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4.3.9 Stärken und Schwächen sowie Fortführung der Transferstelle Bildung

Zentrale Fragestellungen mit Blick auf die Fortführung der Transferstelle Bildung sind ihre strukturelle Anbindung und künftige inhaltliche Ausrichtung bzw. Schwerpunktsetzung. Eine Stärken-Schwächen-Analyse auf Grundlage der bisher gemachten Erfahrungen kann der Weiterentwicklung der Transferstelle dienen.

Die Voraussetzungen zum Aufbau der Transferstelle seien durch die Anbindung an das ZBH günstig. Die Transferstelle profitiere von wissenschaftlichen Kompetenzstrukturen und von der Vernetzungsarbeit. Das ZBH sei wertvoller Ansprechpartner und fungiere als Türöffner. Der Titelgewinn habe eine Aufbruchsstimmung verursacht. Die Motivation einer Beteiligung sei bei vielen Akteuren hoch und es gäbe eine Vielzahl an Projekten und Veranstaltungen. Die Konzeption der Transferstelle sei jedoch darauf ausgerichtet, innerhalb des Wissenschaftsjahres erste Erfolge vorweisen zu können, was die Konzeption beeinflusst habe, wie ein Befragter erklärt:

„Das ist ein Zwang aus Stadt der Wissenschaft, dass man in diesem Jahr zu einem Erfolg kommen muss. Wenn ich eine Transferstelle in drei Jahren aufbauen würde, ohne diesen Zusammenhang – dann würde ich das anders machen, eher systematisch planend vorgehen, während wir hier eher akzidentiell, operativ vorgegangen sind. Da, wo es was gab, das haben wir aufgegriffen, gestärkt, ausgeweitet“ (TSB I).

Am Konzept für die Fortsetzung der Transferstelle Bildung sei zwar gearbeitet worden (s. Kap. 4.3.7), dieses sei aber noch nicht so weit gediehen, dass geklärt sei, was die Transferstelle tatsächlich leisten könne. Die Leistungen und Themenfelder der Transferstelle müssten anschließend für potenzielle Nutzer übersichtlicher und klar dargestellt werden:

Stärken der Transferstelle lägen in der Unterstützung von Einzelprojekten. Einzelne Projektentwicklungen seien ohne die Transferstelle Bildung nicht denkbar. Projekte könnten jedoch nicht dauerhaft über die Transferstelle koordi-

niert werden. Ein Stück weit übernehme die Transferstelle Projektentwicklungsaufgaben, was nicht ihrem Zuständigkeitsbereich entspreche.

Als Schwäche wird herausgestellt, dass die Transferstelle über keine Sachmittelausstattung und kein Budget verfüge, um Veranstaltungen durchzuführen, eine Homepage oder Datenbank aufzubauen. Die Transferstelle könne lediglich Empfehlungen aussprechen, die Finanzierung müsse von anderen übernommen werden. Insgesamt hänge der Erfolg der Transferstelle von der Qualität der Projekte und der beteiligten Akteure ab, so der Initiator.

Mit Blick auf die Fortführung der Transferstelle Bildung müsse ein prominenter Akteur oder eine Gruppe von Leuten gefunden werden, die sich von universitärer Seite her der Aktivitäten annähme, nachdem sich der Initiator der Transferstelle Bildung im Ruhestand befinde. Die Transferstelle müsse ein gewisses Ansehen erlangen, um innerhalb der Universität erfolgreich Kontakte aufzubauen und die Vernetzung fortzusetzen. Außerhalb der Universität müsse die Transferstelle mit Schlüsselpersonen und -institutionen wie Schulleitungen, der Sozialplanung und der Bildungsplanung intensiver kooperieren, trotz hoher Belastungen dieser Akteure.

Hinsichtlich der strukturellen Anbindung resümieren die Befragten, dass die Transferstelle innerhalb der Struktur der Universität in ein strategisches Konzept eingeordnet und eingegliedert werden müsse. Die verschiedenen Aktivitäten, die es an der Universität in die Bildungslandschaft hinein gebe (Grüne Schule[1], junior campus mainz, verschiedene Angebote für die gymnasiale Oberstufe, Kinderuni, Aktivitäten im Bereich Service-Learning, wissenschaftliche Weiterbildung etc.), seien strategisch zu ordnen, sodass die Ressourcen innerhalb der Universität noch besser bekannt gemacht, erschlossen und unterstützt werden könnten. Im von der JGU im Rahmen der Exzellenzinitiative eingereichten Antrag sei diesbezüglich eine Reihe von Überlegungen erfolgt (Johannes Gutenberg-Universität Mainz o.J.: 60ff.). Die verschiedenen Funktionen, die mit den Aktivitäten erfüllt werden sollten, seien zu prüfen, sodass ein realistisches Zukunftskonzept entwickelt werden könne. Marketing sei etwas anderes als Service-Learning oder ein aktiver Beitrag zu Kommunalen Bildungslandschaften. Hierbei gehe es nicht mehr nur um die Transferstelle, sondern um Wissenschaftsoder Wissenskommunikation. Unter dem Stichwort Wissenskommunikation würden auch die anderen Bereiche, wie z.B. Lehrerbildung oder Kooperationen mit der Industrie berücksichtigt. Die Frage nach der möglichen zukünftigen Verortung der Transferstelle innerhalb der JGU bzw. der Eingliederung von Aufgabenfeldern der Transferstelle in bestehende Institutionen der Universität bleibe bislang unbeantwortet. Anknüpfungsmöglichkeiten unter den universi-tären Einrichtungen seien nach Ansicht des Koordinators der Transferstelle das Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW), das ZfL, ZQ oder das ZBH, das jedoch selbst keine feste Einrichtung darstelle. Unter Umständen könne der Themenbereich Bildungslandschaften in der Wissenschaftsallianz platziert werden, so eine Überlegung des Koordinators.

Hinsichtlich der inhaltlichen Ausrichtung ziele die Transferstelle auf die Vernetzung von Personen ab. Wissenschaft und Bildungspraxis sollten sich kennen und bei Bedarf diesen Kontakt nutzen. Die Transferstelle beziehe sich darüber hinaus auf bildungsbezogene Inhalte und vorhandenes inhaltliches Wissen, das bekannt gemacht werden müsse. So erklärt der Initiator:

„Außerhalb der Universität muss klar sein, zu welchen Inhalten, Verfahren, Problemstellungen an der Universität Wissen zur Verfügung steht. Und innerhalb der Universität muss man eine Vorstellung davon haben, in welchen Bereichen des Bildungssystems das universitäre und durch Forschung gewonnene Wissen eingesetzt werden kann“ (TSB I).

Mit Blick auf Zielsetzungen im Bereich Kommunale Bildungslandschaften wird von Seiten des Initiators als problematisch erachtet, dass die Verantwortung für das Bildungssystem bei denen liege, die in diesem Bereich einen entsprechenden Auftrag, eine Zuständigkeit hätten. Universitäre Akteure könnten hier nur sehr vorsichtig intervenieren. Sowohl Mitarbeiter der Transferstelle als auch politische Akteure müssten an dieser Aufgabe arbeiten.

  • [1] Außerschulischer Lernort des Fachbereichs Biologie der JGU mit einem auf den Schulunterricht abgestimmtem Programm (Botanischer Garten 2014)
 
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