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4.3.4 Netzwerke und Zusammenarbeit mit Partnern

Befragt nach bisherigen Netzwerken und Initiativen zur Kontaktvermittlung zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis wird darauf verwiesen, dass die Transferstelle Bildung von vielfältigen bereits bestehenden Netzwerken und Projekten zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis in Mainz zeuge. Institutionalisierte Netzwerke im Bildungsbereich habe es innerhalb der Stadt jedoch nur über die Sozialund Bildungsplanung oder den Jugendhilfeausschuss, der ein institutionalisiertes Gremium darstelle, gegeben. Initiativen im Bereich der Kontaktvermittlung zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis hätten vor der Einrichtung der Transferstelle punktuell im Rahmen von konkreten Projekten bestanden. So existierten innerhalb der Stadt Mainz bereits viele kleinere Bildungsprojekte, häufig mit Anbindung an Hochschulen oder zumindest an Wissenschaft (im Bereich der Sozialpädagogik, der Schulen, Erziehungswissenschaften und Sportwissenschaft oder Projekte der Universitätsmedizin / Gesundheitsförderung), z.T. in Form einer wissenschaftlichen Begleitung. Hinzu kämen Kontakte über das ZBH, einzelne Kontakte von Wissenschaftlern mit Schulen oder der Stadtverwaltung.

Im informellen Bereich bestünden viele Kontakte und Beziehungen, die sich im Laufe der Arbeit und der Projekte ergeben hätten. Initiativen der JGU, wie Ada Lovelace-[1] und Schülerlabor-Projekte, verfügten über eine gewachsene Struktur der Zusammenarbeit mit Schulen. Ein Befragter erklärt:

„Das war ein Effekt dieser ganzen Bewerbung Stadt der Wissenschaft, dass man auf den Sitzungen überhaupt mal gesehen hat, wer eigentlich schon überall aktiv ist. Und der erste Bedarf, der formuliert wurde, war, wir müssen erst einmal einen Überblick haben. Und der wird jetzt z.T. erstellt“ (TSB II).

Hinsichtlich der Zusammenarbeit der Transferstelle Bildung mit Partnern existierten in der Aufbauphase der Transferstelle Kooperationen v.a. mit der Sozialplanung, mit Bildungsträgern und Vereinen. Weitere Kooperationspartner seien die Akteure in der Sozialen Stadt, darüber hinaus Lehrende, Lehramtsstudierende, Fachdidaktiker und einzelne Wissenschaftler innerhalb der Universität. Konzeptionelle Fragen würden zudem mit dem ZBH und anderen Einrichtungen der JGU, wie dem ZQ, dem Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) und dem Institut für Erziehungswissenschaften aufeinander aufbauend erörtert.

Im Rahmen der zweiten Befragungsrunde wird berichtet, dass sich über Stadt der Wissenschaft Kontakte zu Stellen ergeben hätten, die mit der Transferstelle Bildung kooperierten, wie die Jugendhilfeund Sozialplanung sowie die Schulentwicklungsplanung der Stadt. Auch zur Bildungsplanung bestünden Kontakte. Daneben stehe die Transferstelle mit verschiedenen Ämtern und Akteuren in Kontakt. Z.T. seien diese Kontakte projektbezogen oder punktuell und es werde versucht, Themenfelder zu eruieren, in denen Transferbedarf bestehe. Die Transferstelle mache jedoch die Erfahrung, dass die Akteure in der Stadtverwaltung sehr ausgelastet seien. Der Initiator erklärt:

„Diejenigen, die da außerhalb des Praxissystems Anforderungen stellen, die übersehen meistens unter welchen Bedingungen diese zusätzlichen Anforderungen zu erbringen sind“ (TSB I).

Eine unglückliche Konstellation sei zur Zeit der Befragung durch starke, auch personelle Veränderungen im Bereich der Sozialplanung der Stadt eingetreten, wodurch Vernetzungen neu aufzubauen seien. Gute Beziehungen hätten zur Sozialen Stadt bestanden. Dieses Programm werde aus politischen Gründen von der Bundesregierung reduziert. Damit verschwänden die Akteure und auch die Möglichkeiten, über solche Programme Impulse für die Verbesserung der Praxis zu setzen. Dies sei besonders gravierend, da die Transferstelle einen Schwerpunkt auf die Förderung von benachteiligten Schülern gesetzt habe. Der Sinn der Wissenschaft, wenn er über die Erledigung der Standardaufgaben (Forschung und Lehre) hinausgehen solle, sei, Erkenntnisse dort einzusetzen, wo die Gesellschaft sie besonders benötige – in benachteiligten Familien, Schulen und Stadtbereichen, so die Meinung des Initiators. Dieser Transfer leide darunter, dass auch in diesen Bereichen selbst Veränderungen vorgenommen, Projekte nicht mehr finanziert würden und neue Träger für Bildungsaktivitäten gefunden werden müssten. Das erschwere die Etablierung einer dauerhaften Kooperation.

  • [1] Das Ada Lovelace-Projekt ist ein landesweites Mentorinnen-Netzwerk zur Förderung von Frauen und jungen Mädchen in naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen und Ausbildungsberufen
 
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