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4.3.7 Zielerreichung

Die Transferstelle Bildung hatte sich für das Wissenschaftsjahr als Meilensteine

u.a. die Begleitung und Unterstützung von Projekten, die Systematisierung von Bildungsangeboten, die Weiterentwicklung des Konzeptes sowie die Netzwerkbildung gesetzt (vgl. Kap. 4.3.1). Hinsichtlich ihrer Umsetzung wird im Rahmen der zweiten Befragungsrunde berichtet, dass der Ausgangspunkt der Arbeit der Transferstelle die Begleitung laufender Projekte gewesen sei, die eine vielfältige Tätigkeit dargestellt habe, von der Unterstützung bei der Pressearbeit, bei Antragstellungen oder Berichten bis hin zu Koordinationsarbeiten. Bei der Koordination von Projekten sei es auch darum gegangen zu prüfen, inwieweit sich der Kerngedanke der Transferstelle – nachhaltigen Austausch und nachhaltige Kooperation zwischen Bildungspraxis und Wissenschaft zu fördern – umsetzen lasse und inwieweit sich laufende Projekte weiterentwickeln ließen. Die Einzelprojekte, an denen die Transferstelle in verschiedenen Formen beteiligt gewesen sei, hätten erfolgreich durchgeführt werden können. Die Transferstelle habe Aktivitäten aufgegriffen, verdichtet und fortgesetzt.

Die Aufgabe, Bildungsangebote in Mainz zu systematisieren, sei ein sehr weites Feld, so der Koordinator der Transferstelle Bildung. In Themenfeldern, die sich über konkrete Projekte abgezeichnet hätten oder die im Rahmen von Stadt der Wissenschaft vertreten gewesen seien, gebe es einen Austausch (z.B. im Bereich Ferienprogramme oder Lücken im Bildungssystem). Rückblickend betrachtet gehe es bei der Systematisierung um die aktuellen Themen der kommunalen Bildungsplanung. Diese seien im engen Kontakt mit den zuständigen Akteuren der Stadt erörtert worden.

Hinsichtlich der Weiterentwicklung des Konzeptes der Transferstelle berichtet der Koordinator, die erstellte Konzeption sei im Mai 2012 an der JGU beraten und als zu vielfältig kritisiert worden. In einem Zwischenbericht (Stand 12.2012; KIMMIG 2012) sei daher der Versuch unternommen worden, die Tätigkeitsfelder zu reduzieren, klarere strategische Ziele zu formulieren und darauf bezogen die einzelnen Vorhaben zu systematisieren und darzulegen. Das aktuelle Konzept[1] beruhe auf einem drei-Säulen-Modell:

1. Vernetzung (von Personen der Bildungspraxis und Wissenschaft)

2. Beiträge zur Entwicklung der regionalen Bildungslandschaft (bezogen auf die Infrastruktur des Bildungssystems)

3. Unterstützung der Wissenskommunikation (bezogen auf Inhalte, Erkenntnisse und Verfahrensweisen) (KIMMIG 2012: 12).

Befragt nach der Anzahl der vermittelten Kontakte bzw. Kooperationsprojekte als Indikatoren zur Messung der Zielerreichung erklärt der Koordinator, entscheidend sei weniger die Quantität als die Qualität der Kontakte:

„Es ist nicht eine Frage von vielen Kontakten, sondern, dass die einzelnen Akteure sich darauf einlassen, dass ein sich anbahnendes Projekt oder ein laufendes Projekt zustande kommt oder weiterentwickelt wird“ (TSB III).

Hinsichtlich des Zustandekommens der Kontakte seien Anfragen von Seiten der Bildungspraxis (Stadt, Bildungsträger) sehr selten gewesen. Im Wissenschaftsjahr habe es einige gegeben, bspw. von Seiten der Sozialen Stadt. Hier seien auch in gemeinsamen Gesprächen wissenschaftliche Begleitung bzw. Evaluation von Praxisprojekten verabredet und anschließend durchgeführt worden. Kontakte seien jedoch überwiegend auf Initiative der Transferstelle hin aufgebaut worden, auch zur kommunalen Sozialplanung. Die Transferstelle gehe auf laufende Projekte zu und biete ihre Hilfe an.

Auf Seiten der Wissenschaft sei die Kooperationsneigung bei einer konkreten Anfrage oft sehr erfreulich, pro-aktiv werde die Transferstelle jedoch ebenfalls weniger genutzt. Vor dem Hintergrund des geringen Anfragenaufkommens durch die Wissenschaft heben die Befragten die Vorteile hervor, die die Transferstelle bietet: Wissenschaftler könnten nach Bedarf zwar selbst auf Kooperationspartner wie Schulen zugehen, die Transferstelle könne den häufig überlasteten Lehrenden jedoch Unterstützung bieten. Zudem bestünde über die Transferstelle die Möglichkeit, Beziehungen zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis zu strukturieren. Bei einer systemischen Steuerung des Transfers bzw. der Wissenschaftskommunikation sei darauf zu achten, die vielfach bestehenden individuellen Aktivitäten zu unterstützen.

