnen Projekten bzw. Studien. Nachhaltige Kooperationsprojekte, von denen beide Seiten – Bildungspraxis und Wissenschaft – profitieren könnten, seien entscheidend. Die Stadt Mainz bzw. einzelne Akteure seien aufgefordert, die Transferstelle Bildung zu nutzen, um gezielt Unterstützung zu erhalten.

 
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