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4.3.6 Notwendigkeit der Transferstelle, Voraussetzungen und Erwartungen

Befragt nach der Notwendigkeit einer solchen Transferstelle, die zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis vermittelt, wird erläutert, dass die Stadt mit der Einrichtung der Transferstelle Bildung ein aktuelles und relevantes bildungspolitisches Thema aufgreife, das auch auf Bundesebene diskutiert werde. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft beschäftige sich ebenfalls mit dieser Thematik. Es sei wichtig, an die großen Entwicklungen in Bildungspolitik und Bildungsplanung anzuknüpfen. Zur Notwendigkeit der Transferstelle folgende Aussage:

„Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen generell ist notwendig, das geht aus allen Bildungsberichten hervor. Das, könnte man sagen, ist auch aus Effizienzgründen notwendig und aus Kostenersparnisgründen. Aber es ist eben auch in der konzeptionellen Weiterentwicklung der Einrichtungen selbst notwendig – Übergänge z.B. zwischen Bildungseinrichtungen oder auch Weiterqualifizierung nach Beendigung der Schulzeit oder des Studiums. Das sind so die großen Trends, bei denen eigentlich eine Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen gefragt ist“ (TSB II).

Insgesamt spielt im Bildungsbereich, wie auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen, der Transfer von Forschung in die Praxis eine zunehmende Rolle. Ein Befragter erklärt hierzu:

„In einer Zeit des beschleunigten Wissensverfalls ist es umso wichtiger, dass auch kürzere Wege gefunden werden – das ist die ganz allgemeine Idee hinter der Transferstelle“ (TSB I).

Der Wissenstransfer in Bereichen wie den Naturund Ingenieurswissenschaften stelle eine bewährte Praxis dar. Die Geistesund Sozialwissenschaften hätten andere Zielgruppen. Stadt der Wissenschaft sei eine gute Gelegenheit, auch geisteswissenschaftliche Erkenntnisse zu präsentieren.

Vor dem Hintergrund, dass Wissenschaft und Bildung – zumindest in Rheinland-Pfalz – von Kürzungen weitgehend ausgenommen worden bzw. sogar steigende Zuweisungen des Landes zu verzeichnen seien, werde von der Wissenschaft gefordert, öffentlich Rechenschaft über den Sinn ihrer Tätigkeit abzulegen. Die öffentlich finanzierte Forschung verpflichte dazu, der Gesellschaft das Wissen und die Kapazitäten zur Verfügung zu stellen, bspw. in Form von Projekten, Tagungen oder in Texten aufbereitet. Dies stelle ein wichtiges gesellschaftspolitisches Ziel der Transferstelle Bildung dar:

„Von daher ist es die alte Idee der gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaft, auch im Sinne von demokratischem Fortschritt, ihre Erkenntnisse der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen“ (TSB I).

Die Notwendigkeit einer Transferstelle wird darüber hinaus mit Blick auf positive Effekte der durch sie unterstützen Projekte (z.B. Sprint und Denksport) und Studien innerhalb der Hochschule in den Bereichen Forschung (anwendungsorientierte Forschung) und Lehre (z.B. Lehramtsausbildung, Schaffung attraktiver Studienangebote, Ausbildung für Berufsfelder außerhalb der Universität) begründet. In diesem Zusammenhang wird der Begriff Service-Learning erwähnt, der die Verbindung von fachlichem Lernen und bürgerschaftlichem Engagement beschreibt. Dies sei an amerikanischen Universitäten selbstverständlich. Durch den Forschungsschwerpunkt Bildungsund Hochschulforschung an der JGU bestünden gute Voraussetzungen, diese Methode in das Studium zu integrieren. Es wird jedoch auch darauf verwiesen, dass für viele Aufgaben, die von der Universität zunehmend übernommen würden, andere Einrichtungen verantwortlich zeichneten. Die Universität könne lediglich „punktuell und in bestimmten Situationen mit ihrem Wissen und mit ihrer Kompetenz die Aufgaben der normalen Infrastruktur unterstützen“ (TSB I). Dies gelte auch für die Transferstelle.

Danach befragt, für wie realistisch die definierten Ziele gehalten werden, wird auf die Abhängigkeit von finanziellen Ressourcen verwiesen, auf den Bedarf der Praktiker sowie den Wissenstransfer der Wissenschaftler. Es müssten attraktive Praxisprojekte definiert werden, die auch im Wissenschaftsbetrieb Relevanz hätten, so der Koordinator. Zum Zeitpunkt der ersten Befragungsrunde sind nach Auffassung des Initiators jedoch bereits erste Erfolge sichtbar:

„Ein Transfer ist daran gebunden, dass bei den beteiligten Personen ein Bewusstsein entsteht oder vorhanden ist, dass diese Kooperation sinnvoll und wichtig ist, und zwar im beiderseitigen Interesse. Das hat begonnen und in Teilbereichen hat die Transferstelle auch diese Beziehungen intensiviert, sie trägt dazu bei, dass sie eine bestimmte Form annehmen“ (TSB I).

Auch nach den Erfahrungen aus dem ersten Jahr ihres Bestehens wird die Transferstelle von den Befragten als notwendige und sinnvolle Maßnahme erachtet. Um eine dauerhafte Fortführung als Anlaufstelle innerhalb der Universität zu erreichen, müsse sie verdeutlichen, dass die Universität von Kooperationsprojekten profitiere, und zwar für die Ausbildung, den wissenschaftlichen Nachwuchs, für die Praxis im Studium, aber auch durch den Zugang zu Forschungsfeldern und durch interessante Partner für universitäre Anliegen.

 
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