Fortschritte in der Vernetzung von Wissenschaft und Bildungspraxis in Mainz durch die Transferstelle Bildung seien bescheiden, aber zu beobachten, bspw. im Bereich Sportwissenschaft, Sportpädagogik, resümiert der Initiator. Auch die im Dezember 2011 durchgeführte kleine Tagung[2] habe eine tatsächliche Vernetzung von Personen aus Bildungspraxis und Wissenschaft ermöglicht. Netzwerkarbeit funktioniere nach den Erfahrungen des Wissenschaftsjahres am besten in kleinen laufenden Projekten. Hier sei das Potenzial am höchsten, um Netzwerke zu fördern und Fragen der Qualität und der Weiterentwicklung von Bildungsangeboten zu thematisieren, so der Koordinator. Bei externen Anfragen könnten häufig die weiteren Entwicklungen der Kooperationen nicht verfolgt werden.

Im Rahmen von Stadt der Wissenschaft sollte durch die Transferstelle eruiert werden, welche Netzwerke zu knüpfen sind. Es sollten Multiplikatoren identifiziert werden, die einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Stadt Mainz als Regionale Bildungslandschaft leisten können. Solche Akteure seien v.a. die kommunalen Behörden, so wird im Rahmen der zweiten Befragungsrunde berichtet. Mit Blick auf eine inhaltliche Weiterentwicklung seien weitere Akteure Schulen, Bildungsprojekte und Bildungsanbieter, vom Jugendzentrum über Ferienprogramme bis hin zur Berufsqualifizierung. Dort, wo entsprechende Themen oder Einzelprojekte sichtbar geworden seien (in der Presse oder dem Verteiler der Stadt Mainz, über die Multiplikatoren oder über Stadt der Wissenschaft), seien diese in vielen Fällen gesichtet und in Einzelfällen sei auch besprochen worden, inwieweit bestimmte Kontakte zur Universität bestünden, bzw. der Bedarf abgefragt worden. Wenige Kontakte und Einblicke bestünden zum wichtigen Bereich der beruflichen Bildung. Es gebe einen Austausch mit der städtischen Schulentwicklungsund Bildungsplanung. Die Frage, wie die Stadt in Zukunft die großen Berufsschulen aufbaue, sei auch ein regionales Thema und werde aktuell in der Presse diskutiert. Im Bereich der beruflichen Bildung bestehe Handlungsbedarf, hierfür müsse jedoch eine entsprechende wissenschaftliche Expertise vor Ort vorhanden und die Wissenschaftler bereit sein, sich aktiv einzubringen. Einen ersten Schritt stelle eine entsprechende Bedarfsäußerung von städtischer Seite her dar.

In der Konzeption der Transferstelle sei die Entwicklung der Regionalen Bildungslandschaft als bundesweit aktuelles Thema fokussiert worden, mit dem Ziel, die Infrastruktur des Bildungssystems zu verbessern und mithilfe von wissenschaftlicher Expertise Lücken zu schließen. Zur Erreichung dieses Ziels müssten beide Seiten einen Beitrag leisten. Der Bedarf oder die genaue Fragestellung müsse aus Sicht der Bildungspraxis bzw. der für die Bildungsinfrastruktur Verantwortlichen formuliert werden. Aber auch die Kompetenzen auf Seiten der Wissenschaft seien notwendig. Die (früheren Pädagogischen) Hochschulen wie Landau und Koblenz, die Lehrer für Grundund Hauptschulen ausbildeten, hätten andere Möglichkeiten, für den benachteiligten Bereich des Bildungssystems Aktivitäten zu entwickeln. Am Standort Mainz würden nur Gymnasiallehrer ausgebildet, was eine Begrenzung darstelle. Projekte wie Denksport und Sprint zeigten aber, dass diese Grenze überschritten werden könnte, erklärt der Initiator. Die Beantwortung der Frage von aktuellen Entwicklungen (Bedarf) und Qualität der Angebote könne die Transferstelle selbst nicht leisten. Die Transferstelle habe eher die Aufgabe, in diesem Bereich konzeptionell tätig zu sein. Wichtig für die Arbeit der Transferstelle sei ein Gespür für in der Stadt bestehende Entwicklungslinien oder auch Bildungsprojekte, dafür, in welchen Bereichen wissenschaftliches Know-how vorhanden sei sowie Ideen, in welche Richtung Projekte unterstützt werden könnten. Ein freies Angebot, als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, reiche nicht aus, so der Koordinator.

  • [1] Vgl. Homepage der Transferstelle Bildung: zbh.uni-mainz.de/528.php
  • [2] Transfer im Blitzlicht – Bildungsprojekte und Wissenschaft im Mainzer Netzwerk-Symposium am 2. Dezember 2011 an der JGU in Kooperation mit dem AK Gesellschaft und dem Sportbund Rheinhessen
 
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